Was heute als Spezialist für hochkomplexe Innenausbauten weltweit agiert, begann vor über 30 Jahren mit einer ordentlichen Portion Mut und einer klaren Philosophie.
Mut und ein erster
Großauftrag
Der Grundstein für die Schreinerei Wimmer wurde 1988 in Pleiskirchen gelegt, wo Alfons Wimmer in der Garage des elterlichen Bauernhofs seine ersten Stücke fertigte. 1990 folgte der Umzug nach Mühldorf – für ihn der eigentliche Startschuss. „Ich wollte weg vom Dorf“, sagt er heute. Ein erster Großauftrag in Frankfurt brachte das nötige Kapital. Doch anstatt sich auszuruhen, investierte Wimmer sofort und kaufte noch in Frankfurt seinen ersten LKW und anschließend das Grundstück in Mühldorf für die eigene Schreinerei mit den ersten Angestellten. „Ein bisserl naiv war das alles schon. Aber Gesellen gab es damals noch wie Sand am Meer“, erzählt er lachend. Der Betrieb entwickelte sich langsam. Schreinerkollegen wurden zu Freunden und Geschäftspartnern. Die Aufträge wurden immer größer. Alfons Wimmer blickt auf eine Zeit zurück, in der die Weichen für den heutigen Erfolg gestellt wurden, mit Intuition und dem richtigen Gespür für Qualität.
Mit den Jahren wuchs der Betrieb über die klassische Schreinerei hinaus. Aus Möbeln und Einbauten wurden komplette Raumkonzepte, aus Einzelleistungen entstanden Generalunternehmeraufgaben im Innenausbau. Dafür brauchte es neue Werkzeuge – und neue Denkweisen. „Der Schritt von der Handzeichnung zur CAD-Planung hat alles verändert“, erklärt Alfons Wimmer. „Das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Moderne Maschinen, CNC-Technik, ein automatisches Plattenlager optimieren heute den Arbeitsalltag. Doch Technik ersetzt für die Wimmers nicht das Handwerk: „Die Maschine sortiert, aber das Auge und die Hand entscheiden.“
Wenn Alfons Wimmer an das prägendste Projekt seiner Karriere denkt, fällt sofort der Name Park Hyatt Wien. Aus Denkmalschutzgründen musste in dem ehemaligen Bankpalais die gesamte Fertigung dem technischen und handwerklichen Standard von 1910 entsprechen.
Handwerk auf
Fünf-Sterne-Niveau
Das bedeutete: Holzoberflächen wurden mit Schellack versiegelt, Leime wurden wie vor hundert Jahren mühsam aus Hasen-, Knochen- und Fischleim angerührt, historische Farbtöne wurden mit Erdfarben und antiken Ölen nachempfunden. Moderne Kleber und Lacke waren tabu, selbst profane Details mussten sich in das historische Gesamtbild fügen. „Wir haben gearbeitet, als wären wir in einer anderen Zeit“, erinnert sich Wimmer. Diese Fähigkeit zu Authentizität, Qualität und Zuverlässigkeit ist heute das Markenzeichen der Schreinerei Wimmer.
Schreiner, Architekt, Unternehmer und immer Vollgas
Wie schafft man es, bei solcher Perfektion für Hotels, Gastronomie und anspruchsvolle Privatkunden wirtschaftlich zu bleiben? „Vollgas geben“, sagt Wimmer knapp. „Dahinter stecken saubere Planung, kurze Entscheidungswege, ein eingespieltes Team.“
Ob er sich heute eher als Schreiner oder als Unternehmer sieht? „Ich bin Schreiner, Architekt und Unternehmer zu je einem Drittel – anders funktioniert es nicht“, sagt Alfons Wimmer. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, warum für ihn ein anderer Beruf nie infrage gekommen wäre, etwa der eines Arztes: Als Schreiner könne man einen Fehler machen und einfach von vorne anfangen. Beim Patienten gehe das natürlich nicht.
Das Schreinerhandwerk ist für Wimmer das schönste und flexibelste Handwerk. „Wir kommen mit den unterschiedlichsten Materialien zusammen. Wir arbeiten mit Holz, Stein, Glas, Keramik oder Messing. Das gibt es in keinem anderen Beruf.“ Seine Wurzeln liegen in der Restaurierung. Bei einem „ganz tollen Betrieb“, in dem er in den 1980er-Jahren lernte, entwickelte er sein Gespür für Stilkunde, historische Möbel und die verschiedensten Holzarten. Er komme ja noch aus einer Zeit, in der man mit Antiquitäten Geld verdient hat. Dieses Wissen hat ihn über die Jahrzehnte begleitet.