Die Landwirtschaft in der Region steht nach den Worten von Kreisobmann Sepp Andres unter massivem Druck. Hohe Energiekosten treffen auf fallende Erzeugerpreise: Der Milchpreis sei um 20 Prozent gesunken, die Schweinepreise seien „desaströs“, auch die Rindfleischpreise, die lange gut gewesen seien, „bröckeln“. Für die Betriebe bedeutet das eine doppelte Belastung – höhere Ausgaben auf der einen, weniger Erlöse auf der anderen Seite.
Gerade in Rosenheim, wo rund 70 Prozent der Fläche Grünland sind, wirkt sich diese Entwicklung besonders deutlich aus. Die Region ist keine klassische Marktfruchtregion, sondern eine Veredelungs- und Grünlandregion: „Viele Höfe sind auf Viehhaltung spezialisiert, weil Ackerbau für Brotgetreide, Zuckerrüben oder ähnliche Kulturen hier nur begrenzt möglich ist“, erklärt Andres. Damit hängt die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe unmittelbar an den Preisen für Milch, Rind und Schwein.
Investitionen werden
verschoben
Die Folgen spüren die Landwirte ganz konkret im Alltag. Andres beschreibt es so: Jeder Betrieb müsse neu abwägen, was er sich noch leisten könne. Geplante Investitionen in Maschinen oder Stallbauten würden einmal zurückgestellt. Landwirtschaft sei eben nicht nur Romantik, sondern ein Unternehmen, das Familien ernähren müsse. Wenn nichts hängen bleibe, gerate die Planung ins Wanken.
Hinzu kommt die globale Abhängigkeit. Unterbrochene Lieferketten, teurere Energie, fehlende Ersatzteile oder schwankende Absatzmärkte wirken sich direkt auf die Höfe aus. Besonders deutlich werde das beim Schwein: Wenn durch die Schweinepest asiatische Märkte wegbrechen und Ware auf den europäischen Markt drückt, sinken die Preise auch vor Ort. Die Landwirte seien so immer stärker von internationalen Entwicklungen abhängig.
Bürokratie als
Dauerfrust
Ein zentrales Beispiel für die angespannte Lage ist zudem die Bürokratie. Die Betriebe müssten ohnehin schon vieles dokumentieren, doch immer neue Vorgaben würden zusätzliche Arbeit schaffen. Beim Antibiotika-Monitoring etwa werde alles bereits lückenlos vom Tierarzt und Betriebsleiter aufgezeichnet – trotzdem müsse der Hof die Daten zusätzlich noch einmal jährlich einreichen. „Das ist ein klassischer Fall von doppelter Belastung ohne erkennbaren Mehrwert“, so der Kreisobmann.
Ebenfalls kritisch sieht Andres die neu geplante Schadnagerbekämpfung. Schadnager sind ein Problem, in der Stadt und auf dem Land. „Ich muss ohnehin aufzeichnen, wo und wieviel ich auslege. Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung einen Kurs gemacht, wie ich mit Schadstoffen umgehen und sie lagern muss. Trotzdem soll ein siebentägiger Kurs für Landwirte verpflichtend werden. Da fragt man sich…“ Für ihn steht das exemplarisch für eine Überregulierung, die viele Betriebe als absurd empfinden.
Auch die Zahl der Kontrollen trägt zur Frustration bei. Auf seinem Betrieb gebe es meist zwei bis drei Kontrollen im Jahr. Dabei handle es sich oft nicht um staatliche Kontrollen, sondern um Audits von Programmen, an denen sein Hof teilnehme. Aber der Aufwand sei immer der gleiche: Unterlagen zusammenstellen, Nachweise liefern, Vorgaben erfüllen. Das koste Zeit, Nerven und Personal.
Energie erzeugen, aber
nicht nutzen
Ein großes Thema aktuell sind die Energiepreise. Dabei könnte die Landwirtschaft Teil der Lösung sein, weil sie viel Energie dezentral erzeuge – etwa mit Photovoltaik auf den Dächern oder Biogasanlagen. Gerade diese Anlagen hätten es aber derzeit schwer, weil das EEG umgebaut werde. Auch Holzenergie werde aus seiner Sicht zu wenig genutzt, obwohl in Bayern mehr Holz nachwachse, als verbraucht werde.
Auch einfache Eigenversorgung sei oft nicht frei möglich. Ein Energiespeicher müsse ans Netz angeschlossen bleiben, um den Strom nutzen zu können: „Eigentlich absurd. Es ist sehr kompliziert, wenn man den Strom, den man selbst erzeugt und speichert, zur Versorgung des eigenen Betriebs nutzen will.“ Dabei wäre das ein starker Hebel für Landwirte, die Energie für Melkanlagen, Lüftung und Stalltechnik täglich brauchen.
Der Ruf nach
fairen Regeln
Kein Wunder also, dass Andres die Stimmung unter den heimischen Landwirten als „nicht sehr prickelnd“ beschreibt. Neben den wirtschaftlichen Belastungen setze vor allem die Politik der Branche zu. Zwar gebe es einzelne Ansätze, aber keinen großen Wurf. Statt Bürokratieabbau erlebten die Betriebe eher das Gegenteil.
Hinzu kommt der Handel. Andres kritisiert, dass bei steigenden Verbraucherpreisen der größte Teil der Marge nicht bei den Erzeugern ankomme. Gerade beim Lebensmitteleinzelhandel seien die Marktanteile stark konzentriert.
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