Wenn im Frühjahr die Mahdsaison startet, wird es für Rehkitze auf Wiesen schnell brenzlig: Die Jungtiere drücken sich instinktiv ins hohe Gras und bleiben bei Gefahr reglos liegen. Was vor Fressfeinden schützt, kann bei der Wiesenmahd zur tödlichen Falle werden, denn aus der Fahrerkabine großer Traktoren sind die kleinen Tiere oft kaum zu erkennen.
Um Unfälle zu verhindern, fördert das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) auch in diesem Jahr wieder Drohnen mit Wärmebildtechnik zur Rehkitzrettung. Dafür stehen 2,1 Millionen Euro bereit. Anträge können bis zum 30. Juni 2026 gestellt werden. Antragsberechtigt sind eingetragene Kreisjagdvereine, Jägervereinigungen auf Kreisebene sowie Kitzrettungsvereine.
Schritt für Schritt zur
Lebensrettung
Für Landwirte ist die Drohnensuche vor allem eins: planbar, schnell und deutlich sicherer als das reine Absuchen zu Fuß. Wärmebildkameras zeigen die Tiere, die im Gras sonst unsichtbar bleiben. Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn der Temperaturunterschied zwischen Tierkörper und Umgebung groß ist, kann die Technik besonders effektiv sein.
Der Ablauf ist fast überall der gleiche: Zunächst melden sich Landwirte oder Jagdpächter bei einem Verein oder einer zuständigen Gruppe. Die Flächen werden am Computer vorbereitet, anschließend fliegt die Drohne die Wiese vollautomatisch ab. Pilot und Helfer stehen dabei per Funk in Kontakt. Wird auf dem Wärmebild ein Tier erkannt, lotst der Pilot die Helfer präzise zum Fundort. Die Rehkitze werden dann in Klappboxen gesichert und nach der Mahd wieder freigelassen. Die Ricke holt ihren Nachwuchs üblicherweise kurze Zeit später ab.
Gerettet werden dabei nicht nur Rehkitze: Auch Junghasen, Füchse, Dachse und bodenbrütende Vögel wie Fasane können bei der Wärmebildsuche entdeckt und vor der Mahd in Sicherheit gebracht werden.
Unterm Strich zeigt der Ablauf: Moderne Rehkitzrettung ist längst mehr als „Absuchen vor der Mahd“. Sie ist ein digital organisierter Baustein der Erntevorbereitung – und für viele Betriebe eine pragmatische Möglichkeit, Tierleid zu verhindern und die Mahd planbar und sicher zu organisieren.