Die Iran-Krise nimmt bereits jetzt deutlich Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Wie es auch immer im Nahen Osten weitergeht – eines ist schon jetzt klar: Der Aufschwung im Immobiliensegment ist nachhaltig gebremst. Das zeigt sich etwa auf den deutschen Bürovermietungsmärkten: Nach Zahlen der internationalen Immobilienagentur Jones Lang LaSalle (JLL) startete das Jahr 2026 mit einem kumulierten Flächenumsatz von 616.800 Quadratmetern in den sieben größten Metropolen verhalten und liegt rund 17 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals.
Furcht vor Rückkehr
der Inflation
„Es trifft dabei alle Sektoren gleichermaßen, von der energieintensiven Industrie und dem Baugewerbe über den Handel bis hin zu den Dienstleistungen. Was die Aussichten eint, ist die Furcht vor einer Rückkehr der Inflation“, erklärt Konstantin Kortmann, Geschäftsführer der JLL-Vertretung in Deutschland. Und wenn alles teurer wird, trifft das auch den privaten Wohnungsbau stark. Ein Indikator ist hier das Neugeschäft mit Wohnungsbaukrediten. Dieses schwächt sich im Zuge der Energiekrise deutlich ab. „Die jüngste Entwicklung ist vor allem auf wieder steigende Finanzierungskosten zurückzuführen. Im Zuge der Iran-Krise haben sich die Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt spürbar verschlechtert. Bauzinsen nähern sich erneut der Vier-Prozentmarke oder liegen teilweise darüber“, erklärt Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland (IVD) Süd und Leiter des dortigen Marktforschungsinstituts.
Der ganz große Zins-Schock wie im Jahr 2022 ist allerdings laut Zahlen von Immoscout24 bisher ausgeblieben. Damals stiegen die Zinsen um beinahe das Vierfache, von einem Prozent auf 3,78. Die aktuellen Zinssteigerungen betragen dagegen laut der Online-Plattform nur das 1,2-Fache, auf nunmehr 3,9 Prozent.
Nach einem Höchststand von rund 32,3 Milliarden Euro im Frühjahr 2022 fiel laut IVD das monatliche Neugeschäftsvolumen bei Wohnungsbaukrediten bis Anfang 2023 auf einen Tiefpunkt von etwa 12,1 Milliarden Euro. In der anschließenden Erholungsphase konnte sich das Volumen schrittweise stabilisieren. Im Juli 2025 wurde mit 22,5 Milliarden Euro ein zwischenzeitlicher Höchstwert erreicht. Seitdem entwickelte sich das Neugeschäft jedoch leicht rückläufig und lag zuletzt (Februar 2026) bei rund 18,7 Milliarden Euro. Ein Negativtrend, der sich fortsetzen könnte, wie Kippes erklärt: „Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil die Erholung am Wohnimmobilienmarkt ist. Externe Schocks – wie derzeit der Konflikt im Nahen Osten – können die Finanzierungsbedingungen innerhalb kurzer Zeit spürbar verschlechtern und damit die Nachfrage unmittelbar beeinflussen.“ Christoph Kastenbauer