„Gemma zum Kern.“ Diese Aussage, die man früher fast im gesamten Chiemgau tat, wenn man zum Kern in Halfing wollte, gilt ab Mai wieder. Denn dann öffnet das Hotel und Gasthof Kern in der Halfinger Ortsmitte offiziell seine Pforten. Was nicht ganz stimmt, sagt Lucas Binsteiner (28), der zusammen mit seiner Schwester Julia (34) das Hotel und den Gasthof in fünfter Generation betreibt. Denn das Hotel war zwar wegen der Umbaumaßnahmen ein halbes Jahr geschlossen, lief dann aber trotz Baustelle „mit angezogener Handbremse“ weiter.
Familiärer Gastgeber
mitten in Halfing
Ab Mai hat auch das Restaurant wieder geöffnet. „Wir kochen selbst,“ betont Lucas Kern. Die Eltern wirken auch noch stets mit, dazu bringen sich rund 15 Mitarbeiter im Familienbetrieb ein. Seit 1537 besteht der Gasthof, weiß Lucas Binsteiner. Vor fast 100 Jahren, 1934, übernahmen es die Ururgroßereltern, jetzt kümmert er sich mit seiner Schwester um das Wohl der Gäste. Früher gab es sogar noch eine Landwirtschaft, später kam ein Kino, dann eine Metzgerei dazu, die dann vor gut 30 Jahren unwiederbringlich dem markanten Turm-Bau über dem Eingang wich. Der Betrieb ist mit der Familie gewachsen, und jetzt haben sie eben großzügig umgebaut. Auch wenn es allerorten heißt, Familienbetriebe werden immer weniger. Familie Binsteiner gibt sich selbstbewusst: „Wir trauen uns noch.“
15 Zimmer und fünf Appartments/Ferienwohnungen umfasst das Hotel, das Restaurant hat 50 Sitzplätze, dazu kommt ein Seminarraum im ersten Stock, der für bis zu 35 Personen Platz bietet.
Tradition trifft
auf Moderne
„Wir haben dem Gasthof und Hotel neues Leben eingehaucht,“ sagt Lucas Binsteiner. Aber die persönliche Note ist geblieben. Im Hotel Kern treffen Tradition und Moderne aufeinander, rustikaler Charme gesellt sich zum skandinavischen hygge-Stil.
Vor und hinter dem Hotel sind neue Park- und Stellplätze entstanden, auch ein Fahrrad-Raum ist ausgewiesen und natürlich gibt es viel ansprechendes Grün drumrum. Der dunkelgraue Anstrich und das helle Holz unterstreichen den Wohlfühlfaktor, der sich im Inneren weiter fortsetzt. Die großzügige Lobby mit zwei Sitzecken lädt zum Verweilen ein.
An der in hellem Holz gehaltenen Rezeption fällt die Kern-Aussage des Hotel Kern auf: das „griasdi“ und „Tradition seit 1537.“ Der Familienname in Handschrift, ein Statement, wie man so schön auf neudeutsch sagt, und doch wirkt das nicht aufdringlich, sondern einprägsam. Ein Aquarium lockert die Szenerie auf, alte land- und hauswirtschaftliche Geräte sind großzügig und mit viel Geschmack im Raum verteilt.
Das Restaurant zur Linken (früher war hier mal ein Kuhstall) hat die Familie ursprünglich belassen. Das Gewölbe ist noch original aus dem 16. Jahrhundert, wie auch so manche Mauer im Hotel, und doch nimmt sich das modern gestaltete Hirschgeweih über dem Frühstücksbuffet wunderbar aus. Auch die bronzenen Zapfhähne und die Barhocker am Tresen muten modern an. Und sind gleichzeitig Einladung, hier nicht nur zum Essen, sondern eben auch auf ein gepflegtes Bier zusammenzukommen. Die Hotelzimmer sind zurückhaltend klassisch, viel Holz, wenig Schnickschnack. Aufzug und Barrierefreiheit sind in dem neuen Haus selbstverständlich. „Die Gäste sollen sich bei uns wohlfühlen,“ betont Lucas Binsteiner.
Zahlreiche Stammgäste aus ganz Deutschland haben ihnen sogar während der Umbauphase die Treue gehalten, sind stets wiedergekommen. Gut Imling ist natürlich ein Anziehungspunkt, aber auch die Lage, nicht umsonst bezeichnet sich Halfing als das nördliche Einfallstor in den Chiemgau.
Über die Jahre sind mit einigen Gästen Freundschaften erwachsen, sagt Hotelier Binsteiner noch. Manche haben sogar noch seine Großeltern als Hoteliers erlebt. Das Hotel Kern ist alteingesessen, fußt auf historisch erhaltenem Bauwerk und ist dennoch ansprechend modern gestaltet.
Die Umbaumaßnahmen wurden aufmerksam im Ort verfolgt, die kurzzeitige Schließung kam nicht gut an, nun aber geht das Hotel Kern in die nächste Runde. Als Hotel und als Familienbetrieb. Und das sei gut so, lacht Lucas Binsteiner. Denn: „Die persönliche Note kann man sich nicht erkaufen.“ elk