Obst, Puder & Kamellen: Fasching in Europa

von Redaktion

An Aschermittwoch ist noch lange nicht Schluss: In Europas südlichen Karnevalshochburgen lässt sich das närrische Treiben mit einem frühlingshaften Urlaub verbinden.

Orangenschlacht und Puderwolken statt Tröte und Pappnase: Auch im Süden Europas wird Karneval gefeiert. Reiseideen für Teilzeitjecken.

Sardinien: Historische
Reiterspiele

Der Karneval auf Sardinien ist eine Zeit voller Emotionen und Geheimnisse. Das spürt man besonders bei der „­Sartiglia“ in Oristano. Die mitreißenden Reiterspiele haben ihren Ursprung im Mittelalter. Rund hundert maskierte Reiterinnen und Reiter in traditionellen Kostümen nehmen mit geschmückten Pferden teil (dieses Jahr am 15. und 17.2.). Angeführt werden sie vom „Componidori“, einem gottgleichen Wesen, das zugleich Braut und Bräutigam verkörpert. Nacheinander jagen die Reiter im Galopp durch die Straßen, um mit ihren Degen einen hängenden, silbernen Stern zu treffen. Wer das schafft, sichert Glück und eine gute Ernte. Auch die „Pariglie“ sorgen für Begeisterung: Jeweils drei Reiter zeigen auf ihren nebeneinander galoppierenden Pferden atemberaubende Stunts (sartiglia.info).

Griechenland: Patras haut auf die Pauke

Griechenlands Narrenhochburg heißt Patras. Beim großen Umzug am Karnevalssonntag laufen 40.000 Patraer mit, Hunderttausende jubeln der kilometerlangen Parade zu. Hunderte Stände verkaufen Süßkram. Aber: Der große Umzug startet dieses Jahr erst am 22. März, orientiert am orthodoxen Osterfest, das 2026 eine Woche später stattfindet. (www.carnivalpatras.gr).

Malta: Lebensfreude & Tanzwettbewerbe

Der Ursprung des maltesischen Karnevals reicht ins 16. Jahrhundert zurück, als sich die Ritter des Johanniterordens mit bunten Masken verkleideten. Dieses Jahr steigt der „Karnival ta‘ Malta“ von 12. bis 17.2. (festivalsmalta.com) mit bunten Paraden und fantasievollen Wagen. Von früh bis spät wird bei Tanzwettbewerben und ausgelassenen Straßenpartys in Valetta gefeiert.

Tipp: Auf Maltas Nachbarinsel Gozo wird die närrische Zeit im Dorf Nadur mit dem „spontanen Karneval“ gefeiert. Wichtigstes Ziel der Teilnehmer hier ist es, sich durch Kostümierung so zu verschleiern, dass man nicht erkannt wird. (15.-17. Februar, visitgozo.com).

Kroatien: Rijekas
Karneval der Kinder

In der kroatischen Karnevalshochburg Rijeka beginnt der Reigen traditionell mit der Wahl der Karnevalskönigin (dieses Jahr war das am 23.1.). Danach stehen der Kinderkarneval und am 15.2. eine Straßenparade aus 10.000 Darstellern an (visitrijeka.hr).

Italien: Ivreas
Orangenschlacht

In Köln wirft man mit Kamellen, in Italien mit Orangen. Höhepunkt des Carnevale Storico in Ivrea bei Turin ist die „Battaglia delle Arance“, die Orangenschlacht (in diesem Jahr am 15.2.). Kostümierte Südfrüchte-Ritter bewerfen sich dabei mit mehreren hundert Tonnen Orangen. Die Tradition geht bis ins 19. Jahrhundert zurück (storicocarnevaleivrea.it).

Nizza: Blumen und
Scheiterhaufen

Ausgelassene drei Wochenenden lang feiert man an der Côte d‘Azur Karneval. Das diesjährige Thema „Lang lebe die Königin“ steht im Zeichen aufwendiger und royaler Kostüme. Hunderttausende Gladiolen, Chrysanthemen und Mimosen schmücken die Festwagen auf der Promenade des Anglais, wenn am 18., 21., 25. und 28.2. die berühmten Blumenschlachten steigen. Mit einem gigantischen Feuerwerk endet das Fest am 1.3. Davor treten der „König“ und dieses Jahr auch die „Königin“ ihren letzten Gang an, der traditionsgemäß auf einen Scheiterhaufen am Strand führt.

Spanien: Cádiz – Seeigel & Humorparade

Spöttisch, bunt und laut: Die andalusische Stadt Cádiz beginnt mit Wettbewerben der Karnevalsgruppen im Teatro Falla. Ab dem Faschingswochenende dann geht es mit Flamencotänzern, Samba-Girls und afrikanischen Rhythmusbands durch die Innenstadt. Der Platz vor der Kathedrale bebt, wenn abends die „Cabalgata del humor“ durch die engen Gassen zieht. Zum Essen gibt es eine stachlige Spezialität: Seeigel. (spain.info/de).

Madeira: Windbeutel und Spaßparade

Am Abend des Karnevalssamstags (14.2.) schiebt sich der große Allegorische Festzug in Funchal von der Praça da Autonomia bis zur Praça di Municipio. Die rund 1500 Teilnehmer tanzen in prächtigen Kostümen zu wilden Samba-Klängen an der ausgelassenen Menschenmenge vorbei. Beim „Trapalhão“am 17.2. darf jeder mitmachen. Danach snackt man das deftige Eiergericht Malassado oder Windbeutel (visitmadeira.com).

La Palma: Alles in weiß

Auf diese Reise nimmt man besser ältere Kleidung mit: Denn am Abend des Dia de los Indianos in Santa Cruz de La Palma werden die Klamotten nicht mehr wiederzuerkennen sein. Bei dem ausgelassenen Rosenmontagsbrauch auf der Kanareninsel versinkt ganz Santa Cruz und vor allem die zentrale Calle Real zu ohrenbetäubender kubanischer Livemusik unter einer weißen Puderwolke. Das Fest spielt auf die Emigranten an, die einst in die Karibik auswanderten und später wohlhabend in die Heimat zurückkehren und dort ungeniert ihren Reichtum und blass-weißen Teint (deshalb der Puder) zur Schau stellten (visitlapalma.es/experiencias).

Teneriffa: Federboas und Stöckelschuhlauf

Monatelang arbeiten fleißige Hände in Santa Cruz, um Kostüme und Wagen für den Karneval auf Teneriffa zu schmücken. Los geht‘s mit der Wahl der Karnevalskönigin. Höhepunkt ist der „Gran Coso“ am Faschingsdienstag, ein Riesenspektakel. Das offizielle Ende markiert die „Beerdigung der Sardine“, ein feierlicher Trauerzug am Aschermittwoch.

Tipp: Am Freitag nach Aschermittwoch nach Puerto de la Cruz zum Stöckelschuhlauf „Mascarita Ponte Tacon“: Dabei müssen als Frauen verkleidete Männer einen Parcours bewältigen.

Brigitta Wenninger/

Hans-Werner Rodrian

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