Tom Cruise rennt durch die Altstadtgasse Železná aufs Ständetheater zu, wo Mozart eine Oper dirigiert – allerdings nicht zur selben Zeit und im selben Film. Es sind Szenen aus Klassikern der Filmgeschichte, die in Prag entstanden: der Cruise-Agentenstreifen „Mission: Impossible“ (1994) und „Amadeus“ (1984), der acht Oscars gewann. Zu den neuesten Titeln zählt „Blade Runner 2099“ und künftige Folgen der „Zürich-Krimis“, verrät Hedvika Petrzelkova, Publizistin bei der Tschechischen Filmkommission. Sie sagt: „Pro Jahr sind es etwa 30 bis 40 Projekte von Filmen und Serien.“ Prag, das ist eine Stadt, die bei Produzenten ziemlich beliebt ist. Touristisch gemünzt: Wer Filmfan ist und Stadtreisen mag, ist bei der tschechischen Hauptstadt an der richtigen Adresse. Stationen für einen Prag-Trip:
Altstädter Ring
Prags bedeutendster Platz, der Altstädter Ring (Staromstské námstí), atmet Geschichte, stößt an herausgeputzte Fassaden und die doppeltürmige Teynkirche. „Die war im Film ‚Van Helsing‘ Notre-Dame“, weiß Eva Kupr, die Filmführungen für Gäste anbietet. Auch in den US-Actionstreifen „xXx – Triple X“ mit Vin Diesel und „Bangkok Dangerous“ mit Nicolas Cage diente der Altstädter Ring als Szenario.
Karlsbrücke
Dort, wo Menschenmassen über die Moldau wogen, sprintete Tom Cruise als Agent Ethan Hunt voran – und Oscarpreisträger Jon Voight stürzte in den Fluss. In „Mission: Impossible“ hatten beide keinen Blick für die Schönheiten der Stadt. Im Horrorfilm „Das Omen“ überbrachte Pfarrer Brennan (Pete Postlethwaite) dem Protagonisten Robert Thorn (Liev Schreiber) unter der Brücke schockierende Neuigkeiten. Ein Stückchen weiter, im Park auf der Kampa-Insel, versuchte Matt Damon in „Die Bourne Identität“ in seiner ersten Nacht in Zürich zu schlafen.
Rudolfinum
In Sichtweite der Karlsbrücke hebt sich der Neorenaissancebau des Rudolfinums ab. Eine pompöse Treppe, flankiert von Laternenkränzen, führt hinauf. Im Konzertsaal erklingen klassische Töne; hier hat die Tschechische Philharmonie ihren Sitz. Als Location tauchte der Prunkbau in „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ mit Sean Connery, „Hannibal Rising – Wie alles begann“ und „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ auf. „Da geht es um eine reiche, machtvolle Frau, die Sängerin werden wollte, aber nicht singen konnte. Im Film ist Prag Paris“, erläutert Filmfachfrau Petrzelkova.
Bluelight Bar
Westwärts spannt sich die Karlsbrücke auf das Viertel Kleinseite (Malá Strana) zu, wo die Bar „Bluelight“ kein blaues, sondern oranges Licht flutet. Im Ehedrama „Endstation Prag“ lässt sich Mads Mikkelsen am Tresen nieder und lauscht dem Livekonzert einer jungen Tschechin, mit der er eine Kurzaffäre hat. Barkeeperin Anna Vechtikova kennt den Film von 2006 nicht, hat aber vor Jahren sich selbst in einer Episode der Reihe „Der Zürich-Krimi“ gespielt. Die Szene war rasend schnell vorbei. „Dabei wurde den ganzen Tag gedreht, ich war total platt.“
Nationalmuseum
James Bond war hier, in Gestalt von Daniel Craig. In „Casino Royale“ fungierte das Riesenfoyer des Museums am Wenzelsplatz als Hotellobby. In „From Hell“ mit Johnny Depp war es eine Medizinschule.
Burg
Der Komplex der Prager Burg (Pražský hrad) hat es vielfach zu cineastischen Ehren gebracht: von „Brothers Bloom“ mit Rachel Weisz bis zu „Shanghai Knights“ mit Jackie Chan, wo das Matthiastor den Eingang zum Buckingham Palace vorgaukelte. Ebenso prägnant ist der Platz Hradschin, der sich in „Les Misérables“ mit Leben füllte.
Kloster Strahov
Die geheimnisvolle Aura des Klosters (Strahovský klášter) spüren Besucher bis heute, wenn sie an die Absperrungen zur barocken, in zwei Teile gesplitteten Klosterbibliothek treten. Umrahmt von Deckenfresken und Büchern, spielte die Bibliothek in „Das Omen“ den Vatikan und in „Casino Royale“ das britische Oberhaus.
Flussuferzone
„Mit Keanu Reeves wurde ‚Ballerina‘ ein Stück weiter am Fluss auf dem Schiff ‚Avoid Floating Gallery‘ gedreht“, weiß Barkeeper Emil Obsluha vom „Avoid Café“.
Mehr auf www.prague.eu.
Andreas Drouve/dpa