So viel verdienen Handwerker

von Redaktion

Die Löhne im Handwerk sind in Bewegung

Fachkräftemangel, steigende Nachfrage und unterschiedliche Qualifikationsstufen sorgen dafür, dass sich die Einkommen je nach Gewerk deutlich unterscheiden. Ein Blick auf aktuelle Daten zeigt, wie viel Handwerkerinnen und Handwerker in der Region tatsächlich verdienen und wo die Unterschiede besonders groß sind.

Das Handwerk zählt in der Region Rosenheim, Mühldorf und Wasserburg zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Die Einkommen unterscheiden sich jedoch deutlich – abhängig von Beruf, Qualifikation und Erfahrung. Bundesweite Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die monatlichen Bruttomediane je nach Gewerk häufig zwischen rund 3.000 und über 4.500 Euro liegen. Damit bewegt sich das Handwerk insgesamt auf einem stabilen, aber stark ausdifferenzierten Lohnniveau.

Elektro und Metall oft
an der Spitze

Besonders gut verdienen Fachkräfte im Elektro- und Metallbereich. Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik erreichen im Median rund 3.700 bis 3.800 Euro brutto im Monat, in Bayern teils auch darüber. In der Automatisierungstechnik liegen die Werte noch höher und können im Schnitt über 4.300 Euro erreichen.

Auch im Installations- und Heizungsbau bewegen sich die Einkommen häufig im Bereich von rund 3.300 bis 4.000 Euro monatlich, abhängig von Betrieb, Tarifbindung und Berufserfahrung.

Im Bauhandwerk zeigen sich solide, aber etwas niedrigere Werte. Fliesenleger kommen im Median auf etwa 3.400 bis 3.500 Euro brutto im Monat. Deutlich darüber liegen Meisterpositionen, die regelmäßig die Marke von 4.000 Euro überschreiten.

Meistertitel sorgt für
spürbaren Gehaltssprung

Der Qualifikationsgrad spielt eine zentrale Rolle bei der Entlohnung. Zwischen Gesellen- und Meisterebene liegen je nach Gewerk häufig mehrere hundert Euro bis über 1.000 Euro monatlich. Neben der Ausbildung wirken sich auch Betriebsgröße, regionale Nachfrage und Tarifbindung unmittelbar auf die Vergütung aus.

Ein wesentlicher Treiber der Lohnentwicklung ist der anhaltende Fachkräftemangel. Betriebe berichten seit Jahren von offenen Stellen, die nur schwer besetzt werden können. In vielen Fällen reagieren Unternehmen darauf mit höheren Löhnen oder zusätzlichen Leistungen, um Fachkräfte zu halten oder neu zu gewinnen.

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern beschreibt diese Entwicklung als vielschichtiges Zusammenspiel verschiedener Faktoren. In einer Stellungnahme heißt es: „Der Fachkräftemangel kann bei der Gehaltsentwicklung durchaus eine Rolle spielen, ebenso die Wahl des Gewerks. Das gilt aber im Handwerk generell und nicht nur in der Region.“ Gleichzeitig verweist die Kammer auf bundesweite Daten und eigene Erhebungen. Daten von Destatis zeigten die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste im Handwerk auf nationaler Ebene, regionale Detailauswertungen für einzelne Landkreise seien hingegen nur eingeschränkt verfügbar.

Ausbildung bleibt der
zentrale Faktor

Neben der Lohnentwicklung rückt die Ausbildung stärker in den Fokus. Laut der Kammer bietet das Handwerk eine hohe Übernahmequote: „Gemäß einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurden 2024 deutschlandweit acht von zehn erfolgreichen Auszubildenden im Ausbildungsbetrieb übernommen.“

Auch die Betriebe selbst setzen verstärkt auf eigene Ausbildung. „Um Fachkräfte anzulocken und im Unternehmen zu halten, bietet etwas weniger als die Hälfte der Betriebe flexible Arbeitszeitmodelle und/oder finanzielle Anreize an, etwa übertarifliche Löhne“, so die Kammer weiter. Das Vergütungsniveau im Handwerk könne dabei mit anderen Branchen durchaus mithalten, insbesondere bei Meisterqualifikationen, die teilweise über dem Bachelor-Niveau liegen.

Beschäftigungsentwicklung
und Strukturwandel

Trotz hoher Ausbildungsbereitschaft steht das Handwerk in Oberbayern vor strukturellen Herausforderungen. Nach Angaben der Kammer hat die Branche 2025 Personal verloren. Als Ursache wird vor allem die demografische Entwicklung genannt: Zahlreiche Beschäftigte aus den geburtenstarken Jahrgängen scheiden altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus und können nur teilweise ersetzt werden.

Gleichzeitig bleibt die Ausbildungsleistung hoch. 2025 wurden über 9.400 neue Ausbildungsverträge in Oberbayern abgeschlossen, bei rund 10.800 angebotenen Lehrstellen. Dass nicht alle Plätze besetzt werden konnten, wird vor allem auf fehlende Bewerberinnen und Bewerber zurückgeführt.

Regionale Einordnung mit
begrenzter Datentiefe

Für die Landkreise Rosenheim, Mühldorf und Wasserburg liegen bislang nur eingeschränkt spezifische Auswertungen vor. Die Kammer arbeitet an einer detaillierteren regionalen Differenzierung. Klar ist jedoch bereits jetzt: Auch im südostbayerischen Raum zeigt die Lohnentwicklung im Handwerk eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung – getrieben von Nachfrage, Qualifikationsdruck und dem Wettbewerb um Fachkräfte. Emilie Grad

Artikel 11 von 11