Rund 100 Einsätze im Jahr, ehrenamtlich neben Job und Familie: Thomas Fischer (47) ist seit 17 Jahren bei der Bergwacht Bad Reichenhall. Er und sein Team sind in der zweiten Staffel „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ zu sehen. Im Interview spricht er über typische Notlagen und gibt Tourentipps für seine Heimat.
Thomas, hast du die erste Staffel von „In höchster Not“ verfolgt?
Die Serie hat mich natürlich sehr interessiert. Ramsau ist bei uns gleich ums Eck, man kennt sich also. Sie haben es sehr gut gemacht. Es werden wirklich Rettungskräfte bei realen Einsätzen gezeigt.
Dein Team, die Bergwacht Bad Reichenhall, ist in der neuen Staffel dabei.
Sie haben uns vergangenes Jahr vier oder fünf Wochen begleitet. Zwei Einsätze werden in der zweiten Staffel zu sehen sein. So viel darf ich schon verraten: Es wird eine dritte Staffel geben – und wir sind wieder dabei, das Kamerateam begleitet uns auch dieses Jahr wieder.
Wie viele Einsätze habt ihr pro Jahr?
Wir liegen bei rund 100 Einsätzen pro Jahr. Die meisten Unfälle passieren im Sommer und Herbst, da wir kein Skigebiet haben. Skitourengeher verunfallen bei uns kaum. Beim Hochstaufen sind wir häufig im Einsatz, der wird viel begangen – und es gibt auch anspruchsvollere Touren zum Gipfel. Erst vor Kurzem hatten wir wieder einen Einsatz, bei dem jemand nicht mehr weitergekommen ist.
Ist das ein typischer Einsatzgrund?
Ja, viele Leute verletzen sich nicht, sondern sie kommen nicht mehr vor und zurück. Das ist vielleicht auch dem geschuldet, dass einige mit Apps navigieren. Dem Track wird blind nachgelaufen, und plötzlich ist der Weg vielleicht nur ein Steig, der sich irgendwann verliert, weil er nicht so häufig begangen wird, oder er ist doch steiler und schwieriger, als man anfangs gedacht hat.
Wie setzt man richtig einen Notruf ab?
Die 112 wählen. Dann kommt man auf jeden Fall bei uns in der Leitstelle raus. Und dann geht‘s darum, Ruhe zu bewahren und klar zu sagen: Was ist passiert? Wer ist verunglückt? Wo befinde ich mich? Man muss damit rechnen, dass es nach dem Telefonat dauern kann, bis jemand kommt. Gerade, wenn kein Flugwetter ist. Deshalb ist es wichtig, den Verletzten warm einzupacken, denn selbst bei schönem Wetter kühlt man sehr schnell aus. Das Handy sollte man immer anlassen, falls die Bergwacht anruft.
Du bist natürlich auch Experte für die Bergwelt in Bad Reichenhall. Welche Touren kannst du für Familien und Ambitionierte empfehlen?
Wir haben nicht die ganz hohen Berge. Auf der einen Talseite gibt es den Dötzenkopf. Das ist eine nette Bergtour, der Weg ist nicht sehr breit, aber eigentlich ist es nirgends wirklich gefährlich. Kann man mal gut an einem Nachmittag machen. Was für Familien sehr schön ist, ist die Zwieselalm. Wer fitter ist, geht weiter auf den Zwiesel hinauf. Das ist noch mal eine Dreiviertelstunde bis zum Gipfel. Der Hochstaufen ist hingegen anspruchsvoller. Da gibt‘s den langen Normalweg und die Variante über die Steinernen Jäger, die ist ausgesetzter – und man muss schon mal hinlangen. Nichts super extremes, aber auf jeden Fall anspruchsvoll.
Und wo hat man das schönste Panorama?
Da musst man auf den Hochstaufen gehen. Der liegt genau am Ende des Talkessels. Man sieht die ganze Salzburgseite, über den Chiemsee bis teilweise nach München. Bei gutem Wetter sieht man den Fernsehturm.
…und dein persönlicher Lieblingsberg?
Den Hexenbusen mag ich gerne. Dazu muss ich erklären: Als „schlafende Hexe“ wird das Lattengebirge bezeichnet – denn die Felsen und die Kammlinie sehen aus wie eine schlafende Hexe. Man sieht den Kopf, die Nase, den Mund, den Busen und die Füße. Der Hexenbusen, der eigentlich Mittlerer Rotofen heißt, ist schon ein bisschen anspruchsvoller.
Wo kann man sich im Sommer nach einer Wanderung abkühlen?
Da muss man in den Thumsee springen. Der ist ein bisschen oberhalb von Reichenhall. Aber Achtung: Er ist kalt (lacht).
Zum Abschluss: Welchen Tipp möchtest du jedem Wanderer an die Hand geben?
Einfach umdrehen, wenn es nicht mehr geht. Das ist manchmal echt schwer – vor allem, wenn man ein paar Meter vorm Gipfel steht. Aber bevor man in eine Notsituation gerät, sollte man lieber mutig sein und einfach die sichere Variante wählen. Das macht auch einen guten Bergsteiger aus: Er dreht um.
interview: Anna Wagner