In unserem Straßenbild sind Pick-ups keine Exoten mehr. Viele Handwerker und Gewerbetreibende schätzen die Kombination aus robustem Lasten- und Personentransporter. Mit dem GMC Sierra 1.500 AT4 6.2 V8 fällt man dagegen auf. Das liegt am Erscheinungsbild und am Sound. Wir waren mit dem US-Riesen unterwegs.
Lob: Erst einmal steht man staunend vor dem Fahrzeug, das 5,88 Meter in der Länge, 2,06 Meter in der Breite und 1,91 Meter in der Höhe misst. Mit 1,80 Metern Körpergröße schrumpft man fast auf Zwergenmaß. Zum Einstieg öffnet man die gewichtige Fahrertür, setzt den linken Fuß aufs Trittbrett, packt den Haltbügel an der A-Säule und schwingt sich auf den Fahrersitz 80 Zentimeter über dem Boden. Das geht problemlos. Und ebenso einfach ist es, sich im Cockpit zurechtzufinden. Der GMC Sierra hat die für US-Cars übliche Menge an Knöpfen, Schaltern und Reglern, doch deren Funktion erschließt sich nach kurzer Einweisung. Zwei Handschuhfächer sowie ein Riesenstaufach in der Mittelkonsole nehmen Reisegepäck auf. Dann der Druck auf den mächtigen Startknopf und der V8 beginnt zu bollern. 6.162 Kubikzentimeter Hubraum sind ein perfekter Resonanzkörper für ordentlichen Sound. Wählt man das Sport-Fahrprogramm, weiß dank Klappenauspuff jeder in der Nachbarschaft, dass hier gleich was abgeht. Die Fahrt ist bei entsprechender Konzentration kein Problem. An die Dimensionen hat man sich schnell gewöhnt, ebenso an die Leistung von 426 PS, die den 2.598 Kilogramm schweren Pick-up auf Wunsch vehement vorwärtstreibt. Die Zehngang-Automatik findet stets die optimale Fahrstufe. Stadtverkehr geht halbwegs, außerorts sollte man das Tempo unbedingt der Straßenbreite anpassen, auf der Autobahn ist man dafür sehr entspannt unterwegs und schwebt dem Ziel entgegen. Wer das Tempo nicht zu sehr forciert (Vmax 180 km/h), kann dank zusätzlich eingebautem LPG-Tank etwa 1.500 Kilometer weit Tankstellen ignorieren: An Bord sind 120 Liter Gas (davon sind 100 Liter nutzbar) und 100 Liter Benzin.
Kritik: In der Praxis wird es knifflig auf dem Supermarkt-Parkplatz. Da braucht das Monster bis zu vier Parkplätze. Also am besten in einer entfernten Ecke parken – oder zu Fuß zum Einkaufen gehen.
Kosten: Beim Verbrauch notierten wir im Schnitt 12,8 Liter auf 100 Kilometer. Für den GMC Sierra 1.500 AT4 6.2 V8 muss man 99.000 Euro hinblättern. Extrageld kosten noch die Felgen (4.900 Euro) sowie die Ladeflächen-Abdeckung (2.100 Euro).
Fazit: Rund 90 Prozent der Käufer seien Handwerker und Kleinbetriebe, sagt der Importeur Auto Magnus in München. Diese Kunden schätzen die Robustheit und Vielseitigkeit einerseits und die Reichweite, den Luxus und die Power andererseits. VOLKER PFAU