Nachts im Museum? Das stelle ich mir mit meiner achtjährigen Tochter nur als Kinofilm spannend vor. Doch zwischen Statuen und Gemälden im Finsteren herumschleichen wäre nicht so ihr Fall. Wie aber ist es, wenn man den Bis-zur-Dämmerung-Zutritt zu einem riesigen Erlebnispark in die Hand gedrückt bekommt? Das ist uns beim Check-in ins IKUNA (ikuna.at) passiert.
„Für unsere Tagesgäste schließt der Park um 19 Uhr. Mit der Zimmerkarte könnt ihr aber auch bis in die Dämmerung hinein übers Gelände schweifen“, heißt es an der Rezeption. Wie cool ist das denn? Keinen Zeitdruck, alles testen, fahren, ausprobieren – auch noch bis weit nach dem Abendessen?
Zuerst mal geht‘s ins Sternenhimmel-Chalet. Dreistöckig ist das. Ganz oben führt die Wendeltreppe zu einem riesigen Familienbett, über dem ein Glasdach thront. Bricht die Wolkendecke heute noch auf, werden wir einen gigantischen Blick auf die Milchstraße haben. Also vielleicht doch rechtzeitig ins Bett kuscheln?
Wasser & wilde
Serpentinen
Nichts da, ruft meine Tochter. Mit ihrer Freundin drängt sie rüber ins Aquanix. So heißt der riesige Wasserspielplatz, in dem man Schleusen schließt und Wasserpumpen mit Muckikraft oder Balancekunst in Bewegung setzt, um einen verwinkelten Fluss zu füllen. Dann geht es kreischend ab in den Wald. Ich sehe beide gerade noch über eine Hängebrücke rennen, einen Turm hochkraxeln – dann sind sie plötzlich verschwunden. Es sei so wichtig, den Kindern eigene Ebenen zu erschließen, erklärt mir der Macher des IKUNA Resorts, Albert Schmidbauer, beim Frühstück. Er ist der Kopf hinter der Nahrungsergänzungsmarke Biogena, hat aber – inspiriert durch seine eigenen drei Kinder – vor rund zehn Jahren das ehemalige Indianerdorf in der Donauregion in Oberösterreich gekauft und zu einem der größten und beliebtesten Kindererlebnisparks Österreichs ausgebaut.
Und das ganz ohne viel Technikkram, Elektrokrach und Bildschirm-Schnickschnack. Dafür mit Holz, Ideen und Bewegung. Hinter IKUNA versteckt sich Inspiration, Kunst und Natur. Das Ergebnis ist verblüffend: Ein Erlebnispark, der ohne Action-Achterbahn und Lasershow auskommt und doch nonstop ein dickes Grinsen in das Gesicht meiner Begleiterinnen zaubert.
Ich hab die Mädels gefunden. Sie fliegen gerade auf Luftreifen über einer Sprungschanze durch die Luft, landen kreischend in einer Riesenmatratze. Kurz darauf strampeln sie auf Kettcars durch Serpentinen. Danach springen sie auf eine Seilbahn auf und hangeln sich durch den Kinder-Hochseilgarten. Und als der Hunger ruft, stöbern sie durch die Beeren-Naschstraße…
Und dann finden wir sie doch noch, die virtuellen Erlebniswelten. Im Dinocenter kann man am Megascreen dem T-Rex Fleischbrocken zuwerfen. Im 5D-Kino in der Indoor-KIDSWORLD nimmt man im U-Boot Platz, steuert durch Ozeane oder steigt bei Archäologen ein, die Ausgrabungen in uralten Tempeln real werden lassen.
Bei Sonnenuntergang fängt der Spaß erst an
Und dann versinkt die Sonne langsam. Und wir sind nach einem riesigen Kinder-Schnitzel und einem Schlemmer-Menü für Mama wieder on Tour. Jetzt rennen die Mädels nicht mehr, sondern schleichen. Sie fragen sich, was da klopft, was aus der Ferne ruft, wer im Gebüsch raschelt. Sie tasten sich lautlos voran, alle Sinne im Maximalmodus. Jetzt sind plötzlich Ecken, die vorher als zu „babyisch“ wirkten, spannend. Denn was wartet hinter der Kurve einer Riesenrutsche, wenn man kaum noch was sieht? Wie tastet man sich durchs Piratenschloss, wenn die untergehende Sonne nur noch schummriges Licht spendet? Wie hoch hüpft es sich auf dem Riesentrampolin, wenn man das Megakissen für sich alleine hat?
Irgendwann sind wir dann doch noch im Bett gelandet. Alle drei Mädels zusammen. Das wunderschöne Kinder-Zwischengeschoss blieb ungenutzt. Wir wollten alle mit Blick ins Universum einschlafen und uns in ferne Galaxien träumen oder auf hohe Kletterburgen und wilde Waldrutschen… JA.