Wenn Wasser zum Engpass wird

von Redaktion

Bewässerung nimmt zu – Genehmigungen, Technik und fairer Ausgleich

Ein trockener Frühsommer, die Pflanzen stehen früh unter Stress – und auf vielen Höfen wird Wasser plötzlich zur entscheidenden Produktionsfrage. In Deutschland fällt zwar vieles weiterhin vom Himmel, doch die Trockenjahre der letzten Zeit haben gezeigt: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Niederschlag kommt, sondern wann er kommt – und ob er im Boden bleibt.

Mehr Bewässerung –
aber regional

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im sehr niederschlagsarmen Jahr 2022 rund 554.000 Hektar landwirtschaftliche Freilandfläche bewässert – das waren 3,3 Prozent der Fläche. Insgesamt flossen dafür 431,1 Millionen Kubikmeter Wasser, im Schnitt 77,8 Liter pro Quadratmeter auf der bewässerten Fläche. Zugleich ist der „Ausbau“ sichtbar: Bewässerbar waren 2022 rund 791.800 Hektar (4,8 Prozent), deutlich mehr als 2009.

Das Umweltbundesamt ordnet ein: Bewässerung hat in Deutschland insgesamt noch eine vergleichsweise geringe Bedeutung, der Bedarf werde mit häufigeren trockenen Sommern aber steigen – und zwar sehr unterschiedlich je nach Region und Kultur.

Der Bauernverband verweist darauf, dass die Landwirtschaft hierzulande überwiegend mit Regenwasser arbeitet und die Wasserbilanz stark von „grünem“ Wasser, also Niederschlag, geprägt ist.

Sobald Wasser aus Grund- oder Oberflächengewässern entnommen wird, beginnt die zweite Ebene: das Wasserrecht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt hält fest, dass für Wasserentnahmen zu Bewässerungszwecken grundsätzlich eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich ist; zuständig ist die Kreisverwaltungsbehörde (Landratsamt/ kreisfreie Stadt). In der Praxis wird meist eine befristete, beschränkte Erlaubnis erteilt – sie ist widerruflich, und es besteht kein Anspruch auf eine bestimmte Wassermenge oder -beschaffenheit. Häufig kommen Nebenbestimmungen wie Mess- und Dokumentationspflichten hinzu; vor jeder geplanten Entnahme wird eine frühe Abstimmung mit der Behörde empfohlen.

Konflikte entstehen vor allem dann, wenn Wasser in Trockenphasen „gleichzeitig“ gebraucht wird – für die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft, Industrie, Energie und für Gewässer-Ökosysteme. Das Umweltbundesamt beschreibt solche regionalen Knappheitsphasen als Treiber neuer Nutzungskonflikte und spricht offen über die Notwendigkeit, bei lang anhaltender Trockenheit Priorisierungen transparent zu regeln.

Effizienz statt
Verschwendung

Wenn Wasser knapper wird, rückt die Frage nach der Effizienz in den Mittelpunkt. Der Bauernverband nennt große Unterschiede je nach Bewässerungssystem: Flutbewässerung erreiche nur etwa 20 bis 40 Prozent Wassernutzungseffizienz, Beregnungsmaschinen 60 bis 80 Prozent, Tropfbewässerung bis zu 90 Prozent.

Neben Technik geht es um Planung: Welche Wasserquelle ist realistisch, sind Speicher sinnvoll, wie lassen sich Entnahmefenster und Bewässerungszeiten steuern? Das bayerische LfU betont, dass die verfügbaren Wasserressourcen maßgeblich die Infrastrukturplanung bestimmen. Und manchmal hilft auch ein Blick auf den größeren Rahmen: Der Bauernverband verweist darauf, dass der Anbau von einem Kilogramm Weizen in Deutschland – klimabedingt – deutlich weniger Wasser benötigt als im Weltmaßstab im Durchschnitt.

Unterm Strich wird Wasser für viele Betriebe zum Managementthema: Wer früh klärt, was rechtlich möglich ist, effizient bewässert und Konflikte vor Ort offen anspricht, kann Erträge stabilisieren – ohne die Ressource zu überziehen.

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