von Redaktion

Von der Notlösung zum Bio-Pionier: Die Brauerei Ametsbichler in Aschau am Inn feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Hinter der Fassade des historischen „,Itaka-Hofs“ verbirgt sich eine Geschichte von Astronautenträumen, Physikern am Sudkessel und einer mutigen Entscheidung gegen einen Pizzaofen.

Es gibt Momente in der Geschichte eines Familienunternehmens, bei denen sich das Schicksal an einer einzigen Frage entscheidet. Für die Familie Ametsbichler war dieser Moment 2008 gekommen, als die letzte der drei Schwestern von Georg Ametsbichler im Bräustüberl aufhörte. Die eigenen Kinder waren noch klein, die Tochter kam gerade in die Schule. Eigentlich wollte die Familie das Bräustüberl verpachten, um sich ganz auf die Brauerei konzentrieren zu können.

Auf die traditionsreichen Räume bewarben sich damals auch ein Chinese, ein Grieche und ein Italiener.

Kachelofen raus –
Pizzaofen rein?

Doch in den Gesprächen zeigte sich schnell, dass mit einem neuen Pächter wohl auch ein deutlicher Wandel der Wirtshauskultur verbunden gewesen wäre. Als der italienische Bewerber schließlich mit Blick in die bayerische Wirtsstube ankündigte: ,,Kachelofen raus – Pizzaofen rein!“, war das für die Familie der Wendepunkt. „Der schöne Biergarten, das Bräustüberl, das musste doch in Familienhand bleiben“, erinnert Sabine Ametsbichler sich. Für sie stand fest: Dieses Haus sollte seine Seele behalten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Georg entschied sie sich gegen die Verpachtung und für die Weiterführung des Bräustüberls. Eine Entscheidung, die sich bis heute bewährt hat und im Jubiläumsjahr 2026 besonders sichtbar wird.

Astronautenträume und
Physiker am Sudkessel

Dass der Weg in die Brauerei nicht von Anfang an vorgezeichnet war, zeigt die Geschichte von Georg Ametsbichler. Als Kind hatte er ganz andere Pläne. „Mit sechs Jahren wollte ich Astronaut werden“, erzählt er schmunzelnd. Die Nachfolge im Betrieb war damals eine sanfte Erwartung der Familie. Rückblickend sagt er jedoch: „Es macht mir immer noch Freude und ich habe den Weg zum Braukessel nie bereut.“ Heute setzt sich diese Entwicklung in der nächsten Generation fort. Sohn Thomas absolvierte zunächst ein Physikstudium. Aus Interesse am Handwerk und mit dem Wunsch, den Familienbetrieb weiterzuführen, studiert er inzwischen Brauwesen in Weihenstephan. Damit ist auch die sechste Generation auf dem Weg in die Brauerei.

Der große Brand
der Mälzerei

Zur Geschichte der Brauerei gehört auch ein einschneidendes Ereignis: der große Brand der Mälzerei im Dezember 1931. Die Erinnerung daran ist in der Familie bis heute lebendig.

„Die Töchter von der Oma Anna haben das noch genau gewusst, wie das damals war, wie die Flammen aus der Mälzerei geschlagen sind“, erzählt Georg Ametsbichler.

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