Wo Wälder sprechen und Tote schützen

von Redaktion

Japan, Thailand, Bali, Indien und Vietnam haben ihre ganz eigenen Rituale und Mythen. Was sie bedeuten…

Manche Reisen verändern nur die Kulisse. Andere verändern die Fragen, die man stellt. Wer nach Asien fährt und tiefer schaut, entdeckt ein Weltbild, das klüger ist als jeder Selbstoptimierungs-Podcast. Asienreisen-Spezialist Lotus Travel geht für uns geheimnisvollen Mythen auf den Grund.

• Thailand – die Geister wohnen immer mit: Fast jedes Haus in Thailand hat einen kleinen Tempel vor der Tür, oft überladen mit Blumen, Plastikfiguren und frischen Räucherstäbchen. Das ist gelebte Alltagsreligion. Die Phi, wie die Geister auf Thai heißen, teilen sich den Raum mit den Lebenden und müssen regelmäßig besänftigt werden. Besonders gefürchtet ist Phi Tai Hong, der Geist eines Menschen, der zu früh oder gewaltsam gestorben ist: rastlos, wütend und nicht leicht zu besänftigen. Weit bekannter ist Mae Nak, eine Frau, die so sehr liebte, dass sie auch als Tote nicht loslassen konnte. Ihr Heiligtum in Bangkok wird noch heute von Schwangeren aufgesucht, die sich Schutz erbitten.

• Japan – wo alte Wälder sprechen: Japan hat seine Geisterwelt längst zur Popkultur gemacht, und trotzdem hat sie nichts von ihrer Ernsthaftigkeit verloren. Die Yokai tauchen in Manga-Serien auf, aber auch auf Warnschildern an Waldpfaden. Der Begriff Kappa stammt ursprünglich aus der Kant-Region und bedeutet wörtlich „Kind aus dem Fluss“: ein Wasserkobold mit Schildkrötenpanzer und über 80 regionalen Varianten. In der Edo-Zeit galt er als ernst zu nehmende Bedrohung an Flüssen und Seen, besonders für Kinder. Und hat bis heute eine klare Funktion: Yokai markieren Grenzen zwischen Natur und Zivilisation, zwischen dem Erlaubten und dem, woran man besser nicht rührt.

• Bali und die Ordnung der Dinge: Auf Bali ist das Leben in ein sorgfältig austariertes Gleichgewicht gebracht, und jeder Mensch ist dafür mitverantwortlich. Rechts steht für das Göttliche, links für das Dämonische, und alles Menschliche pendelt irgendwo dazwischen. Die riesigen Ogoh-Ogoh aus Bambus und Papier, die jedes Jahr vor Nyepi durch die Straßen getragen und dann verbrannt werden, sind kein Spektakel für Kameras. Sie tilgen das Böse des vergangenen Jahres und bereiten Raum für einen sauberen Anfang.

• Vietnam – Ahnen, die nie wirklich gehen: Auf fast jedem Esstisch in privaten Häusern Vietnams steht ein Schrein mit Fotos der Verstorbenen, Räucherstäbchen und frischen Früchten. An bestimmten Mondkalendertagen wird für die Toten gekocht, als säßen sie noch am Tisch. Im Tháng Cô Hon, dem Geistermonat, gelten die Tore zur Unterwelt als geöffnet. Dann irren Seelen ohne Familie durch die Welt, und um sie zu besänftigen, werden Opfergaben auf die Straße gestellt, manchmal auch Papiergeld verbrannt.

• Indien – Götter mit vielen Gesichtern: Indien hat mehr Götter als Tage im Jahr. Kali, die vierarmige Göttin mit der Blutschale, gilt in Westbengalen als geliebte Mutter aller Dinge. Ganesha, der elefantenköpfige Glücksbringer, sitzt in Taxis und Arztpraxen. Naga, die Schlangenwesen, bewachen Quellen und Tempel. Im Norden Keralas gibt es Theyyam-Rituale, bei denen Dorfbewohner durch Trommelmusik in Hypnose geraten und Bitten an Gottheiten schicken. JA.

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