Aus der Formel 1 kennt man Alpine als Sportabteilung von Renault. Von diesem Image will man möglichst viel auch in den Alltag bringen. Der Sportwagen A110 war dafür ein perfekter Imageträger. Nur kein in Bezug auf Verkaufszahlen allzu erfolgreicher, und da auch beim französischen Konzern die Zukunft elektrisch ist, wird bei Alpine an einer E-Familie gebaut. Ein Exemplar ist der A290, ein flotter Flitzer für die Stadt.
Der A290, der im Ausstattungsniveau GTS zu einer Ausfahrt bereitsteht, versprüht eine ganze Portion Sportlichkeit, ohne aber wie eine kleine Krawallschachtel zu wirken. Der Karosserie nimmt man ab, dass da ein alltagsfähiges Fahrzeug drinsteckt, das aber nicht ohne ist. 218 PS als Topleistung sind nicht von Pappe, 6,4 Sekunden dauert der Sprint des 1.554 Kilogramm schweren Franzosen von null auf 100, und bei 170 km/h ist Schluss. Die Batterie mit 52 kWh Kapazität soll für bis zu 364 Kilometer Reichweite nach WLTP taugen.
In der Praxis dürften es deutlich kürzere Intervalle sein, bis wieder eine Ladesäule aufgesucht werden muss, denn der Alpine A290 geht innerorts ganz ordentlich ab. Dazu leuchtet in der Farbe der Versuchung der rote OV-Knopf (für Overtake, Überholen), mit dem man zehn Sekunden lang die volle Systemleistung freisetzen kann. Beim Ampelstart kann man ihn als Launch Control einsetzen. Kindsköpfe ergötzen sich daran, andere Verkehrsteilnehmer schütteln den Kopf.
Der City-Flitzer liegt sauber auf der Straße. Im städtischen Alltag wird das Potenzial seines Motors und des Fahrwerks vermutlich kaum ausgereizt werden. Dafür semmelt der A290 jenseits des Ortsschilds umso agiler um Kurven, aber stets sicher. Regelungstechnik aus dem Motorsport sei Dank. Die Formel 1 als Kern der Marke will man bei Alpine auch gar nicht verleugnen, im Gegenteil.
Abstriche muss man bei dem Wagen hinsichtlich der Praxistauglichkeit machen. 326 Liter Kofferraumvolumen sind nicht gerade üppig, es ist erweiterbar auf 1.107 Liter. Die Rücksitze des Fünfsitzers können für den Transport Erwachsener nur im Notfall genutzt werden. Mit 10,2 Metern hat der A290 einen passablen Wendekreis.
Das Vergnügen, mit dem Gefühl der Formel 1 in der Stadt unterwegs zu sein, kostet mit der von uns gefahrenen GTS-Version mindestens 45.000 Euro. VOLKER PFAU