Fruchtig soll es riechen, bitter schmecken und einen scharfen Abgang hinlegen. Kiara Koutoulakis führt das Glas an ihre Nase, trinkt einen Schluck Olivenöl und nickt. Harte Arbeit lohnt sich, weiß die 40-Jährige, wenn sie ihr eigenes Öl verkostet.
Kreta ist Griechenlands größter Olivenölproduzent. Das milde Klima und fleißige Menschen lassen hier über 30 Millionen Olivenbäume gedeihen. 2.000 davon stehen auf dem kleinen Hof von Koutoulakis. Drei Generationen helfen hier in der Koronekes Olivenmühle in Archanes, gut 20 Auto-Minuten nördlich der Hauptstadt Heraklion, zusammen.
„Wir nennen Olivenbäume auch Ewige Bäume: Sie wachsen langsam, haben tiefe Wurzeln und können deshalb locker 700 Jahre alt werden“, erklärt Koutoulakis. „Nur wir haben nie ewig Zeit: Gepflückte Oliven müssen noch am gleichen Tag zu Öl verarbeitet werden.“ Die Ernte erfolgt mit Netzen und Pflückstäben in Handarbeit. Nach dem Waschen laufen die Oliven über ein Fließband, wo Koutoulakis‘ Mutter Leonor und ihr Mann Giorgos Mavrakis beschädigte aussortieren. „Extra virgin“, „virgin“, „native“, „kaltgepresst“ – mit viel Geduld teilt Kiara Koutoulakis ihr Wissen über ihr Handwerk, wenn sie Gäste durch die Mühle führt und verköstigt (Adresse: Koronekes S.A. Kapnistou Metochi 70.100 Archanes, Infos: www.koronekes.gr).
Kreta blüht in der
Nebensaison auf
Ja, fruchtig wie Granatapfelkerne, herb wie gefüllte Weinblätter und vielleicht sogar so scharf wie Raki – diese Geschmacksnoten beschreiben die vielen kulinarischen Facetten der größten Insel Griechenlands. Die Nebensaison riecht, schmeckt und fühlt sich viel intensiver an. In größeren Städten wie Heraklion, Rethymno und Chania wachen Souvenir-Läden und Hotels gerade erst langsam aus dem Winterschlaf auf. Und doch ist alles lebendig. Das authentische Kreta blüht: Die Läden, in denen Einheimische einkaufen. Die Tavernen, in denen sie feiern.
Philoxenia. Auf Griechisch heißt das Gastfreundschaft. Und die wird auf Kreta auch in der Nebensaison zelebriert. Die Strände sind wildromantisch einsam. Stadtführer müssen Gäste am Knossos-Palast oder auf der Koules-Festung in Heraklion nicht in langen Schlangen warten lassen. Und jeder Kellner hat extra viel Zeit für ausgiebige Empfehlungen: Selbst in Heraklions In-Lokal Peskesi (Anschrift: Kapetan Haralampi 6-8) ergattert man gerade noch einen der begehrten Tische. Vom Bauernhof auf den Tisch, so lautet das Motto der fulminanten Küche. Cornelia Schramm