Die Facetten Angolas im Südwesten Afrikas sind einzigartig: Hier findet man Mondlandschaften, Surferstrände, aber auch einstige Sklavenforts. Nur was es noch recht wenig gibt: Tourismus.
Angola? Da war doch was… Richtig: Die frühere portugiesische Kolonie erlangte 1975 nach langem Kampf ihre Unabhängigkeit – und versank wenig später in einem blutigen Bürgerkrieg, der bis 2002 andauerte. Zu dessen Vermächtnis gehören in Teilen des Landes noch immer Landminen. Die roten Warnschilder „Perigo Minas“ dürfen bei Überlandfahrten keinesfalls ignoriert werden. Querfeldeinfahrten sind hier strengstens verboten. Von diesen Altlasten abgesehen, wartet Angola mit einigen Highlights auf:
• Die Kalandula-Wasserfälle, die zu den größten des Kontinents zählen: 400 Meter breit, mehr als 100 Meter tief.
• Der Nationalpark Kissama für Safaris zu Elefanten, Giraffen und Antilopen.
• Die spektakuläre Wüstenlandschaft Namib im Süden, die sich Angola mit seinem Nachbarland Namibia teilt.
Kolonialarchitektur
und Flussfahrt
Für die meisten Reisenden ist die Hauptstadt Luanda am Atlantik das Eingangstor nach Angola. Hier landet man auf dem neuen Großflughafen, den sich das Land zum 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit selbst geschenkt hat. So viel vorweg: Ein billiges Reiseziel ist das ölreiche Angola nicht. Insbesondere die Hauptstadt Luanda, jahrelang ausschließlich Ziel von Geschäftsreisenden, hat gesalzene Preise.
In Luandas Innenstadt prallen portugiesische Kolonialarchitektur – teils liebevoll restauriert, teils mit marodem Charme – und Brutalismus der sozialistischen Ära des Landes (bis Anfang der 1990er Jahre) zusammen. Moderne Glaspaläste und Bürohochhäuser zeigen den dynamischen Wandel der Hauptstadt zu einer modernen Metropole. Dazwischen behaupten sich wackelig provisorische Marktbuden mit Obst oder Altkleidern. Fliegende Händlerinnen drängen sich mit hart gekochten Eiern oder Tüten mit Nüssen um die Passagiere an den Bushaltestellen.
Beachfeeling kommt bei der Fahrt entlang der Baia de Luanda auf. An Wochenenden zieht es Familien, schwer bepackt, ans Meer.
Wer dem Großstadttrubel entkommen will, muss nicht weit fahren – bei einer Flussfahrt auf dem Kwanza River geht das Leben einen gemächlichen Gang. Am Ufer lassen sich exotische Vögel entdecken und mit etwas Glück auch Affen. Auf dem Fluss sind Fischer mit flachen Kanus unterwegs.
Schildkröten in der
Mondlandschaft
Historie wartet in Morro da Cruz, eine Stunde südlich von Luanda: im nationalen Sklavereimuseum, umgeben von mächtigen Baobab-Bäumen. Teil des Museums sind Schautafeln zum Sklavenhandel für die Plantagen in Brasilien und der Karibik sowie eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, in der Sklaven vor der Überfahrt noch getauft wurden. Schwere Ketten und Peitschen in der Ausstellung dokumentieren die unmenschliche Behandlung der Sklaven durch die Kolonialherren.
40 Kilometer weiter die Küste hinab landet man beim „Miradouro da Lua“, übersetzt „Aussichtspunkt des Mondes“. Tatsächlich wirken die rotbraun-ockerfarbenen Klippen bei Vollmond wie der Mond selbst. Naturliebhaber aus Luanda campen gerne dort. Wandern oder Klettern ist allerdings verboten, da es sich auch um ein Schildkröten-Schutzgebiet handelt.
Bei Cabo Ledo reihen sich Surfstrände aneinander. Zum Baden ist der Wellengang zu heftig, doch für Surfer ein Traum. Viele Touristen verirren sich nicht hierher, entsprechend authentisch ist das Leben. Bei einem Strandspaziergang kann man Fischern zusehen, die ihre Netze flicken oder die Boote vorbereiten, und Frauen, die den Fang verarbeiten. Kinder spielen am Strand Ball oder werfen sich in die Wellen. T. Nebe/ dpa