Wie viel Dämmung ist gesund?

von Redaktion

Internationale Vereinigung warnt vor zu geringem Luftaustausch

Energieeffiziente Gebäude stehen hoch im Kurs – und damit Dämmungen, die im Winter die Wärme drinnen und im Sommer die Hitze draußen lassen. Ein Effekt der Abschirmung, der allerdings in manchen Fällen negative Folgen für die Gesundheit der Bewohner nach sich ziehen kann. Dieser Ansicht ist jedenfalls Angela Balatoni, Gründerin der „Allergy Friendly Buildings Alliance“: „Moderne, dichte und energieeffiziente Gebäude reduzieren den Luftaustausch – damit verbleiben Ausdünstungen von Materialien und Reinigungsmitteln länger in der Raumluft.“

Allergierisiko in
Innenräumen

Gemeinsam mit dem „European Centre for Allergy Research Foundation“, internationalen Medizinern und Ingenieurbüros hat Balatoni ein medizinisch-wissenschaftliches Qualitätssiegel für allergikerfreundliche Gebäude entwickelt. Nach ihrem Ansatz schützen zwar dicht gedämmte Häuser vor allergischen Auslösern von draußen, können aber in den Wohnräumen die Bedingungen für Al-lergiker sogar verschlimmern. 

Denn die Innenraumluft ist oft deutlich stärker belastet als die Außenluft. Die Weltgesundheitsorganisation spricht in manchen Fällen von bis zu 30-fach höheren Schadstoffkonzentrationen. Verantwortlich sind flüchtige organische Verbindungen, Formaldehyd, Weichmacher und Biozide, die aus Baumaterialien, Farben, Klebern, Bodenbelägen und Möbeln ausgasen. Sie reizen Schleimhäute, schwächen das Immunsystem und verschärfen allergische Beschwerden.

Dies gilt natürlich nicht für alle Gebäude. In Häusern, die mit hohen Umwelt- und Qualitätsstandards – inklusive eines effektiven Lüftungssystems – gebaut werden, dürften die Belastungswerte deutlich niedriger ausfallen. Allerdings trifft dies längst nicht auf alle Häuser zu. „Dass schlecht gebaute Gebäude krank machen können, ist kein polemischer Vorwurf mehr, sondern wissenschaftlich belegt“, erklärt Christian Berger, Vorsitzender der Geschäftsführung bei UBM Development Deutschland. Sein Unternehmen gilt als einer der Vorreiter im Bereich der Holz-Hybrid-Bauweise. Und der Baustoff Holz – das zeigt das Forschungsprojekt „Homera“ der Technischen Universität München – wirkt sich in der Regel positiv auf Raumklima, Stresslevel, Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und das Immunsystem aus. Christoph Kastenbauer

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