Auf Fernreise mit Kindern

von Redaktion

Wie man sich darauf vorbereitet und was man einpackt, verrät ein Ärzteteam

Fernreisen mit Kindern sind für viele Familien längst keine Ausnahme mehr. Vor allem jetzt rund um Ostern locken Asien, Karibik und Co. mit Traumstränden und viel mehr Sonnenstunden als zu Hause. Doch ist so eine weite Reise überhaupt gut für mein Kind? Antwort hierauf gab es vor wenigen Tagen auf dem 27. Forum Reisen und Gesundheit des Centrum für Reisemedizin. Die Mediziner, selbst oft Väter mit kleinen Kindern, warnen dabei nicht vor dem Reisen an sich – wohl aber vor schlechter Planung, falscher Zielwahl und unterschätzten Alltagsrisiken.

Beratung beim Kinderarzt

Aus Sicht der Reisemedizin lautet die wichtigste Regel: Vorbereitung schlägt Spontaneität. „Je exotischer das Reiseziel und je jünger das Kind, desto früher sollte eine qualifizierte reisemedizinische Beratung erfolgen – idealerweise noch vor der Buchung,“ empfiehlt Kinder- und Jugendarzt ­Mathias Wagner. Denn Kinder sind unterwegs besonders anfällig – nicht nur für Infektionen, sondern auch für Durchfallerkrankungen, Hautprobleme, Fieber, Tierbisse und Unfälle.

Durchfallmittel einpacken

Tatsächlich sind es oft nicht die spektakulären Tropenkrankheiten, die Familien am häufigsten Probleme bereiten. Internationale Daten zeigen vielmehr, dass nach Auslandsreisen vor allem Durchfallerkrankungen, Hauterkrankungen und fieberhafte Infekte auftreten. Gerade kleine Kinder reagieren empfindlich auf Flüssigkeitsverlust; eine an sich banale Magen-Darm-Erkrankung kann bei ihnen rasch kritisch werden. Frühzeitige Beratung, Kenntnisse zur oralen Rehydratation und eine sinnvoll bestückte Reiseapotheke gehören deshalb zur Grundausstattung verantwortungsvoller Reiseplanung.

Wogegen keine Reiseapotheke hilft, sind Verkehrsunfälle und Ertrinkungsunfälle. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Ereignisse bei reisenden Kindern. Fehlende Kindersitze, ungesicherte Pools, riskante Transportmittel und mangelnde Aufsicht am Wasser können eine Reise schnell zur Gefahr machen. Gute Vorbereitung bedeutet deshalb auch: auf sichere Transfers achten, Unterkünfte prüfen und Kinder am Wasser niemals aus den Augen lassen.

Nicht mit Säuglingen
ins Malaria-Gebiet

Besonders klar fallen die Warnungen beim Thema Malaria aus. Reisen mit Säuglingen und Kleinkindern in Malariagebiete sehen die Fachleute beim Forum Reisen und Gesundheit äußerst kritisch. ­Kinderarzt Markus Frühwein weist darauf hin, dass gerade beliebte Fernziele in den Tropen und Subtropen oft zugleich Risikogebiete sind. Für sehr junge Kinder sind die Schutzmöglichkeiten begrenzt, zugleich treten vor allem bei ihnen schwere Krankheitsverläufe auf. Frühwein: „Kinder unter fünf Jahren sind besonders häufig von schweren Malaria-Verläufen betroffen.“ Hinzu kommt, dass Malaria bei Kindern oft unspezifisch beginnt – mit Fieber, Bauchschmerzen oder Durchfall. Deshalb gilt nach einem Aufenthalt im Risikogebiet besondere Wachsamkeit. „Bei Kindern sollte deshalb grundsätzlich jeder fieberhafte Infekt nach einem Aufenthalt in Malariagebieten direkt im Labor abgeklärt werden“, mahnt Frühwein.

Impfschutz
rechtzeitig checken

Ein weiteres zentrales Thema auf dem Forum war der Impfschutz. Vor jeder Reise müsse zunächst geprüft werden, so die Fachärzte, ob die Standardimpfungen altersgerecht vollständig sind. Danach stelle sich die Frage nach zusätzlichen Reiseimpfungen – etwa gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis oder Gelbfieber. Die Fachleute warnen ausdrücklich vor Last-Minute-Planungen. Wagner: „Gerade bei kleinen Kindern sollten Eltern einen Vorlauf von einem, besser von drei Monaten einplanen. Last-Minute-Reisen sind problematisch, da Impfserien Zeit benötigen und Infekte Impfpläne verzögern können.“

Hohe Bedeutung hat bei Reisen mit Kindern auch der Schutz vor Mücken. Denn nicht nur Malaria, auch Dengue- und Chikungunyafieber haben weltweit zugenommen, zeigen aktuelle Zahlen.

Lange Kleidung
plus Moskitonetz

In tropischen und subtropischen Regionen gehört konsequenter Insektenschutz zum Pflichtprogramm: lange Kleidung, Moskitonetze, altersgerechte Repellents und – wo nötig – medikamentöse Prophylaxe. Bei Säuglingen stehen physikalische Barrieren im Vordergrund. Eltern sollten beachten, dass nicht jedes Mittel für jedes Alter geeignet ist.

Ebenso wichtig ist der Sonnenschutz. Kinderhaut reagiert besonders empfindlich auf UV-Strahlung. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der lebenslangen

Belastung bereits in jungen Jahren entsteht. Wagner mahnt: „Eltern müssen darauf achten, dass Kinder direkte Sonneneinstrahlung meiden und schützende Kleidung tragen. Auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor müssen regelmäßig aufgetragen werden.“ Wichtig auch: Kinder müssen immer genug Wasser trinken.

Tollwut und Parasiten

Kommen wir zum letzten Punkt: Tollwut & Co. Während Deutschland seit Jahren als tollwutfrei gilt, ist die Krankheit in Teilen Afrikas und Asiens weiter verbreitet. Kinder seien hier besonders gefährdet, so die Experten, da sie Tieren unbefangener begegnen und häufiger gebissen werden. Schon Kratzer oder Speichelkontakt können problematisch sein. Für Reisen in Endemiegebiete sollte frühzeitig geprüft werden, ob eine Impfung nötig ist.

Auch parasitäre Erkrankungen verdienen Aufmerksamkeit. Kinder fassen Tiere an, laufen barfuß, nehmen vieles in den Mund. Länger anhaltende Durchfälle, Hautveränderungen oder starker Juckreiz nach Reisen können auf Parasiten hinweisen und gehören gründlich abgeklärt.

Fernreisen mit Kindern sind bereichernd, schaffen gemeinsame Erfahrungen und erweitern den Horizont. Aber sie sind nur dann vertretbar, wenn Risiken realistisch eingeschätzt und Vorsorgemaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Wagner resümiert: „Reisen mit Kindern brauchen Planung. Außerdem sollte man Ziel und Reiseroute immer am jüngsten Kind ausrichten.“ Julitta Ammerschläger

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