Nachts buchen und dienstags fliegen

von Redaktion

Fluggesellschaften füllen gerne offene Sitzplätze auf. Wann man die am besten bekommt, verraten Insider

Für viele Fernwehgeplagte wartet die Sonne nur einen Flug entfernt. Doch wie kommt man preisgünstig an die Tickets? Insider sagen: Dienstags fliegen und zwischen 2 und 3 Uhr nachts buchen.

Das Geheimnis um den
magischen Dienstag

Langes Warten, weil der Check-in wegen Software-Problemen nicht klappt, ewiges Anstehen, weil die Mitarbeiter bei der Sicherheitskontrolle nicht hinterherkommen, Annullierungen wegen Wetterchaos und verspäteter Anschlussflüge – der Genuss des Fliegens ist manchmal begrenzt. Doch es könnte entspannter und oft sogar preiswerter laufen, wenn nicht jeder immer auf dieselben Abflugtage bestehen würde.

„Die meisten Menschen gehen davon aus, dass das Flughafenchaos unvermeidbar ist, aber es hängt stark vom jeweiligen Wochentag ab“, erklärt Jessie Chambers von Global Work & Travel. Und dann lüften die Reiseexperten das Geheimnis rund um die Wochenmitte: Besonders auf den Dienstag wirke sich eine seltene Kombination aus Preisstrategien der Fluggesellschaften, Reiseverhalten und geringerem Passagieraufkommen zugunsten der Verbraucher aus. „Der Dienstag ist ein seltener Glücksfall: Die Nachfrage sinkt deutlich, und das gesamte Umfeld am Flughafen wirkt dadurch ruhiger“, bestätigt Chambers.

Ein Grund für den „magischen Dienstag“ ist, dass Arbeitnehmer für einen Urlaubsbeginn in der Wochenmitte oft zusätzliche Urlaubstage nehmen müssten. Ein Unding für alle, die begeistert am Jahresanfang Brückentage errechnen, um so viel freie Zeit wie möglich mit so wenigen Tagen wie nötig herauszuschlagen. Der Dienstag funktioniere aber auch so gut, weil Geschäftsreisende ebenfalls dem traditionellen Reisemuster folgen. Das heißt, am Montag sitzen sie in den Frühmaschinen und hoffen, am Montagabend noch die letzte Maschine für den Heimflug zu erwischen. Wenn nicht, dann kehren sie im Laufe der Woche, spätestens aber am Freitagnachmittag wieder zurück.

Die Airlines reagieren auf die Gewohnheiten von Touristen und Dienstreisenden. Es werden verstärkt Frühflüge am Montag sowie an den Spitzentagen Freitag und Sonntag – und natürlich zu Beginn und Ende diverser Ferien angeboten. Mit der Folge, dass die Nachfrage am Dienstag und meistens auch Mittwoch geringer ist und die Fluggesellschaften entsprechend die Preise nach unten korrigieren, um Restplatzbuchungen zu generieren.

Doch nicht nur günstigere Preise warten in der Wochenmitte auf Reisende, auch der Flughafenbetrieb funktioniert meist reibungsloser. Gleichzeitig treten weniger Folgeverspätungen durch Überlastung auf, Reisende genießen eine größere Sitzplatzauswahl und haben mehr Flexibilität bei der Umbuchung. Lust, mal Neues zu wagen und den Dienstag zum Reisetag zu machen? „Dem Dienstag fehlt die emotionale Anziehungskraft eines Urlaubstages, und genau deshalb funktioniert er so gut“, sagt Reiseexpertin Chambers.

Wer um 2.37 Uhr früh bucht, spart

Die Flugpreise schwanken wie verrückt – mal kostet derselbe Sitzplatz 80 Euro, mal das Doppelte. Zufall? Ganz und gar nicht. Dahinter steckt ein System aus Daten, Algorithmen und psychologischen Tricks, das man schwer durchschaut, aber gelegentlich auch zu seinem Vorteil nutzen kann. Das weiß etwa das Schnäppchenportal www.mydealz.de. Schon die Such-Uhrzeit könne manchmal den Unterschied machen, heißt es dort.

Wann also ganz konkret online nach Flügen suchen? Am günstigsten geht das um 2.37 Uhr nachts, lautet ein Tipp. Okay, vielleicht nicht genau auf diese eine Minute. Feststeht aber, dass Fluggesellschaften mit dynamischen Algorithmen stets versuchen, den höchsten Preis herauszuholen, den der Kunde bereit ist zu zahlen. Sobald man eine Verbindung sucht, beginnt im Hintergrund ein datengetriebenes Spiel: Preisalgorithmen von Fluggesellschaften analysieren live, wie viele Sitze noch verfügbar sind, wie oft die Strecke angeklickt wird, aus welchem Land man sucht und welches Gerät man verwendet. Diese Systeme reagieren auf nahezu alles: Nachfrage, Tageszeit, Wochentag, das Suchverhalten der Interessenten – sogar auf die Kaufkraft des Standorts. Ein und derselbe Flug kann in Deutschland 650 Euro kosten – und in Indien 480 Euro.

Und warum ist das angeblich um 2.37 Uhr anders? Daten von Buchungsplattformen zeigen: Zwischen 2 und 5 Uhr in der Nacht werden bei vielen Anbietern Preis-Resets gefahren. Heißt: Flugsuchmaschinen sind aufgrund von Systemwartungen weniger „aktiv“ – in dieser Zeit ändern sich Preise oft nicht. Ideal für Nachtschwärmer, einen günstigeren freien Sitzplatz im heiß begehrten Flieger in Richtung Sonne zu ergattern. Ob es wirklich funktioniert? Einen Versuch ist es wert.

Julitta Ammerschläger
Tinga Horny/srt

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