Klar, muss man in Oberösterreich nicht nur im Erlebnispark abhängen, es gibt noch viel mehr zu erleben. Für Groß und Klein. Unsere Highlights:
Wo Schokolade nach Wald schmeckt
In der Manufaktur von Kurt Wöss in Neustift im Mühlkreis läuft der Schokobrunnen, als wir den Laden betreten. Alle stürzen sich begeistert auf die Holzstäbchen, piksen Banane und Trauben auf und tunken sie in die süße Soße. Kurt Wöss strahlt. Eigentlich hat er mal die Bäckerei seines Vaters übernommen, doch jeden Tag Semmeln rollen, war ihm zu fad, also ist er auf Pralinen umgestiegen. Wenn er das erzählt, strahlt er übers ganze Gesicht und gesteht: „Meine Pralinen sind die Allerbesten und klar ess ich jeden Tag selber Schokolade. Das macht total gute Laune“, gesteht er sympathisch.
Dann führt er uns in seine Produktionsstätte. Eine Maschine rührt duftende Schokomasse, die richtige Temperatur sei das Allerwichtigste dabei, erklärt er. Dann zeigt er seine Förmchen, in die er die Köstlichkeit schüttet. Und auch da ist er sehr kreativ: Einhörner gibt es, Traktoren oder jetzt zur WM natürlich Fußbälle.
Berühmt gemacht hat ihn jedoch seine Waldschokolade. „Die Idee kam mir bei einem Spaziergang. Die Düfte des Waldes haben mich inspiriert und ich hab getüftelt, wie ich die in meine Schokolade reinpacke.“ Zuerst hat er es mit Wipfelgelee und Tannenhonig versucht. Doch die Tanne habe zu viele Bitterstoffe. „Fichtennadeln dagegen sind unglaublich aromatisch.“
Kurt Wöss pflückt sie noch heute höchstpersönlich im Wald, dann werden sie in seiner alten Kaffeemühle gemahlen, getrocknet („richtig schön langsam an der Heizung, damit sich ja kein Aromastoff verflüchtigt“). Danach wird die Masse mit Nougat vermischt und in dunklen Schokorand gefühlt. So viel Liebe zum Produkt zahlt sich aus. Kurt Wöss gewann schon mehrere Preise für seine Waldschokolade.
Übrigens: Bei Kurt darf man nicht nur staunen, sondern auch selbst Schokolade herstellen. Unsere ist vollgepackt mit Erdbeerstückchen, Smarties und Gummibärchen. Und war viel zu schnell aufgenascht…
Eine große Familie und ganz viele Tiere
Regina Stadler drückt jedem Kind einen Stock in die Hand, als wir auf dem Biohof Stadler aussteigen. „Wir treiben jetzt die Kühe in den Stall, wenn eine rumzickt, könnt ihr sie damit weiterschieben.“ Und schon stehen wir auf einer riesigen idyllischen Obstbaumwiese. „Oide, oide!“, sollen wir die Leitkuh Miezi der Herde rufen. Ihr würden die anderen Kühe dann einfach hinterhertraben. Wir geben unser Bestes. Und tatsächlich: Die Herde setzt sich in Bewegung.
Kaum im Stall wird weiter gearbeitet. Mit Mistgabeln und Schaufeln schieben wir den Kühen Heu vor ihre Nasen. Etwas ruhiger geht es im Bienenstock zu. Sohn Jakob erklärt, warum die Bienen heute so leise sind. „Wenn es regnet, sind sie schlecht gelaunt. Drum mache ich auch keinen Stock auf. Ich will nicht, dass einer von euch gestochen wird.“ Welchen Tipp hat er, dass Bienen nicht stechen? „Am besten weiße Kleidung anziehen und keine mit Stallgeruch. Sonst glauben sie, man ist ne Kuh, sehen einen als potenziellen Angreifer.“
Draußen wiehern Monika und Molly, die beiden Ponys wollen gestreichelt werden. Kater Freddy schnurrt um unsere Beine. Auf dem Biohof von Familie Stadler fühlt man sich direkt wohl. Doch weil die Stadlers nur fünf Ferien-Appartements zur Vermietung haben, aber möglichst allen Familien, die ins schöne Neustift ob der Donau kommen, einen unvergesslichen Urlaub bereiten wollen, schnürt Mama Regina in ihrer Freizeit auch noch das Kinder- und Familienprogramm der Region.
Und das hört sich unfassbar vielfältig an: Piratenschatzsuche auf der Donau. Indianerfest auf der Wiese. Eine Fahrt mit dem Märchentraktor. Eine Ausbildung zum Jung-Feuerwehrler. Kuckucksklee kosten, am Teufelstein alten Sagen lauschen oder mit Penzi, der Ameise, geheimnisvolle Orte aufspüren. „Kinder brauchen keine perfekte Kulisse. Sie brauchen eine Natur, die herrlich echt ist. Das haben wir hier alles“, strahlt sie begeistert.
Mit der Zille auf der Donau
Was uns noch den ganzen Tag begleitet hat, war die Donau. Und von der Schlögener Schlinge hat man sicher auch schon mal in München gehört, diesem Naturwunder Oberösterreichs, bei dem die Donau eine fast 180-Grad-Kurve durch die Hügellandschaft zieht.
Doch was wir bislang noch nicht kannten, sind die Zillen. Ein flachbodiges Holzboot, das seit Jahrhunderten auf der Donau und ihren Nebenflüssen eingesetzt wird, um Waren zu transportieren oder Menschen als Fähre über den dicken Fluss dient. Eines der alten Fährboote erspähen wir. „Man muss mit dem Telefon dort im Holzkasten drüben beim Fährmann anrufen, dann setzt er über und holt einen ab“, erklärt der Hans. Er hat heute unterhalb des Fischrestaurants Luger mit einer Zille für uns angelegt. Die Kinder bekommen eine Schwimmweste übergezogen. Dann wirft Hans den Motor an.
Die Donau ist still. Nur wenn ein dicker Lastkahn oder ein Kreuzfahrtschiff entgegenkommt, wackeln wir in den Wellen. Doch der Wind bläst kräftig, die Haare flattern. Hans schwärmt, man könne bei ihnen im Viertel auch Zillenbauern noch bei ihrem Handwerk zuschauen. Zwei Familien würden das noch ganz traditionell ausüben: die Königsdorfer und die Wittis. Da lernt man dann, wie diese einzigartigen Holzboote seit Jahrhunderten mit Moos und Hanf abgedichtet und aus welchen Hölzern sie zusammengebaut werden. Wir merken uns das für den nächsten Besuch in der schönen Donauregion Oberösterreichs vor. Denn den wird es ganz sicher geben.
Julitta Ammerschläger