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Inselhopping zwischen Schweiz und Italien

von Redaktion

Queen Victoria und Napoleon liebten den Lago Maggiore. Auch wir staunen über Exotikfarne und Bananenstauden am Ufer sowie prunkvolle Paläste und Gärten mit Dschungelflair.

Isola Madre

Brissago

Cannero

Pescatori

Vielleicht doch noch auf Inselgärtner umschulen? Dann könnte man jeden Morgen auf den Brissago-Inseln von der Fähre spazieren, im Schatten von Aleppokiefern und Johannisbrotbäumen an Zistrosen herumschnippeln, über den See blicken. Solche Flausen steigen einem in den Kopf, wenn man sich von Marleen de Vlieger durch den Garten der Insel San Pancrazio führen lässt. Sie erzählt, dass die Insel noch vor 150 Jahren aus kargen Felsen bestand und eine russische Baronin, angeblich eine uneheliche Tochter von Zar Alexander II., sie in ein blühendes Paradies verwandelte.

Die Geschichte begann 1885, als jene Antoinette de Saint-­Léger die Inselchen kaufte. Auf Booten ließ sie Erde vom Festland herüberschippern, bei botanischen Gesellschaften bestellte sie Pflanzen aus aller Welt. Und so blühen heute südafrikanische Königs-Protea in blassem Rosa, wurzeln amerikanische Sumpf­zypressen am Ufer, stehen uralte Palmfarne aus Australien am Wegesrand. Im Teich dümpeln Schildkröten zwischen Papyrus und Seerosen, und auf Felsen krallen sich fleischfressende Pflanzen. Eine 140 Jahre alte Honigpalme habe die Baronin noch selbst gepflanzt, erzählt de Vlieger.

Die Exotik der
Brissago-Inseln

Dass all die Exoten hier gedeihen, ist dem feuchtwarmen Mikroklima zu verdanken. Die Berge ringsum schützen vor kalten Winden, der See spiegelt die Sonne. Die Temperaturen sind bis zu vier Grad höher als am Ufer. Als der Baronin 1927 das Geld ausging, kaufte der Hamburger Kaufmann Max Emden die Insel San ­Pancrazio. Emden ließ das Haus der Baronin abreißen und sich eine noch prächtigere Villa bauen, die heute als Hotel seinen Namen trägt. Den botanischen Garten erhielt er, obwohl er sich mehr für schöne Frauen als für Pflanzen begeisterte. Für seine opulenten Feste legte sich der Feingeist ein römisches Bad an. Damen aus Ascona setzten per Motorboot über. Seit 1950 ist die größere der beiden Brissago-Inseln fürs breite Publikum geöffnet.

Restaurierte
Inselburg

Wer entlang der Westküste nach Süden fährt, passiert bald nach der italienischen Grenze die Castelli di Cannero. Die Inselburg war Jahrzehnte zur Restaurierung geschlossen, wurde im vergangenen Jahr als multimediales Museum wieder eröffnet. Audioguides erzählen beim Rundgang, wie im Mittelalter die Mazzarditi-Brüder von der Burg aus die Dorfbewohner auspressten, wie Ludovico Borromeo um 1520 eine neue Festung als Bollwerk gegen die vordringenden Schweizer baute und wie Königin Victoria 1879 von der pittoresken Ruine schwärmte, die zwischenzeitlich Zitrusplantage und Kaninchenstall war.

Die warme
Isola Madre

Wie die britische Queen damals zieht es die meisten weiter nach Süden, zur Borromäischen Bucht. Von den Urlaubsorten Stresa und Baveno mit ihren altehrwürdigen Grandhotels setzen sie auf Taxibooten zu den Inselchen über, die den Namen der Adelsfamilie Borromeo tragen.

Die Isola Madre mitten in der weiten Bucht ist die größte der fünf Inseln. Und die wärmste, sagt Stefania Martinoli, während sie uns über die Afrika-Allee entlang des Südufers führt. Bitterorangen zeugen von den Anfängen, als hier Zitruspflanzen akklimatisiert wurden.

1501 erwarben die Borromeos die Insel, pflanzten auf Terrassen Exotisches aus aller Welt an. Man flaniert vorbei an Bananenstauden und australischen Zylinderputzern, Magnolien und Rhododendren bauschen sich baumhoch, unter einer Felswand neigen sich tasmanische Farne. Im Frühling blühten auf den Inseln 150 Arten von Kamelien. Als wäre all das nicht hübsch genug, stolzieren auf dem Rasen zwischen Lorbeer und Zypressen auch noch Silber- und Goldfasane, weiße und blaue Pfaue schlagen ihr Rad. In Volieren zwitschern bunte Papageien.

Im Palast verlebten die adeligen Sommerfrischler die heißen Monate. Davor steht wie ein Türsteher der berühmteste Baum der Insel: eine gut 160 Jahre alte Kaschmir-Zypresse. Am 28. Juni 2006 riss sie ein Wirbelsturm um, doch Ingenieuren gelang es, den seltenen Riesen zu retten. Per Helikopter eingeflogene Kräne richteten den Koloss auf, Stahlseile verankern ihn im Boden.

Im Wohnhaus werden Gemälde aus der Famillien-Sammlung ausgestellt, Dienerpuppen stehen neben Esstisch und Himmelbett. Bühnenbilder des Marionettentheaters zeigen, wie die Borromeos illustre Gäste unterhielten.

Pomp auf
Isola Bella

Im Vergleich zum Palast auf der Isola Bella wirkt all das bescheiden. Im ab 1632 gebauten Palazzo Borromeo protzte die Familie mit ihrem Reichtum. Beim Rundgang durch 30 Säle wird man überwältigt von Marmorböden und Goldranken, Stuckdecken und Kronleuchtern aus Muranoglas. Die Wände sind bedeckt von einem symmetrischen Mosaik aus 130 goldgerahmten Bildern.

Stefania Martinoli zeigt das prächtige Himmelbett, in dem Napoleon bei seinem Besuch am 17. August 1797 schlief. Um im Sommer der Hitze entfliehen zu können, ließen sich die Borromeos sechs Grotten bauen, verkrustet mit steinernen Pseudo-Muscheln. In Nischen stehen Korallen, davor liegt die schlafende Venus. Der finale Tusch wartet im Garten: die barocke Stufenpyramide mit Obelisken und Statuen, gekrönt von einem Einhorn, dem Wappentier der Borromeos.

Zum Abschalten zur
Isola dei Pescatori

Zur Ruhe kommt man abends auf der Isola dei Pescatori. Auf der Platanen-Allee zur Nordspitze, wo die Fischer früher ihre Netze auslegten und flickten, rollern Mädchen, die Mutter schlurft entspannt hinterher. Stiller ist es wohl nur auf der Isola di San Giovanni. Diese Borromäische Insel ist in Privatbesitz, für Touristen tabu. F. Sanktjohanser/dpa

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