Mit dem e-tron GT stellte Audi vor gut drei Jahren ein damals spektakuläres Modell vor, das – eng angelehnt an den Porsche Taycan – neue Maßstäbe in der Elektromobilität der gehobenen Klasse setzen sollte. Es gab viel Lob für das Auto, aber auch Kritik, insbesondere wegen der bescheidenen Reichweite. Audi hat den sportlichen Stromer überarbeitet. Wir wollten wissen, wie sich die zweite Generation im Alltag schlägt.
Lob: Die schnittige Karosserie strahlt Sportlichkeit aus und kaschiert geschickt, dass es sich hier um einen viertürigen GT handelt, also eine Reiselimousine für vier Erwachsene. Die Karosserie ist mit 5,00 Metern Länge und 1,96 Metern Breite ziemlich ausladend, aber dank Rundum-Kamera, Assistenzsystemen und der sehr hilfreichen Allradlenkung (1.900 Euro extra) gut einschätzbar. Stadtverkehr und Parkmanöver bereiteten uns nie Probleme.
Beim Fahren überzeugt der allradgetriebene e-tron GT mit Souveränität. 503 PS Maximalleistung und 625 Nm Drehmoment ergeben mächtigen Vortrieb. In 4,2 Sekunden sind mit dem 2.355 Kilogramm schweren Audi 100 km/h erreicht, als Höchstgeschwindigkeit sind 245 km/h angegeben. Am faszinierendsten spürt man die Kraft, wenn man einen Überholvorgang zügig und sicher abschließt.
Mit der 105-kWh-Batterie sind nun deutlich längere Etappen möglich. Zügigere Fahrten auf der Autobahn erforderten nach rund 400 Kilometern einen Stopp, bei gemäßigterem Tempo näherten wir uns der 500-Kilometer-Distanz. Das ist gegenüber dem Vorgänger zwar deutlich mehr, aber es ist noch Luft nach oben.
Kritik: Auf den hinteren Sitzen hat man mit 1,80 Metern Körpergröße gerade noch bequem Platz. Wer länger ist, wird auf einer ausgedehnten Reise wenig Freude am GT haben.
Kosten: Nutzten wir das Potenzial des Wagens aus, stieg der Verbrauch auf über 25 kWh/100 Kilometer. Bei entspannten Touren lagen wir bei 22 kWh/100 Kilometer. Als Grundpreis nennt Audi 108.900 Euro für den e-tron GT quattro. Unser Exemplar steht mit 118.285 Euro in der Preisliste.
Fazit: Der überarbeitete e-tron GT kommt nun ein ganzes Stück weiter, aber leider immer noch nicht weit genug. So verspielt er das große Lob über Qualität, Power und Fahrfreude nur allzu schnell wieder. Schade. VOLKER PFAU