Die Wärmewende gestaltet sich hierzulande weiterhin schwierig – auch wenn es an der Bereitschaft bei Bevölkerung und Kommunen nicht fehlt. Die Mehrzahl der Großstädte will in Zukunft vor allem auf Wärmepumpen und Fernwärme setzen. Das geht aus den Wärmeplänen von 38 Großstädten hervor, die das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) im Auftrag der Umweltorganisation BUND untersucht hat. Auch Privathaushalte setzen zunehmend auf die Wärmepumpentechnologie. Allerdings sind trotz allen guten Willens die Zahlen weiterhin niedrig – und der Weg ist noch lang zur CO2-Neutralität, die zwischen 2035 und 2045 deutschlandweit das Ziel ist.
Fossile Energie im
Bestand überwiegt
Der Wärmeanteil an erneuerbaren Energien in deutschen Haushalten dümpelt immer noch bei einem Wert deutlich unter zehn Prozent vor sich hin. Von einem „schweren fossilen Erbe“ spricht deshalb auch Jan Warode, beim BUND für die Wärmewende zuständig. Warode bezieht sich hier vor allem auf ältere Gebäude (vor der Jahrtausendwende erbaut), die gerade einmal einen Anteil von drei bis fünf Prozent an erneuerbaren Heizenergien stellen. Im Neubau dagegen ist die Wärmepumpe mit einem Anteil von etwa 70 Prozent laut Statistischem Bundesamt längst Standard. Allerdings kommen in Deutschland auf eine Neubauwohnung zehn Bestandswohnungen. Es gibt noch viel zu tun, das geht auch aus dem aktuellen Wärmeplan des Instituts für Energie- und Umweltforschung hervor. So tragen derzeit Fernwärmenetze nur ein Fünftel des Energiebedarfs bei, der zum Heizen notwendig ist. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 59 Prozent der Wohnungen und Häuser, wird dezentral (also vom Verbraucher selbst) mit Erdgas beheizt, elf Prozent mit Erdöl.
Doch auch die Fernwärmenetze selbst sind längst nicht auf dem nachhaltigen Stand wie gewünscht. Die Ifeu-Studie spricht von einer „großen Aufgabe der Dekarbonisierung der Wärmenetze, die immer noch nur einen Bruchteil der Wärme aus erneuerbaren Quellen beziehen“. So bleiben in den kommenden knapp 20 Jahren die Aufgaben gewaltig: Die Kommunen müssen ihre Fernwärmenetze ausweiten und deren Versorgung CO2-neutral gestalten – und dezentral muss der Staat dem privaten Immobilieneigentümer weiterhin die Wärmepumpe schmackhaft machen. Christoph Kastenbauer