Das InnCarrée in Mühldorf ist mehr als ein Fachzentrum für Bauen und Wohnen. Alfons Wimmer hat hier vor zehn Jahren einen Ort geschaffen, der wie ein bayerischer Vierseithof wirkt und doch ein moderner Gewerbekomplex ist. Wer von der Autobahn A94 abfährt und die Äußere Neumarkter Straße ansteuert, staunt. Zwischen funktionalen Gewerbegebieten steht ein Gebäudeensemble, das auf den ersten Blick wie ein historischer Gutshof wirkt. Tatsächlich ist es das Ergebnis von Wimmers Vision und harter Arbeit, kein Erbe vergangener Jahrhunderte.
Vision und harte Arbeit
Die Standortwahl war für ihn entscheidend. „Die Lage kannst du nicht mehr nachbessern“, sagt Wimmer. Er wollte genau dort bauen, wo sich die Landkreise Mühldorf und Altötting treffen und die Autobahn A94 bald fertiggestellt sein würde. Die Mühldorfer Stadtverwaltung reagierte zunächst skeptisch. Ein moderner Neubau im Stil eines Vierseithofs entsprach nicht den üblichen Vorstellungen eines Gewerbebaus. „Zuerst wollten sie den Hof gar nicht genehmigen“, erinnert sich Wimmer. Nach zähen Verhandlungen und zahlreichen Auflagen bekam er schließlich grünes Licht. Eine kuriose Bedingung: Um den Einzelhandel in der Innenstadt zu schützen, durfte er im InnCarrée keine Weißgeräte verkaufen. „Ich habe unterschrieben. Ich wollte den Hof bauen, nicht Waschmaschinen verkaufen“, schmunzelt er heute.
16 Gewerke und Dienstleister unter einem Dach
Heute beherbergt das InnCarrée 16 Gewerke und Dienstleister unter einem Dach. Die Idee dahinter ist einfach: Synergie statt Konkurrenz. „Es gibt jedes Gewerk nur einmal. Wir haben keine zwei Küchenstudios und keine zwei Friseure“, erklärt Wimmer.
„Mitstreiter müssen zum
Konzept passen“
Die Auswahl seiner Mitstreiter traf er nicht nach Business-Plänen, sondern nach Bauchgefühl. „Was nützt es, wenn einer ein super Handwerk hat und ein totaler Depp ist? Ich suche wirklich nach Menschen, die vom Angebot zu uns passen und menschlich Charakter haben.“ Die Mieter kamen von selbst, über Empfehlungen und Mundpropaganda.
Für Wimmer war von Anfang an klar, dass Gastronomie Teil des Konzepts sein muss. Er wollte, dass Menschen hier nicht nur einkaufen, sondern sich begegnen und das Handwerk erleben können. „Sehr wichtig war mir von Anfang an die Gastronomie. Früher gab es in jedem Dorf zwei Wirtshäuser, da konnte man sich treffen. Heute fehlen solche Orte. Die Leute müssen in einem Café oder Restaurant zusammenkommen – Essen und Trinken, Kontakte knüpfen, miteinander reden. Gerade das braucht es im Alltag“, erklärt er. Zwei gastronomische Betriebe im InnCarrée bieten genau diese Begegnungsflächen. „Die müssen auch groß sein. Die Leute wollen sehen und gesehen werden“, sagt Wimmer.
Treffpunkt für Mieter,
Besucher, Handwerker
Hier treffen sich Mieter, Besucher und Handwerker, kommen ins Gespräch und tauschen Erfahrungen aus. So entsteht ein Netzwerk, das über die Schauflächen hinaus wirkt. Einkaufen soll hier ein Erlebnis sein. „Das größte Glücksgefühl hast du beim Aussuchen. Wenn ich mir im Internet einen Schmarrn bestelle, der dann dreimal falsch geliefert wird, habe ich keine Freude. Hier kann ich flanieren, einen Kaffee trinken, Stoffe anfassen und mich beraten lassen“, sagt Wimmer. Das Gebäude unterstützt dieses Gefühl. Wimmer verzichtete beim Bau konsequent auf Kunststoffe und setzte auf „ehrliche Materialien“. „Meistens lachen die Leute und haben ein freundliches Gesicht, wenn sie hier durchgehen“, beobachtet er. Besonders stolz ist er, dass alles barrierefrei geplant wurde: „Ich bin einer, der gerne keine Stolperschwellen hat. Die hat man im Leben eh genug.“
Nachhaltiges Konzept
Nachhaltigkeit ist für Wimmer keine Modeerscheinung. Bereits im Jahr 2000 installierte er die erste Photovoltaikanlage auf dem Dach. „Das war eine gute Investition. Die Anlage hat immer Geld verdient“, berichtet er. Heute erzeugt sie rund 80 Prozent des Strombedarfs selbst, im Sommer fast 100 Prozent. Beheizt wird der Hof umweltschonend durch Erdwärme, und für Elektroautos stehen sechs Schnellladesäulen bereit. Für Wimmer ist das kein Hype, sondern eine logische Fortführung seines Pioniergeistes.