Zu Gast bei Heimatfreunden

von Redaktion

Einheimische, die ihre Gegend zeigen: Der Trend kommt aus England, im Hochsauerland haben begeisterte Bewohner ihn aufgegriffen. Sie verraten Besuchern ihre Lieblingsecken.

Der Rundgang mit dem Stadtführer, die Hafenrundfahrt in der Barkasse: Viele touristische Angebote sind professionell organisiert und lehrreich. Doch eines sind sie oft nicht: persönlich und nah am Menschen. Ganz anders ist das in Schmallenberg im Sauerland. Dort waren die Touristiker überzeugt: Die Natur des Hochsauerlandes ist zwar hübsch anzusehen, aber was wäre sie ohne die Menschen, die Sauerländer? So wurden Einheimische zum Mitmachen aufgerufen, das Projekt „HeimatFreu(n)de“ ins Leben gerufen. 18 Schmallenberger gehen inzwischen mit Gästen auf ihre Touren, zeigen ihre Lieblingsorte, verraten ihre Tipps und Anekdoten. Fünf Angebote im Kurzporträt.

Tour mit Naturfotograf

Früh aus den Federn muss, wer mit dem 55-jährigen Heimatfreund auf Tour geht. Im Sommer kann das morgens um vier Uhr sein, bevor sich das allererste Licht zaghaft am Horizont zeigt.

Dann startet Klaus-Peter Kappest auf Fototour: mal am Kahlen Asten, mit 841 Metern der zweithöchste Gipfel hier, oder rund um den Heidkopf. Der Mann mit der Kamera und dem gezwirbelten Bart zeigt seinen Gästen die fotogensten Orte. „Bei den Fototouren möchte ich die Entwicklung des Lichtes zeigen, vom Nachtdunkel mit dem Sonnenaufgang bis zum vollen Tageslicht“, sagt der Profi-Fotograf. Eine Tour für bis zu vier Gäste kostet 220 Euro.

Ein Blick in die Sterne

Tagsüber arbeitet er als Entwicklungsingenieur, doch sobald die Nacht kommt, ist Stefan Schwope vor allem Hobby-Astronom und Astro-Fotograf. Vor zwei Jahren wurde der 47-jährige Schmallenberger zum Sterngucker. „Eines Abends habe ich die Andromedagalaxie gesehen, rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Da war das Feuer für die Astronomie bei mir entbrannt.“ Seine Begeisterung steckt die Gäste auf der nächtlichen Astro-Tour (sie dauert bis zu sechs Stunden und kostet 15 Euro pro Person) an. „Viele werden still vor Staunen und ehrfürchtig“, verrät Schwope, „denn je mehr man sich mit den fernen Galaxien beschäftigt, wird umso deutlicher, wie groß das Universum ist und wie klein wir selbst sind.“

Giersch & Gundermann

„So manch einer hat das Wissen um Kräuter von der Oma mitbekommen“, sagt die Kräuterpädagogin Nadine Albers. Brennnessel sei vielen bekannt als Küchenkraut, „aber dann hört’s schon auf.“ Die Natur den Touristen näherbringen, ihren Wert zu schätzen, so sieht die Heimatfreundin ihre Mission. Die Kräuterküche öffnet Albers für bis zu sechs Teilnehmende in ihrer urigen Feldscheune am Ortsrand von Schmallenberg-Bödefeld.

Bevor gekocht wird, steht eine Wanderung an, auf der gemeinsam Kräuter wie Nelkenwurz, Giersch und Gundermann gesammelt werden. Anschließend kommt ein Wildkräutermenü auf den Tisch (Kosten ab 65 Euro).

Unter Bienen

Er ist der Herr über eine 1.000.000 Bienen: Wolfgang Jenke aus Cobbenrode. „Sobald die Weidenkätzchen blühen, werden die Bienen aktiv“, so Jenke, der die Imkerei seit 1975 als Hobby betreibt. Seine Gäste empfängt er am liebsten zwischen Mai und Oktober: „In dieser Zeit sind die Bienen besonders aktiv.“ Dann suchen die Insekten brummend nach Nahrung – im Frühjahr den Nektar von Weide und Löwenzahn, im Sommer von Wildhimbeeren, die im Hochsauerland reichlich blühen.

Dass man während des Besuchs bei dem 65-Jährigen erfährt, wie sich Bienen organisieren und der Honig ins Glas kommt, zählt zu den Selbstverständlichkeiten. Kosten: 32 Euro für bis zu vier Teilnehmer.

Glühendes Eisen

In der Werkstatt von Kunstschmiedemeister Hubertus Dünnebacke im idyllischen Sorpetal ist es heiß. Besucher kommen ins Schwitzen und Staunen. Der Handwerker formt mit kräftigen Hammerschlägen aus glühendem Rohstoff wahre Kunstwerke. „Wie weich und formbar das rot glühende Schmiedeeisen bei 1.200 Grad ist, weiß kaum jemand“, sagt der 56-Jährige. Bei seinem Schmiedekurs (115 Euro/ Person) im ehemaligen Kuhstall der Eltern, den Dünnebacke zur Werkstatt ausbaute, greifen die Gäste auch selbst zum Hammer. Bernd F. Meier/ dpa

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