Fallstricke vermeiden

von Redaktion

Rechtsanwältin Andrea Drath zeigt, wo Käufer und Verkäufer genau hinschauen sollten

Wer eine Immobilie kauft oder verkauft, bewegt sich nicht nur auf einem emotionalen, sondern vor allem auf einem rechtlich sensiblen Feld. Beim OVB-Expertenforum machte Andrea Drath, Rechtsanwältin der Kanzlei Fiducius und Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie Bau- und Architektenrecht, deutlich, wie schnell dabei Fehler entstehen können.

Schon zu Beginn stellte sie klar: Käufer und Verkäufer verfolgen gegensätzliche Interessen. „Der Verkäufer möchte möglichst viel Geld und wenig haften, der Käufer möglichst wenig zahlen und möglichst viele Ansprüche haben“ . Konflikte seien deshalb oft vorprogrammiert – vor allem dann, wenn wichtige Punkte im Vorfeld nicht sauber geklärt werden.

Notar ersetzt
keine eigene Prüfung

Zwar sorgt der notarielle Kaufvertrag für einen rechtlichen Rahmen. Doch Drath warnt davor, sich allein darauf zu verlassen.

„Der Notar ist neutral – er berät nicht im Interesse einer Partei“, erklärt sie. Käufer wie Verkäufer müssten sich daher eigenständig mit den Inhalten auseinandersetzen.

Für Verkäufer ist vor allem der Umgang mit Mängeln entscheidend. Ein Gewährleistungsausschluss schützt nur dann, wenn bekannte Mängel nicht verschwiegen werden. „Sie sollten alles offenlegen, was für die Kaufentscheidung relevant ist“, so Drath. Wer hier bewusst Informationen zurückhält, riskiert spätere Haftung.

Risiken erkennen,
bevor es teuer wird

Für Käufer beginnt die Absicherung lange vor Vertragsabschluss. Draht empfiehlt, die Immobilie fachlich prüfen zu lassen und die baurechtliche Situation genau zu klären. „Es kann sein, dass ein Dachgeschoss ausgebaut ist, aber gar nicht genehmigt wurde“, warnt sie.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Kauf einer Eigentumswohnung. Käufer werden Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft – mit gemeinsamen Entscheidungen und Verpflichtungen. „Das ist ein bisschen wie eine Ehe mit jemandem, den Sie sich nicht ausgesucht haben“, beschreibt Andrea Drath die Situation. Regelungen wie die Teilungserklärung bestimmen, was erlaubt ist – unabhängig davon, wie die Immobilie aktuell genutzt wird.

Auch finanzielle Risiken sollten nicht unterschätzt werden. Sanierungen oder fehlende Rücklagen können zu hohen Zusatzkosten führen. Ebenso wichtig ist ein Blick ins Grundbuch, in Protokolle und in die Verwaltung der Anlage.

Informieren und
genau hinschauen

Am Ende gilt für Drath ein Grundsatz: Wer sich frühzeitig informiert und genau hinschaut, kann viele Risiken vermeiden. Immobiliengeschäfte bleiben komplex – doch mit dem richtigen Verständnis lassen sich teure Fehler verhindern.

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