Wildenwart – Die Freiwillige Feuerwehr Wildenwart feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen. Seit der Gründung im Jahr 1876 hat sich vieles verändert – von der Ausrüstung bis zu den Aufgaben. Geblieben sind der starke Zusammenhalt und die Freude am gemeinsamen Feiern. Aus diesem Anlass laden Vorstand Georg Loferer und seine Mannschaft gemeinsam mit der Katholischen Landjugend zu Festtagen von Donnerstag, 30. April, bis Montag, 4. Mai, ein.
Ein Blick in die Chronik zeigt die Anfänge der Wehr: Die ältesten erhaltenen Unterlagen sind ein Kassenbuch von 1887 sowie ein Protokollbuch mit Einträgen ab 1904. Bei der Fahnenweihe und dem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1926 führte Kommandant Florian Bauer die Gründung auf Erzherzog Franz V. von Modena-Este zurück.
Dieser hatte 1862 Schloss Wildenwart erworben, umfassend renovieren lassen und die sogenannten Exzellenzhäuser errichtet. Angesichts der damals häufigen Brände war die Gründung einer Feuerwehr nur folgerichtig.
Schwere Arbeit mit
einfacher Technik
In der Region entstanden in dieser Zeit zahlreiche Feuerwehren – etwa in Prien (1869), Aschau (1870) oder Bernau (1872). In Wildenwart zählte die Wehr 1887 bereits 80 Mitglieder unter Vorstand Franz Rumpler. Der Quartalsbeitrag lag bei 30 Pfennig.
Die Ausrüstung war einfach, der Aufwand enorm: Wasser wurde in Eimern zur Pumpe getragen und per Hand ins Feuer befördert. Lange Transportwege waren kaum möglich, der Einsatz verlangte viele Helfer.
Der erste dokumentierte Einsatz datiert vom 30. März 1888. Der „Lohn“: acht Liter Bier – ein Hinweis darauf, dass wohl nur eine kleine Mannschaft im Einsatz war. Bis zur Jahrhundertwende wuchs die Wehr auf rund 100 Mann an.
Brände, Berichte und
Bierabrechnungen
Ein detaillierter Brandbericht stammt vom 21. Februar 1904. Beim Feuer auf einem Anwesen in Hendenham standen mehrere Wehren im Einsatz, darunter Wildenwart mit 60 Mann. Erst am Nachmittag konnten die Einsatzkräfte abrücken. Auch die Abrechnung ist überliefert: 55 Liter Bier zu je 22 Pfennig wurden für diesen Einsatz verbucht. Der damalige Rundstempel ist bis heute erhalten.
Von Beginn an bestand eine enge Verbindung zum Schloss Wildenwart. Als Königin Maria Theresia, Gemahlin von König Ludwig III., 1919 starb und in der Schlosskapelle beigesetzt wurde, versprach die Feuerwehr, ihr stets ein ehrendes Andenken zu bewahren.
Zwischen Schloss und Schicksalsschlag
Ebenfalls 1919 erschütterte ein Mordfall die Gemeinde: Ein langjähriges Mitglied wurde getötet. Der Täter wurde gefasst, verurteilt und später begnadigt. Die Feuerwehr reagierte mit dem Ausschluss aus dem Verein und ehrte das Opfer mit einer Seelenmesse sowie großer Anteilnahme an der Beerdigung.
Moderne Wehr mit
Tradition
In 150 Jahren hat sich die Feuerwehr stetig weiterentwickelt. Wichtige Meilensteine waren der Bau des neuen Gerätehauses 1997, die Anschaffung moderner Fahrzeuge und Ausrüstung sowie die kontinuierliche Fortbildung für immer komplexere Einsätze.
Bereits vor zehn Jahren wurde das 140-jährige Bestehen gefeiert – wie auch heuer mit prominenter Unterstützung: Schirmherrin ist erneut Elizabeth, Herzogin in Bayern.
Feiern gehört
natürlich dazu
Neben den Einsätzen spielt auch die Gemeinschaft eine große Rolle. Immer wieder organisiert die Feuerwehr Veranstaltungen zur Pflege des Vereinslebens und zur Finanzierung: etwa ein Ochsenrennen im Jahr 2000 oder das seit Jahren etablierte Weinfest im Feuerwehrhaus.
Mit den anstehenden Festtagen zum 150-jährigen Jubiläum setzt die Freiwillige Feuerwehr Wildenwart diese Tradition fort – gemeinsam mit der Landjugend und der gesamten Dorfgemeinschaft. hö