„Da bin ich so frei und herrlich spontan“

von Redaktion

TV-Moderatorin Bettina Tietjen ist im Urlaub am liebsten mit ihrem Camper unterwegs. Ein Interview

Fernreise: Vor Kurzem campte sie durch Australien.

Ein Gefühl von Freiheit: TV-Moderatorin Bettina Tietjen liebt Urlaube mit dem Camper.Fotos bettina tietjen

Bettina Tietjen kennt man aus dem Fernsehen. Die Moderatorin empfängt Gäste bei der NDR Talkshow oder in der Sendung „DAS!Rote Sofa“. Deutschlandweit berühmt hat sie aber ihre Begeisterung fürs Campen gemacht. Seitdem sie mit ihrem Wohmobil Prominente mit auf Campingplätze nimmt und mit ihnen für „Tietjen campt“ ein paar Nächte unterm freien Himmel verbringt, wird sie sogar im Supermarkt begeistert um Selfies gebeten. Und das von Jung und Alt. Jetzt hat sie ein Buch über ihre Campingabenteuer geschrieben. Bester Anlass, um sie zum Interview zu treffen.

Frau Tietjen, wann haben Sie das Campen für sich entdeckt?

Mit 18. Nach dem Abitur habe ich mit zwei Freundinnen und drei Kumpels einen alten VW-Bus gekauft und dann sind wir damit los an die Atlantikküste nach Frankreich gedüst. Das fühlte sich total nach Freiheit, einfach raus und los, machen können, was man will, ohne zu planen, einfach der Nase nach, schauen, wohin es einen treibt. Der Roadtrip fühlte sich noch mehr nach Abenteuer an, weil unsere Eltern total dagegen waren. 1978 hatte so eine Tour was Verbotenes, Gefährliches. Doch nach diesen vier Wochen war erst mal Schluss mit Campen.

Bis Ihr Mann daherkam…

Richtig. 13 Jahre später lief er mir über den Weg. Ich war damals schon ziemlich gesettelt, er ein cooler Surfer, der im selbst ausgebauten VW-Bus in jeder freien Minute von Hamburg an die Ostsee düste. Mit ihm war Camping wieder hot…

Ihre gemeinsame Begeisterung blieb, trotz zweier gemeinsamer Kinder.

Mein Mann hat seinen coolen Surfer-Camper kindertauglich gemacht. Für unseren Sohn hat er vorne ein Bettchen über dem Fahrersitz eingebaut, unsere Tochter bekam ein Hängebett installiert, das mit Netzen geschützt an einer Kette baumelte. Bis 1999 sind wir so durch Europa kutschiert, dann hat unser Mobil seinen Geist aufgegeben. Und mein Mann hat einen neuen Camper für uns ausgebaut.

Das mit dem Ausbau hört sich so entspannt an…

Mein Mann ist Flugzeugbauingenieur und handwerklich sehr begabt, er kann das. Unserer neuer Camper ist ja nur ein Fiat Ducato, aber dank seines Ausbaus hat alles reingepasst: hinten die Betten der Kinder, unser Zeug in ganz vielen Schränken, alles wunderschön verkleidet in Holz.

Es auf so engem Raum als Paar über Jahrzehnte gut auszuhalten, wie geht das?

Im Großen und Ganzen sind wir ein echt gutes Team. Bis auf die eine Nacht vor drei Jahren: da hat mir mein Mann im Camper eine Rippe gebrochen. Ich lag damals schon im Bett, das ist nicht so breit, sondern eine Ausklappversion aus zwei Schaumstoffmatratzen, weil wir rückenmäßig mittlerweile was Weicheres brauchen. Und als er auf seine Seite klettern wollte, hat er sich auf meinen Brustkorb gekniet. Ich wurde von einem stechenden Schmerz wach, spürte ein Knirschen in der Brust und er sagte: ‚Entschuldigung, ich dachte, du bist da zu Ende.‘

Sehr charmant.

Ja, in der Nacht war die Stimmung nur noch mittel.

Wie schaut die Arbeitsteilung bei Ihnen beim Campen aus?

Mein Mann sitzt immer hinterm Steuer, ich gucke als die Beifahrerin, wo wir hinfahren. Reden tun wir während der Fahrt recht wenig. Das liegt aber nur daran, dass der Motor so röhrt und alle Fenster im Sommer offen sind, weil wir keine Klimaanlage haben.

Klingt nach einer unaufgeregten Art zu Reisen.

Genau das liebe ich am Campen: Durch meinen TV-Job sitze ich Tag und Nacht in der Maske, im Urlaub genieße ich es, mich mal gar nicht stylen zu müssen. Da pack ich auch kaum Klamotten ein, vielleicht eine Jeans, ein paar Sommerkleider, Sweatshirts und noch eine Daunenweste. Die ist wichtig für die kühlen Abende.

Sitzen Sie da vor dem Camper und grillen?

Oder wir machen Couscous mit Ratatouille. Und dazu Chipolatas, französische Bratwürstchen. Alles in den Topf und umrühren. Fertig! Oder ich peppe Nudeln mit Thunfisch, Sahne, Kapern und Oliven auf. Meine besten Campingrezepte findet man übrigens auch im Buch.

Vorratsdosen sind also ein Must-have…

…Absolut. Und zwei Besen, damit fegen wir den Camper regelmäßig aus. Außerdem packe ich immer auch meine Stirnlampe ein auf Reisen.

Um nachts zur Toilette laufen zu können?

Das würd ich nachts nie machen. Da bin ich ein zu großer Schisser. Dafür hab ich meine kleine private Campingtoilette dabei. Aber die Stirnlampe brauche ich, wenn ich nachts was suchen muss. Campingplätze sind oft wahnsinnig schlecht beleuchtet.

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