Benziner für die Batterie

von Redaktion

Leapmotor B10 kommt dank seriellem Hybrid viele Kilometer weit

Es gibt Batterie-Fahrzeuge (BEV), reine Verbrenner und eine Reihe von Techniken, die beides vermischen. Leapmotor, chinesischer Partner von Stellantis, bietet eine in Europa seltene Version: einen seriellen Hybrid. Der Verbrenner an Bord hat keine mechanische Verbindung zu den Rädern. Er treibt einen Generator an, der Batterie und Antrieb versorgt. Vorteil: Man kann mit einer Architektur ein BEV und einen Hybrid anbieten. Leapmotor tut das beim B10. Dessen Reichweite steigt durch den 1,5-Liter-Verbrenner von 434 auf bis zu 900 Kilometer. Der Hersteller spricht von Range-Extender, also Reichweitenverlängerer. Der Benziner läuft stets mit optimalem Wirkungsgrad. Der Verbrauch liegt deshalb bei 6,1 Litern für 100 Kilometer bei leerer Batterie. Die elektrische Reichweite beträgt 86 Kilometer. Nachteil: kein Zu-satzschub beim Beschleunigen durch den Verbrenner. Doch 218 elektrische PS sind genug.

Wir fuhren von München aus über Österreich und die Schweiz in die Lombardei. Anfangs mit viel Strom aus der Batterie. Bei längeren Bergabfahrten wurde Strom zurückgespeichert. Als das Navi das nahende Ziel anzeigte, kam der Strom wieder aus der Batterie.

Der Innenraum reicht für bis zu fünf Menschen samt Gepäck. Ein wenig störend wirkten die großen Plastikflächen. Aber irgendwie muss sich der Kampfpreis (ab 32.400 Euro) bemerkbar machen. Sportliche Fahrer würden wohl eine härtere Fahrwerksauslegung bevorzugen. Fürs kommode Reisen passt es. Stören kann dabei aber die aufdringliche Geschwätzigkeit des Navis. Wer beispielsweise noch 40 Kilometer Autobahn vor sich hat, muss nicht bei je-der Ausfahrt erneut hören, dass er sich links halten soll. Etwas irritierend sind zwei unterschiedliche Systeme der Verkehrszeichenerkennung. Eines zeigte im Fahrdisplay über lange Strecken korrekt das schweizerische Autobahnlimit von 120 an. Das andere im Zentralbildschirm bestand grundlos auf Tempo 60. Manchmal waren sich beide einig, manchmal lagen beide falsch. Also: Besser auf reale Schilder achten.

Nach fünfeinhalb Stunden und 450 Kilometern Fahrt kamen wir entspannt und ohne Ermüdungserscheinungen am Comer See an. Für die sofortige Rückfahrt hätte der Sprit – nicht aber die Kondition des Fahrers – auch noch gereicht. Mehr kann man von einem Auto für lange Reisen kaum verlangen. MARTIN PREM

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