Menschen altern in Schüben statt gleichmäßig

von Redaktion

Altern ist kein gleichmäßiger Prozess, der Jahr für Jahr im gleichen Tempo abläuft. Forschende sehen heute immer klarer, dass Menschen vor allem in zwei Lebensphasen spürbar schneller altern: ungefähr Mitte 40 und noch einmal um das 60. Lebensjahr. In diesen Zeitfenstern verändert sich im Körper auf einmal sehr viel, von Hormonen über das Immunsystem bis hin zum Stoffwechsel.

Altern in Schüben
statt gleichmäßig

Forschende der Stanford University School of Medicine und aus Singapur haben 108 Menschen zwischen 25 und 75 Jahren aus Kalifornien sieben Jahre lang immer wieder untersucht. Dabei wurde das molekulare und mikrobielle Profil von Blut, Speichel und weiterem Probematerial ermittelt. Außerdem wurden weitere klinische Laborwerte genommen. Aus diesen Daten konnte das Forschungsteam sehr gut Veränderungen von Molekülen feststellen.

Die Stanford-Studie zeigt, dass um Mitte 40 und um das 60. Lebensjahr besonders viele biologische Werte gleichzeitig „springen“, zum Beispiel Entzündungsmarker, Blutfette oder Hormone. Viele Menschen erleben das ganz konkret: Plötzlich fühlt man sich weniger belastbar, nimmt schneller zu oder erholt sich langsamer. Das bedeutet nicht, dass dazwischen nichts passiert, aber die großen Umbauprozesse scheinen sich in diesen Lebensjahren zu bündeln.

Longevity-Medizin: Vorbeugen statt behandeln

Anders als die klassische Medizin, die Krankheiten behandelt, setzt die Longevity-Medizin auf Prävention. Sie nutzt diese Biomarker, Blutanalysen, epigenetische Tests, Stoffwechseldaten, um individuelle Programme zu entwickeln. Das Ziel: die körperliche und geistige Funktionsfähigkeit möglichst lange erhalten.

Was im Körper passiert

Die moderne Altersforschung schaut also nicht mehr nur auf Falten und Blutdruck, sondern tief in die Zellen hinein. Zwei Mechanismen stehen besonders im Fokus. Zum einen die DNA-Methylierung, deren Funktionsweise etwa auf den Seiten des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns erklärt wird. Auf der Erbsubstanz DNA sitzen kleine chemische Marker, die steuern, welche Gene aktiv sind. Mit dem Alter verändert sich dieses Muster. Manche Bereiche werden stärker, andere schwächer markiert. Aus diesen Mustern lassen sich sogenannte „epigenetische Uhren“ berechnen, die angeben sollen, wie alt ein Körper biologisch wirkt.

Zum anderen befassen sich Wissenschaftler mit Telomeren: Das sind Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die sich mit jeder Zellteilung ein Stück abnutzen. Sehr kurze Telomere gelten als Zeichen für ein „gealtertes“ Zell-System und werden mit einem höheren Risiko für Krankheiten in Verbindung gebracht.

Solche Messgrößen helfen, das biologische Alter besser zu erfassen. Sie sollen sichtbar machen, ob jemand schneller oder langsamer altert, als es das Kalenderalter sagt.

Medikamente sind noch
Zukunftsmusik

Parallel sucht die Forschung nach Medikamenten, die Alterungsprozesse bremsen können. Ein prominentes Beispiel ist Rapamycin: ein Mittel, das bei Patienten nach Organtransplantationen eingesetzt wird. In Tierversuchen konnte Rapamycin die Lebensspanne von Mäusen verlängern, was großes Interesse geweckt hat. In Studien mit Menschen fällt das Bild bisher deutlich vorsichtiger aus. Für die Altersforschung ist es ein Forschungsmedikament, bei dem Nutzen und Risiken noch intensiv geprüft werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns sehen es als eine vielversprechende Anti-Aging-Substanz.

Damit all dieses Wissen im Alltag nutzbar wird, arbeiten Labore an der Entwicklung von Tests, die das biologische Alter und das individuelle Risiko besser abbilden sollen. Dazu gehören etwa Bluttests, die epigenetische Muster, Entzündungswerte oder bestimmte Eiweißstoffe messen. Speicheltests, mit denen sich DNA-Methylierung und andere Marker teilweise ebenfalls bestimmen lassen. Ziel ist es, solche Biomarker in Vorsorgekonzepte und Longevity-Programme einzubauen. Die Idee dahinter: Wer früh erkennt, dass sein biologisches Alter dem eines deutlich älteren Menschen entspricht, kann gezielt gegensteuern, etwa mit mehr Bewegung, Ernährungsumstellung, Schlafhygiene oder Stressreduktion. re

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