Beim OVB Expertenforum zeigte Stefan Mayer, warum gute Pflege nicht erst mit dem Pflegeheim beginnt. Der Bauingenieur, Sozialwirt und Planer warb dafür, früh über Wohnen, Gemeinschaft und Versorgung nachzudenken – damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können.
Vom Bauen zur Frage
nach dem Alter
Stefan Mayer kommt aus dem Bauwesen: gelernter Maurer, studierter Sozialwirt und Bauingenieur, seit fast 27 Jahren mit barrierefreiem Bauen, betreutem Wohnen und ökologischen Konzepten befasst. So ist er der Frage nähergekommen, „wie lebt man im Alter“, sagte Mayer in seinem Vortrag.
Fasziniert habe ihn von Beginn an der Gedanke, Menschen „bis zum Schluss möglichst selbstständig“ leben zu lassen. Dafür reiche es nicht, nur an Gebäude zu denken. Es geht auch um Gemeinschaft: Familie, Nachbarschaft, Dorf oder Stadtteil. Einsamkeit ist „mit Sicherheit eines unserer größten Probleme“, betonte Mayer.
Wenn zu Hause nicht
mehr alles geht
Aus den ersten Projekten im betreuten Wohnen entstand für ihn der nächste Schritt: Wohnformen zu schaffen, in denen Menschen auch bei größerem Unterstützungsbedarf in ihrer Heimatgemeinde bleiben können. Die verschiedenen Möglichkeiten erläuterte er schließlich dem Publikum.
Stationäre Pflege beschrieb Mayer als klassische 24-Stunden-Versorgung, die häufig nach einem akuten Ereignis gesucht wird: nach einem Sturz oder wenn sich gesundheitliche Defizite plötzlich verstärken. Daneben ist Kurzzeitpflege ein wichtiges Instrument. Sie kann helfen, eine Krise zu überbrücken – mit dem Ziel, danach wieder in die eigene Wohnung oder eine passende Wohnform zurückzukehren.
Auch Tagespflege und ambulante Pflege nannte Mayer wichtige Bausteine. In betreuten Wohnanlagen liege ein Vorteil darin, dass mehrere Menschen mit ähnlichem Bedarf an einem Ort leben. Dadurch gehe weniger Zeit auf Wegen verloren und mehr Zeit könne tatsächlich für Hilfe und Begleitung genutzt werden.
Besonders wichtig war Mayer der Wohngruppencharakter moderner Pflegeheime. In Gruppen von meist zwölf bis 15 Menschen entstehe Überschaubarkeit. Bewohner blieben in den Alltag eingebunden, könnten daran teilnehmen, zuschauen oder einfach dabei sein. „Man ist und bleibt ein Teil des Ganzen, solange man lebt“, sagte Mayer. Auch ambulant betreute Wohngemeinschaften hob er hervor. Sie bieten mit sechs bis zwölf Bewohnern eine hohe Versorgungssicherheit und zugleich mehr Individualität.
Derzeit realisiert Stefan Mayer zusammen mit dem Partnerunternehmen Heimat Bayern Wohnbau GmbH ein Ü60-Wohnprojekt in der Gemeinde Großkarolinenfeld.
Für Mayer gibt es nicht die eine richtige Lösung. Nötig seien viele „Mosaiksteine“. Ziel ist immer, möglichst viel Normalität, Selbstständigkeit und Gemeinschaft zu erhalten. Zum Schluss riet er dazu, die eigenen Wünsche rechtzeitig durchzuspielen: Welche Wohnform passt? Wer kann unterstützen? Was wäre, wenn Pflege nötig wird? Solche Fragen früh zu stellen, öffne die Augen und gebe Sicherheit.