50 Jahre Klassenkampf

von Redaktion

Eindrücke im Alltag vom ersten und vom aktuellen VW Polo

Als der Käfer seine marktbeherrschende Stellung verlor, präsentierte Volkswagen vor 50 Jahren den Polo. Der kleine VW war im Grunde ein abgespeckter Audi 50 mit 40 PS. Erinnerungen an die Präsentation des ersten Polo werden mit dem Alltagstest der jüngsten Generation des Polo geweckt.

Praktisch, günstig im Unterhalt und mit 7.500 D-Mark billig in der Anschaffung sollte der Polo sein. Nahezu unverzichtbares Zubehör präsentierte man mit entsprechendem Preisaufschlag: zwei von außen abschließbare Türen, Heckklappe mit Gasfederhalterung, Tankanzeige, zwei Wischergeschwindigkeiten oder Gürtelreifen. Den Zeitsprung macht der Test mit dem ersten Polo im Juli 1975 deutlich. Zu lesen ist dabei vom VW-Neuling, der in 18 Sekunden auf 100 km/h hetzt, maximal 135 km/h fährt und ein echter Viersitzer mit reisetauglichem Kofferraum ist – bei gerade mal 3,50 Metern.

Unser Polo brauchte im Schnitt knapp acht Liter auf 100 Kilometer. Ansätze zur Kritik lieferte die spartanische Grundausstattung. Fazit: Der Polo ist ein feiner VW. Er bietet viel Platz und ist bei geringen Betriebskosten vielseitig nutzbar.

Sprung in die Neuzeit zur sechsten Generation. Mit knapp über vier Metern ist er nur wenig kürzer als der Golf. Sein Platzangebot ermöglicht Urlaub mit der Kleinfamilie. Welten tun sich beim Fahren auf. Für Sicherheit und Komfort gibt es elektronische Rundumversorgung: Tempomat samt Abstandsradar, automatische Bremseingriffe, Zielführung per Navi und Sprachsteuerung sowie automatische Leuchtweitensteuerung und Müdigkeitserkennung. Wer hätte sich das vor 50 Jahren vorstellen können? In Zeiten, wo Scheinwerfer wie müde Taschenlampen leuchteten, die Lenkung zupackende Hände und Kuppeln einen kräftigen Tritt erforderte.

Im aktuellen Polo 1.0 TSI mit 95 PS reichen 5,5 Liter Benzin für 100 Kilometer aus, trotz deutlicher Gewichtszunahme. Leichtfüßig und unkompliziert spult der Kleine die Kilometer ab, verhält sich dabei souverän in engen Kurven oder auf geflickten Straßen. Im Stadtverkehr erleichtert die präzise Lenkung den Arbeitsaufwand.

Heute kostet ein voll ausgestatteter Polo knapp 30.000 Euro. Nach allem, was sich in den bisherigen 50 Jahren verändert hat, stellt sich nun die Frage: Wird der Polo in 50 Jahren Flügel haben, um im Bedarfsfall abzuheben? Aktuell soll er jetzt erst mal verstromt werden. MANFRED GLEISSNER

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