In Oberaudorf herrscht Unmut in Sachen Kommunikation zum Brenner-Zulauf. „Stehen die Planungen und das Verfahren momentan still? Will man vor den Kommunalwahlen keine Unruhe schaffen? Was auch immer es ist, die komplette Einstellung der Kommunikation durch die Vorhabenträgerin ist einem der größten Infrastrukturmaßnahmen des Bundes nicht angemessen“ – So äußerst sich Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt zur Tatsache, dass in Sachen Brennernordzulauf seit geraumer Zeit keinerlei Informationen mehr an die betroffenen Gemeinden gelangen. Die bisher regelmäßig stattfindenden Kommunikationsforen seien zwar zum Teil unbefriedigend gewesen, da entscheidende Informationen nur scheibchenweise übermittelt worden seien, aber zumindest habe man den Eindruck gehabt, man sei einigermaßen in Kenntnis über die aktuellen Fortschritte.
Dabei steht im Grunde viel an: In diesem Jahr soll der Bundestag eigentlich über die Kernforderungen aus der Region befinden, in der Rede war dabei eine Entscheidung noch im ersten Halbjahr. Doch ob das tatsächlich so ist, weiß derzeit keine von den Gemeinden, die von der Streckenführung betroffen werden.
In Oberaudorf kommt dazu, dass der Bayerische Landtag eigentlich eine Voruntersuchung einer Verknüpfungsstelle im Berg forderte. „Wir gehen schon davon aus, dass diese Einstellung sich nicht verändert hat“ betont Oberaudorfs Bürgermeister. „Aber auch dazu bräuchte es Kommunikation und Gespräche“. Zudem fehle nach wie vor eine nachvollziehbare Begründung seitens der Bahn, wieso die Verknüpfungsstelle überhaupt benötigt wird.
Das Thema „Geld“ als Gegenargument gegen die Verlegung der Verknüpfungsstelle in den Berg dürfe man aus zwei Gründen nicht ins Feld führen, so Oberaudorfs Bürgermeister. Zum einen werde nach aktuellen Berechnungen nur der Bodenwert als Verlust infolge der Maßnahme angesetzt. „Die entstehenden volkswirtschaftlichen Folgen für die ganze Region – man muss hier nur an Tourismus und Landwirtschaft denken – werden hingegen völlig außer Acht gelassen“.
Zum zweiten sei der Baukostenindex im Bereich Infrastruktur in der Planungsphase um mehr als 100 Prozent gestiegen, „hätte man also gleich versucht eine teurere und für alle akzeptable Trasse, schneller umzusetzen, so wäre man höchstwahrscheinlich günstiger gefahren, als bei der jetzigen Umsetzung einer Trasse, die unser Dorf massiv gefährdet“. Für die lange Planungsphase, die ja ein generelles Problem im Bereich Infrastruktur in Deutschland darstelle, könnte aber die Gemeinde Oberaudorf nichts und dürfte demnach nicht unter den Konsequenzen leiden.
Gerade im Bereich Landwirtschaft gehe es dabei um sehr viel, wie Matthias Bernhardt betont: „Zum einen um den generellen Erhalt der landwirtschaftlichen Strukturen, die hier über Jahrhunderte gewachsen sind, zum anderen aber auch um die Zukunft des größten zusammenhängenden Almgebiets Bayerns, einem einzigartigen Natur- und Kulturraum. Denn wenn es im Tal keine Landwirte gibt, weil sie keine Flächen mehr haben, gibt es logischerweise auch niemand mehr, der die Almen als Almen erhält“.
Kleiner Teilerfolg
Immerhin hier hat Oberaudorf einen Teilerfolg erzielt. Denn ursprünglich war die ökologische Bewertung der betroffenen Flächen – das sogenannte scoping-Verfahren – auf einen engen Streifen links und rechts der geplanten Trasse beschränkt. Ein erster Einspruch Oberaudorfs dagegen wurde abgewiesen, weil ein Zusammenhang zwischen Tal- und Almregion nicht hinreichend belegt sei. Erst nachhaltiger Widerstand der Gemeinde und das Engagement der Landwirte führte dazu, dass im scoping Verfahren nun auch die Almregionen erwähnt werden.jt