Federvieh im Vorgarten

von Redaktion

Sind Hühner im Wohngebiet erlaubt?

Wer morgens in der Stadt vom Gackern der Hühner auf dem Nachbargrundstück geweckt wird, dürfte sich erst einmal wundern. Tatsächlich nimmt der Trend zur Hühnerhaltung auch in Wohngebieten zu. Grund dafür ist der zunehmende Wunsch nach Nachhaltigkeit, Selbstversorgung und dem eigenen unbehandelten Ei auf dem Frühstückstisch. Doch Achtung: Hühner bergen enormes Konfliktpotenzial. Und sind längst nicht so leicht zu halten, wie es den Anschein haben mag.

Lautes Krähen wird nur
selten geduldet

Grundsätzlich ist die private Hühnerhaltung zwar erlaubt. Hühner gelten rechtlich als Kleintiere und dürfen daher in reinen und allgemeinen Wohngebieten gehalten werden. Allerdings ist das kein Freibrief, wie Tobias Klingelhöfer von der Arag-Rechtsschutzversicherung erklärt. „Entscheidend ist, ob von den Tieren unzumutbare Belästigungen ausgehen. Dazu zählen vor allem Lärm, Gerüche oder eine erhebliche Verschmutzung.“ Besonders das Thema „Hahn“ ist konfliktträchtig. Dessen lautes Krähen bemüht regelmäßig Gerichte – mit selten positivem Ausgang für den Tierhalter.

Doch nicht nur der liebe Nachbar macht den Traum des Mini-Bauernhofes komplizierter als gedacht. Hühnerhalter müssen vor allem den Tierschutz im Auge behalten, wie auch Klingelhöfer erklärt: „Hühner sind soziale Tiere und dürfen keinesfalls einzeln gehalten werden. Eine kleine Gruppe von drei bis fünf Hennen gilt als tiergerecht. Zu große Gruppen, zum Beispiel über 20 Tiere, können hingegen Stress verursachen.“

In Bezug auf die konkreten  Haltungsbedingungen müssen sich Privatleute an tiergerechte Empfehlungen halten: Als Richtwert gelten hierbei für freilaufende Hühner etwa fünf bis zehn Quadratmeter pro Tier – und zur Ausstattung müssen Sitzstangen, Legenester und Scharrmöglichkeiten gehören. Eine Balkon- oder Wohnungshaltung scheiden also nicht nur aus praktischen, sondern auch aus tierschutzrechtlichen Gründen aus.

Und noch einen Aspekt sollten private Halter unbedingt berücksichtigen: Hühner sind anfällig für bestimmte Tierseuchen, etwa die atypische Geflügelpest, auch Newcastle Disease genannt.

Regelmäßige Impfungen inklusive Nachweis darüber sind Vorschrift, ebenso wie eine Anmeldung der Tiere beim zuständigen Veterinäramt. Christoph Kastenbauer

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