Arequipa und seine vulkanische Küche

von Redaktion

Zwischen Walkmühlen und Tontöpfen lässt sich in traditionellen Picanterías die Küche Perus entdecken

Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen über die weißen Tuffsteinfassaden legen und in den Küchen der Stadt schwere Tontöpfe auf offenen Feuerstellen zu köcheln beginnen, erwacht Arequipa auf eine ganz eigene Weise zum Leben.

Die zweitgrößte Stadt Perus, in der gleichnamigen Region malerisch am Fuße imposanter Vulkane wie dem Misti gelegen, gilt als kulturelles Herz des Südens – und als eines der authentischsten kulinarischen Zentren des Landes. Gastronomie ist hier gelebte Tradition, die untrennbar mit der Landschaft verbunden ist: eine Küche zwischen Vulkanen.

Der Begriff beschreibt weit mehr als nur eine geografische Besonderheit. Die Besonderheit der hiesigen Küche entspringt aus der Kraft der Vulkane, aus mineralreichen Böden, extremen Höhenlagen und einer Landwirtschaft, die seit Jahrhunderten an die Bedingungen der Anden angepasst ist. Kartoffeln in unzähligen Varianten, aromatische Kräuter, Mais, Erdnüsse und scharfe Rocoto-Chilis bilden die Basis für Gerichte, die durch ihre Tiefe und Intensität bestechen. Zeit, Handwerk und hochwertige Zutaten bilden eine perfekte Harmonie.

Schweineeintopf
am Sonntag

Im Zentrum dieser kulinarischen Welt stehen die traditionellen Picanterías – einfache Lokale, die seit Generationen das soziale und gastronomische Leben prägen und vom peruanischen Kulturministerium als kulturelles Erbe der Nation anerkannt sind.

Namen wie La Nueva Palomino, La Capitana oder La Cau Cau gelten als Institutionen der regionalen Küche. Hier treffen sich Besucher wie Einheimische an langen Holztischen, um gemeinsam zu essen. Serviert wird nach festen Tagesrhythmen: Jeder Wochentag ist einem bestimmten Gericht gewidmet. Der Adobo Arequipeño, ein langsam geschmorter Schweineeintopf etwa, wird traditionell am Sonntag gegessen. Auch Spezialitäten wie Rocoto Relleno oder der kräftige Garneleneintopf Chupe de Camarones zählen zu den kulinarischen Aushängeschildern der Region.

Parallel dazu entwickelt sich in Arequipa eine spannende, moderne Gastronomieszene, die traditionelle Wurzeln neu interpretiert. Restaurants wie Victoria Picantería übertragen die klassische Küche in ein zeitgemäßes Konzept und zeigen, wie lebendig das kulinarische Erbe ist. Für anspruchsvolle Genießer bietet Chicha – ein Ableger des renommierten peruanischen Starkochs Gastón Acurio – eine elegante Interpretation regionaler Gerichte. Ebenfalls hervorzuheben: Zigzag verbindet im historischen Gebäude moderne Grillküche mit den Einflüssen Perus.

Süßes aus den Klöstern

Doch die kulinarische Geschichte Arequipas endet nicht in den Küchen der Restaurants. Sie führt auch in die stillen Innenhöfe und farbenfrohen Gassen des Monasterio de Santa Catalina. Der weitläufige Klosterkomplex aus dem 16. Jahrhundert, der wie eine eigene kleine Stadt wirkt, ist nicht nur eines der bedeutendsten architektonischen Wahrzeichen Perus, sondern auch ein Ort, an dem sich kulinarische Traditionen über Jahrhunderte hinweg entwickelt und bewahrt haben. Viele süße Spezialitäten der Region gehen auf klösterliche Ursprünge zurück und sind bis heute fester Bestandteil der lokalen Genusskultur. Darunter queso helado, eine zimt- und kokosbasierte Nachspeise, buñuelos, frisch ausgebackene Teigbällchen mit Sirup, oder mazamorra de chancaca, ein süßer Pudding aus Rohzucker, Gewürzen und Früchten. Auch Gebäck wie alfajores oder sirupgetränkte Süßspeisen spiegeln die enge Verbindung zwischen klösterlicher Tradition und regionaler Küche wider.

Natur pur im Colca-Tal

Arequipa – nur 90 Flugminuten von Lima entfernt – bietet außergewöhnliche Möglichkeiten, Peru mit allen Sinnen zu erleben. Ein Bummel über den traditionsreichen Markt San Camilo, ein Mittagessen in einer Picantería oder ein Dinner in einem der gehobenen Restaurants der Stadt bieten facettenreiche Einblicke in die regionale Küche. Gleichzeitig bildet die spektakuläre Umgebung mit dem Colca-Tal und den majestätischen Vulkanen eine eindrucksvolle Kulisse, die Naturerlebnis und Kulinarik auf einzigartige Weise verbindet.

Infos zu Arequipa:

www.peru.travel/de

J. Ammerschläger

Artikel 4 von 11