Einfamilienhaus neu gedacht

von Redaktion

TU-Studenten forschen zum Nachverdichtungspotenzial bei Immobilien

Es ist hierzulande eines der drängendsten Themen: Wie gelingt es, schnell, günstig und verträglich neuen Wohnraum zu schaffen, um den Mietdruck zu senken und soziale Verwerfungen zu verhindern? Das Einfamilienhaus steht dabei oft im Fokus der Kritik: Zu viel Wohn- und Grundstücksfläche für oft nur ein oder zwei Personen, vielfach ältere Menschen, deren Kinder ausgezogen sind. Und die dennoch in ihrem alten Zuhause wohnen bleiben wollen. Ein Dilemma, dem sich nun ein Forschungsteam der Technischen Universität (TUM) München angenommen hat.

Bestand erhalten, mehr Wohnraum schaffen

Die Studenten wollen mit verschiedenen Projekten das Einfamilienhaus in die Neuzeit überführen – mit neuen Wegen der Nachverdichtung. Der Ansatz: Ein Einfamilienhaus muss nicht zwingend abgerissen und von einem Mehrfamilienhaus ersetzt werden. Kluge Ideen können den Bestand erhalten und trotzdem deutlich mehr Wohnraum schaffen. Das schont nicht zuletzt Zeit, Geld und Ressourcen. Die Studenten analysierten dabei das Einfamilienhaus als bauliche, soziale und kulturelle Typologie jenseits von Klischees. Einfach gesagt: Es geht nicht um Wohnträume, sondern um reales Nachverdichtungspotenzial. Die Forschung geht dabei von mehreren Seiten an das Projekt heran. Ein Punkt ist die leichtere Datenbeschaffung: Allein aus Fassadenbildern sollen automatisch Grundrisse abgeleitet und 3D-Modelle generiert werden – um so das Umbaupotenzial des Bestands in ganz Deutschland mit wenig Aufwand erfassen zu können.

In einer anderen Arbeit überprüften die Studenten, welche Kriterien maßgeblich sind für eine Abschätzung des in Einfamilienhaussiedlungen vorhandenen Nachverdichtungspotenzials. Ein weiterer Forschungsaspekt: Wie lässt sich ein Einfamilienhaus so umbauen, dass zwei eigenständige Wohneinheiten entstehen? Anhand gezielter Eingriffe – Erweiterungen, Grundrissanpassungen oder neue Erschließungen – zeigen die Forscher, wie das bestehende Wohnhaus zum mehrfach nutzbaren Raumgefüge wird.

Alles dreht sich also um die Frage des Potenzials – und wie man das einstige Ideal Einfamilienhaus an heutige Verhältnisse anpasst, ohne es dabei abzuschaffen. Dabei lohnt auch ein Blick ins benachbarte Ausland: So untersuchten die Forscher mit dem Fokus auf England und den Niederlanden, wie Einfamilienhaussiedlungen durch zwischengebaute Raumfragmente zu Reihenhäusern werden. Christoph Kastenbauer

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