von Redaktion

Wenn in Flintsbach die Theatersaison beginnt, wird der Theaterstadl wieder zur Bühne für Stimmen, Tempo, Heiterkeit und Gesang – und für die besondere Spannung, die entsteht, wenn auf der Bühne mehr passiert als reine Zerstreuung.

Wer in Flintsbach ins Theater geht, sitzt nicht in einem beliebigen Saal, sondern in einem historischen Theaterhaus mit langer Geschichte: Das Volkstheater ist urkundlich erwähnt seit 1675 und gilt als eines der ältesten Dorftheater Deutschlands. Besonders sind die Schub- und Drehkulissen, historische Vorhänge und das Bühnenportal, die bis heute gepflegt und genutzt werden.

In diesem Sommer bringt das Volkstheater Flintsbach Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ auf die Bühne: ein Klassiker des Wiener Volkstheaters, der leicht daherkommt und doch erstaunlich genau von Sehnsucht, Übermut und den kleinen Selbsttäuschungen des Menschen erzählt.

Nestroy: Sprachwitz mit Tiefgang

Nestroy gehört zu jenen Autoren, deren Stücke auch nach fast zwei Jahrhunderten nichts von ihrer Frische verloren haben. Das liegt an seinem Sprachwitz, an seinem Gespür für Rhythmus – und daran, dass seine Komik nie bloß Oberfläche bleibt. Seine Figuren träumen vom Ausbruch aus dem Alltag, stolpern in ihre eigenen Täuschungen und geraten so in Situationen, die zugleich komisch und entlarvend sind. „Einen Jux will er sich machen“ wurde 1842 uraufgeführt und zählt bis heute zu Nestroys beliebtesten Werken.

Weinberl und der „Jux“, der außer Kontrolle gerät

Im Mittelpunkt steht der Handlungsdiener Weinberl, der dem engen Leben unter seinem Prinzipal Zangler für einen Tag entkommen will. Einmal nicht gehorchen, einmal hinaus, einmal etwas erleben – mehr verlangt er zunächst gar nicht. Gemeinsam mit dem Gehilfen Christoph zieht er in die Stadt und gerät dort in einen Wirbel aus Verwechslungen, Ausreden, skurrilen Verkleidungen und herrlich komischen Begegnungen. Aus dem harmlosen „Jux“ wird rasch eine Kettenreaktion, bei der bald niemand mehr genau weiß, wer eigentlich wen täuscht, verfolgt oder durchschaut.

Gerade darin liegt auch die Stärke des Stücks. Natürlich lebt es von Tempo, Witz und der Lust am Durcheinander. Doch unter der glänzenden Oberfläche zeigt Nestroy eindringlich, wie schnell der Wunsch nach Freiheit ins Wanken geraten kann, sobald er Wirklichkeit wird. Diese Mischung aus purer Heiterkeit und feiner Unruhe macht den „Jux“ bis heute so wirksam – und so menschlich.

Der „Jux“ ist aber mehr als nur ein Volksstück-Klassiker: Theaterhistorische Einordnungen weisen darauf hin, dass Nestroys Posse später Thornton Wilder zu Bearbeitungen inspirierte – und dass sich aus diesem Weg am Ende sogar das Musical „Hello, Dolly!“ entwickelte.


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