Ob in Schlachten oder bei der Jagd, ob unter dem Sattel oder vor der Kutsche – Pferde spielen in der Geschichte der Menschheit eine Schlüsselrolle. Doch nicht nur das: Menschen rund um den Globus sind seit Jahrtausenden von ihrer Schnelligkeit und Schönheit fasziniert.
In zahlreichen Ländern schlägt die Faszination bei farbenprächtigen Festen und wilden Reiterspielen in riesige Begeisterung um. Reisende können sich von den Emotionen mitreißen lassen – und vom Temperament der Pferde.
Spitzensport und Show
Süße Shetlandponys oder erfolgreiche Turnierpferde? Bei der Pferd International München gibt es beides. Alljährlich zieht das Pferdefestival Besucher aus nah und fern an –
mit einem packenden Schauprogramm und hochklassigem Reitsport in verschiedenen Disziplinen – darunter auch die Working Equitation, die auf alten Arbeitsreitweisen basiert. Kommende Woche ist es wieder so weit: Vom 14. bis 17. Mai dreht sich auf der Olympiareitanlage in Riem alles um die wunderbare Welt der Pferde.
Historische Reitkünste
Jedes Jahr wird im Herbst im indischen Amritsar das farbenfrohe Sikh-Fest Bandi
Chhor Divas gefeiert. Besonders beeindruckend sind dabei die Vorführungen der traditionellen Nihang-Sikh-Krieger, die auf ihren wendigen und ausdauernden Pferden historische Kampf- und Reitkünste zeigen. Ein echter Hingucker sind die Ohren der Vierbeiner: Sie sind nach innen gebogen. Die Anmut der berühmten indischen Marwari-Pferde können Reisende auch bei Reitvorführungen während des Marwar-Festivals in Jodhpur bewundern.
Rasantes Skijöring
Lebhaft geht es beim polnischen Kumoterki-Festival zu. Pferde spielen bei dem winterlichen Spektakel eine zentrale Rolle. Das Festival findet von Ende Januar bis Anfang März an verschiedenen Orten in der Region Podhale statt. Bei der Veranstaltungsreihe können Zuschauer vor allem bei Schlittenrennen mitfiebern. Eine der Attraktionen ist das Skijöring, bei dem Pferd und Reiter im schnellen Galopp einen Skifahrer ziehen. Das Festival verbindet sportlichen Wettbewerb mit lebendigem regionalem Brauchtum und zeigt die historische Bedeutung des Pferdes im winterlichen Leben der Bergregion.
Rennen auf Eis
Pferde sind das Herz der mongolischen Kultur. Das zeigt sich besonders beim traditionsreichen Fest Naadam in der Mongolei. Es ist als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Eine regionale Variante davon wird im Sommer in der Inneren Mongolei in China gefeiert. Auch eine Winterversion des Fests gibt es dort. Sie ist ebenfalls eine Reise wert. Im Dezember donnern Pferde bei Rennen über Eis und Schnee. Die Veranstaltung gewährt Einblicke in die Pferde- und Steppenkultur. Auf dem gefrorenen Yimin-Fluss zeigen Hirten in historischer Kleidung Reit- und Wettkampftraditionen.
Leidenschaft für Pferde
Wie stolz die Spanier auf ihre rassigen Pferde sind, zeigen sie unter anderem bei der Feria del Caballo in Jerez im Mai. Bei diesem Fest verbinden sich andalusische Lebensfreude mit der Leidenschaft für Pferde. Berühmt ist auch die Pferdeparade auf der Insel Menorca, ein Spektakel bei den Festes de Sant Joan in Ciutadella. Die Reiter, die Caixer, lenken ihre Menorquiner-Pferde durch die
Massen und lassen sie immer wieder steigen. Für einen kurzen Moment stehen die Hengste auf den Hinterbeinen, dicht umringt von Menschen. Diese versuchen, Pferd und Reiter zu berühren. Denn das, so heißt es, bringt Glück. Ganz ungefährlich sind diese Manöver allerdings nicht.
Donnernde Hufe
Der Boden beginnt zu beben, wenn im marokkanischen El Jadida bei Casablanca die Reiter auf ihren Pferden heranpreschen. Die Tbourida, auch bekannt als Fantasia, ist seit 2021 ebenfalls als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Die Reitdarbietung wird an verschiedenen Orten bei religiösen und kulturellen Festen aufgeführt. Am Ende der Strecke feuern die Reiter gleichzeitig mit meist historischen Gewehren in die Luft – ein Symbol für Kampfgeist, Stammeskultur und die Verbundenheit zwischen Mensch und Pferd. Brigitta Wenninger