Die Gene sind nicht alles

von Redaktion

Andrew Russon erklärt, was wirklich hilft, um gesund zu altern

Wie lässt sich das Alter möglichst selbstständig und mit Lebensfreude gestalten? Andrew Russon, leitender Arzt im Zentrum für Akut- und Neurogeriatrie der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen, machte beim OVB Expertenforum deutlich: Entscheidend ist nicht nur, wie alt Menschen werden, sondern wie viele Jahre sie gesund verbringen.

Warum Gene nicht
alles bestimmen

Zwischen Lebensjahren und gesunden Lebensjahren klafft eine Lücke: Im Schnitt liegt die Lebenserwartung bei 81 Jahren, die gesunde Lebenserwartung aber nur bei rund 64 Jahren. Diese Spanne gilt es zu verkürzen.

Dass Gesundheit im Alter vor allem genetisch festgelegt sei, ließ Russon nicht gelten. Die Gene bestimmen nur einen Teil dessen, „wer wir sind“. Einen großen Einfluss haben mentale Gesundheit, Lebensstil, Bewegung, Ernährung und Umwelt. „Wir sind nicht Opfer der Gene“, sagte Russon.

Für ein gesundes Leben nannte er sechs Bereiche: Ernährung, Bewegung, Vermeidung von Risikosubstanzen, Stressmanagement, erholsamen Schlaf sowie soziale Beziehungen. Zusammengenommen könnten sie bis zu 22 oder 23 zusätzliche Jahre bringen – Jahre mit mehr Aktivität und Selbstständigkeit.

Bei der Ernährung verwies Russon auf mediterrane Kost: frisch, lokal, viel Gemüse und Obst, proteinreiche Alternativen (z. B. Nüsse, Magerquark) oder weißes Fleisch wie Hühnchen. Die MIND-Diät könne helfen, Gehirnzellen länger aktiv zu halten. Reduzieren sollte man rotes Fleisch, Süßigkeiten und Fast Food.

Bei Alkohol und Nikotin wurde Russon deutlich: Nach heutiger Einschätzung der Herzmedizin sei „gar kein Alkohol“ die beste Wahl. Rauchen sei ebenfalls Risikofaktor.

Ein weiterer Baustein ist Bewegung. Spaziergänge mit dem Hund, Gartenarbeit oder sanftes Yoga könnten helfen. Im Alter wird zudem Krafttraining wichtig, weil Muskeln das Skelett stabilisieren.

Große Bedeutung maß der Mediziner auch dem Schlaf bei. Hier reinige sich das Gehirn über das glymphatische System, das er als „Müllabfuhr vom Hirn“ beschrieb. Sieben bis neun Stunden Schlaf seien ein guter Richtwert. Kaffee am Nachmittag, Alkohol und blaues Bildschirmlicht stören hingegen die Erholung.

Daneben rückte Russon die seelische Gesundheit in den Mittelpunkt. Entspannung, Natur und Neugier seien wichtige Schutzfaktoren. Ein Spaziergang im Grünen, Meditation, Yoga, Tai Chi oder Qi Gong können helfen. Ebenso wichtig sei es, Neues zu lernen und positive Beziehungen zu pflegen. Ein besonders hohes Risiko sah Russon in Einsamkeit. Sie wirke sich nach Studien schwerer aus als 16 Zigaretten am Tag oder mehrere alkoholische Getränke.

Einsamkeit als
Gesundheitsrisiko

Am Ende griff Russon das Trendthema Longevity auf. Viele Angebote versprächen ein längeres Leben. Dafür gibt es aus seiner Sicht jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Russons einfache Formel: gesunde Ernährung, Bewegung, guter Schlaf, soziale Kontakte, Musik, Dankbarkeit und eine positive Sicht auf das Alter.

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