Energie vom Hof

von Redaktion

Agri-PV und Biogas im Check – Chancen und Lücken

Landwirtschaftliche Betriebe sind längst nicht mehr nur Produzenten von Lebensmitteln. Sie stellen Flächen, Rohstoffe und Infrastruktur für die Energiewende bereit – und stehen gleichzeitig unter Druck, Erträge zu sichern und Investitionen zu stemmen. Wissenschaftler des Thünen-Instituts haben in einem Faktencheck gezeigt, wie stark sich die Flächeneffizienz unterscheidet: Stromerzeugung über Photovoltaik und Wind liefert pro Hektar deutlich mehr Energie als Energiepflanzen für Biogas.

Strom ernten,
weiter bewirtschaften

Agri-Photovoltaik soll die Flächenkonkurrenz entschärfen, indem Acker oder Grünland weiter landwirtschaftlich genutzt wird und die PV-Anlage die Stromproduktion als Sekundärnutzung ergänzt. Genau so definiert es die DIN SPEC 91434: Landwirtschaft bleibt Hauptnutzung, PV kommt dazu. Fraunhofer ISE nennt als möglichen Zusatznutzen, dass Agri-PV je nach System Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden bieten kann und damit teils auch Schutzfolien ersetzen könnte.

In der Praxis entscheidet die Bauart darüber, ob Maschinen durchkommen, wie viel Licht auf die Kultur fällt und wie gut sich die Fläche bewirtschaften lässt. Für die Förderung ist außerdem wichtig, was rechtlich als „besondere Solaranlage“ gilt: Die Bundesnetzagentur führt Agri-PV ausdrücklich als solche Sonderform in den Ausschreibungen für Solaranlagen des ersten Segments.

Gerade bei Agri-PV zeigt sich aber auch, warum Betriebe oft zögern: Für Teile des „Solarpaket I“ fehlt laut Bundesnetzagentur bislang die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission – betroffen sind unter anderem neue Regeln zum Höchstwert und zum Zuschlagsverfahren bei besonderen Solaranlagen. Bis zur Genehmigung gelten Übergangsregelungen. Auch das Bundeswirtschaftsministerium betont, dass die Beihilfe-Genehmigung hohe Priorität habe und man dazu im engen Austausch mit der EU stehe. Für Investoren bedeutet das: Projekte sind technisch machbar, die Förderlogik ist aber nicht überall so klar und stabil, wie es für langfristige Finanzierungen wünschenswert wäre.

Biogas: Flexibel statt
„Dauerlauf“

Während PV Strom vor allem dann liefert, wenn die Sonne scheint, kann Biogas grundsätzlich wetterunabhängig produzieren – und genau darin liegt sein Systemwert. Allerdings stehen viele Anlagen vor einem Umbruch: Ein Zwischenbericht zur Vorbereitung des EEG-Erfahrungsberichts beziffert die installierte elektrische Leistung von Biomasseanlagen Ende 2023 auf rund 9,5 Gigawatt und die Stromerzeugung auf 44 Terawattstunden; der größte Teil der Biomasse-Stromerzeugung entfällt demnach auf Biogas einschließlich Biomethan. Gleichzeitig erreicht ein großer Teil der Anlagen in den nächsten Jahren das Ende der 20-jährigen EEG-Förderung.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) beschreibt, dass für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb und die Teilnahme an EEG-Ausschreibungen häufig eine Flexibilisierung nötig ist: weg von kontinuierlicher Einspeisung, hin zu bedarfsorientierter Erzeugung, angepasst an Strompreise und das schwankende Angebot aus Wind und Sonne. Das kann Investitionen in zusätzliche BHKW-Leistung sowie Gas- und Wärmespeicher erfordern – teils deutlich über die ursprüngliche Auslegung hinaus. Der Zwischenbericht zeigt zudem: Während Biomasse-Ausschreibungen zuletzt überzeichnet waren, blieben Biomethan-Ausschreibungen in mehreren Runden ohne Angebote – ein Signal dafür, dass Rahmenbedingungen und Kostenstruktur nicht überall zusammenpassen.

Dass Investitionsentscheidungen stark vom Umfeld abhängen, zeigt auch der Blick in die Finanzierung. Die Landwirtschaftliche Rentenbank verweist auf ihre Programme für erneuerbare Energien und darauf, dass Landwirtschaft und ländlicher Raum für die Energiewende zentral sind. Gleichzeitig beschreibt sie, dass das Neugeschäft 2024 in der Fördersparte „Erneuerbare Energien“ unterdurchschnittlich ausfiel – unter anderem, weil EEG-Förderung die Kombination mit weiteren Beihilfen einschränken kann und das Zinsumfeld Projekte bremst.

Unterm Strich wird Energie vom Hof für viele Betriebe zur strategischen Frage: Agri-PV kann Flächen doppelt nutzen, Biogas kann flexibel einspringen – doch ob sich Investitionen lohnen, entscheidet sich nicht nur auf dem Acker oder im Fermenter, sondern auch in Genehmigungen, Ausschreibungen und Finanzierung.

Artikel 8 von 11