Longevity – gesund alt werden

von Redaktion

Wie gelingt es, möglichst alt zu werden und dabei möglichst gesund zu bleiben?

Alt werden wollen viele, alt sein dagegen nicht unbedingt. Genau hier setzt die sogenannte Longevity-Forschung an: Sie will herausfinden, wie sich nicht nur die Lebenszeit, sondern vor allem die gesunden Lebensjahre, der sogenannte Healthspan, verlängern lassen.

Kann man die
Lebenszeit beeinflussen?

Studien zeigen, dass bei der Lebenserwartung zum einen Genetik und biologische Faktoren eine Rolle spielen, zum anderen wird das Alter durch Lebensstil und Umwelt beeinflusst. Neuere Studien kommen dabei zu dem Ergebnis, dass Lebensstil und Lebensumstände eine weit größere Rolle spielen als bisher gedacht. Lebensstil und Umwelt meinen zum Beispiel, wie wir essen, schlafen, uns bewegen und mit Stress umgehen. Forscher sprechen von einer lebenslangen Wechselwirkung zwischen Veranlagung und Verhalten: Wer seinen Körper gut behandelt, könne sogar epigenetisch, also auf Ebene der Gensteuerung, positiv auf Alterungsprozesse einwirken.

Visionäre Positionen

Bekannte Namen haben das Thema in den vergangenen Jahren medial befeuert, darunter der australische Genetiker David Sinclair vom Harvard Aging Research Center. Er forscht am „Ende des Alterns“ und untersucht, wie sich Alterungsprozesse in Zellen bremsen oder gar umkehren lassen. Von ihm stammt der Satz: „Der Mensch, der 150 Jahre alt wird, ist schon geboren!“

Tech-Unternehmer Bryan Johnson wiederum will per Hightech und strenger Selbstkontrolle die „biologische Uhr“ zurückdrehen. Für den Tech-Milliardär scheint der Tod ein rein technisches Problem zu sein, das sich lösen lässt. In der Netflix-Doku „Don‘t Die: Der Mann, der unsterblich sein will“ können Zuschauer verfolgen, wie er seinen Alltag durchoptimiert, Pillen zum Frühstück nimmt, acht Stunden 34 Minuten schläft oder im Spagat frühstückt. Abseits solch extremer Experimente am eigenen Körper beschäftigen sich Wissenschaftler weltweit mit der Frage, wie Menschen bis ins hohe Alter fit, agil und geistig wach bleiben können. Dafür schauen sie zum Beispiel auf Regionen, in denen außergewöhnlich viele Hundertjährige leben. Zu diesen sogenannten „Blue Zones“ gehören Okinawa (Japan), Sardinien (Italien), Ikaria (Griechenland) und Nicoya (Costa Rica).

Ernährung und
Langlebigkeit

Trotz aller kulturellen Unterschiede teilen ihre Bewohner entscheidende Lebensgewohnheiten: überwiegend pflanzenbasierte, einfache Ernährung, statt Hochleistungssport regelmäßige Bewegung im Alltag, starke soziale Bindungen, wenig Stress und feste tägliche Routinen. Besonders gut belegt ist der Zusammenhang zwischen der mediterranen Ernährung und Langlebigkeit: Viel Obst, Gemüse, Nüsse, Olivenöl und wenig rotes Fleisch oder Zucker. Auch moderater Kalorienverzicht scheint Zellen länger jung zu halten.

Lifestyle schlägt Gene – auch noch mit 60

Wie stark die eigenen Entscheidungen das Altern beeinflussen, zeigen Daten aus den USA: In einer Untersuchung mit über 700000 Veteranen (University of Illinois, vorgestellt auf der „Nutrition 2023“ in Boston) lebten 40-jährige Männer mit gesunden Gewohnheiten im Schnitt 23,7 Jahre, Frauen 22,6 Jahre länger als jene mit ungesunden Verhaltensmustern.

Sie identifizierten vor allem allem acht Verhaltensweisen, die sich als besonders positiv auswirkten:

– regelmäßige Bewegung

– nicht rauchen

– wenn überhaupt, dann maßvoller Alkoholkonsum

– gesunde Ernährung

– ausreichend Schlaf

– Stressbewältigung

– stabile soziale Kontakte

– keine Abhängigkeit von Schmerzmitteln

Selbst im höheren Alter lohne sich ein Umstieg, betonen die Forschenden: Je früher, desto besser, aber auch spätere Veränderungen könnten Vorteile bringen. Auch das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns betont den positiven Einfluss einer gesunden Lebensweise. Dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung sich positiv auf den Alterungsprozess auswirkt, sei eben nicht nur eine allgemein bekannte Annahme, sondern auch durch viele wissenschaftliche Studien belegt.

Brustkrebs und Demenz
sind oft genetisch bedingt

Wissenschaftler betonen aber auch, dass es Krankheiten gibt, bei denen die Erbanlagen als überwiegende Ursache gelten. Laut Cornelia van Duijn, Professorin für Epidemiologie an der Universität Oxford, zählen etwa Brustkrebs und Demenz zu diesen Krankheiten. Umgekehrt gelte aber auch, dass die Veranlagung nicht gleichzeitig bedeute, dass Menschen auch tatsächlich daran erkranken.

Kein Wundermittel,
aber viele Hebel

Eine Pille gegen das Altern wird es so bald noch nicht geben. Doch die Forschung zeigt klar: Gesund alt werden ist nicht nur Schicksal, sondern auch Lebenskunst. Und die betrifft immer mehr Menschen.

Das Statistische Bundesamt hat für Deutschland errechnet, dass innerhalb der älteren Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten vor allem die Gruppe der Hochaltrigen stark ansteigen wird.

Während die Zahl der ab 80-Jährigen in den nächsten Jahren zunächst leicht sinke, wachse sie ab Mitte der 2030er-Jahre mit dem Altern der Babyboomer deutlich: von 6,1 Millionen im Jahr 2024 auf 8,5 bis 9,8 Millionen im Jahr 2050. Bis 2070 werde ihre Zahl dann zwischen 7,4 und 10 Millionen liegen.re

Was ist eigentlich „Longevity“?

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