Schätzungsweise über 25.000 Schlösser, Burgen und Ruinen gibt es hierzulande. Viele dieser teils märchenhaft wirkenden Objekte stehen zum Verkauf – und sind oft sogar durchaus finanzierbar. Was potenzielle Käufer allerdings beachten sollten: Das Märchen vom Schloss kann ein böses Ende nehmen.
Mehrere Millionen Euro
Investitionsbedarf
Gotisch geschwungene Decken, 1.000 Quadratmeter Wohnfläche, ein weitläufiger Privatpark – und das für gerade einmal 175.000 Euro: Auf den ersten Blick ist Schloss Tucheim in Genthin, Sachsen-Anhalt, ein Schnäppchen. Auf der anderen Seite stehen allerdings mehrere Millionen Euro Investitionsbedarf im Raum. „Der Zustand des Gebäudes ist schlecht, es sind dringend Maßnahmen zur Erhaltung – insbesondere im Bereich des Daches – nötig“, erklärt die mit der Vermarktung des Objekts betraute Immobilienagentur Hadler auf ihrer Website. Dennoch: Es gibt auch Schlösser und Anwesen in einem relativ guten Zustand. Diese sind zwar teurer, die Finanzierung wäre dennoch für Gutverdiener in vielen Fällen möglich. So ist der Adelssitz Schloss Dechantsees (Gemeinde Pullenreuth, Oberpfalz) – eine herrschaftliche Vierflügelanlage aus dem Spätmittelalter – für 1.550.000 Euro gelistet. Ein hoher Preis, der sich allerdings im Vergleich zu Marktwerten in München oder Hamburg schnell relativiert. So besitzt das Anwesen eine Wohnfläche von 500 Quadratmetern bei 75.000 Quadratmetern Grund. Noch einmal deutlich günstiger ist ein Schloss in Vinzelberg, Ortsteil Stendal (Sachsen-Anhalt): Gerade einmal 690.000 Euro kostet die Anlage mit immerhin 25 Zimmern (1.129 Quadratmeter Wohnfläche) bei 24.086 Quadratmetern Grund.
Dennoch sind diese Objekte oft schwer vermittelbar. Ein Grund liegt auf der Hand: Welcher Normalverdiener kann 25 Zimmer oder mehrere zehntausend Quadratmeter Grund bewohnen beziehungsweise sinnvoll bewirtschaften? Hohe Energiekosten und noch einmal höhere Instandhaltungskosten kommen in vielen Fällen hinzu. Zudem sind die Schlösser häufig nicht nur aus der Zeit, sondern auch aus dem regionalen Zentrum gefallen: Ländliche Gebiete mit schlechter Infrastruktur schrecken Käufer vielfach ab. Am Ende bleibt das Schloss dann oft da, woher es zuvor seinen Reiz erhält: im Land der Märchen. Christoph Kastenbauer