Eine passende Ausbildungsstelle ist gefunden, doch dann stellt sich die Frage: Wo wohnen, wenn der Betrieb nicht in der Nähe des Elternhauses liegt? Gerade in angespannten Wohnungsmärkten kann ein bezahlbares Zimmer zur Hürde werden. Eigene Wohnungen sind teuer, WG-Zimmer begehrt und Wohnheimplätze nicht überall verfügbar.
Jugendwohnheime, Azubi-WGs, Privatzimmer oder Betriebswohnungen können den Einstieg erleichtern. Entscheidend ist, früh zu suchen, mehrere Wege parallel zu nutzen und Unterlagen parat zu haben.
Azubi- und Jugendwohnheime sind eine wichtige Anlaufstelle. Das Portal „Auswärts Zuhause“ beschreibt Jugendwohnen als Angebot für junge Menschen in schulischer oder beruflicher Ausbildung – häufig mit möblierten Zimmern, Gemeinschaftsbereichen, teils Verpflegung und Begleitung im Alltag. Auch Kolping-Häuser bieten je nach Standort Wohnmöglichkeiten für Ausbildung, Praktikum oder Blockunterricht.
Viele Auszubildende suchen dennoch auf dem normalen Wohnungsmarkt: in WGs, zur Untermiete oder nach Privatzimmern. Neben der Miete kommen oft Kosten hinzu, etwa Kaution, Einrichtung oder Fahrtkosten. Studentische Wohnheime sind meist keine sichere Alternative.
Betriebe denken Wohnen
zunehmend mit
Für Unternehmen wird das Thema wichtiger. Fehlt bezahlbarer Wohnraum, kann das die Besetzung von Ausbildungsplätzen erschweren. Betriebe können Wohnungsangebote aus dem eigenen Netzwerk weitergeben, beim Mietvertrag unterstützen, Kontakte zu Jugendwohnheimen herstellen oder bei Förderanträgen helfen. Manche Unternehmen mieten Zimmer selbst an, andere stellen Betriebswohnungen bereit.
Experte der IHK Rosenheim
ordnet ein
Wie sich die Situation in der Region Rosenheim darstellt, welche Rolle Betriebe dabei spielen können und worauf Azubis bei der Wohnungssuche achten sollten, erklärt Jens Wucherpfennig, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim, im Interview:
Welche Wohnform funktioniert für Azubis in der Region Rosenheim am besten?
Die meisten Azubis in unserer Region entscheiden sich für eine Ausbildungsstelle in der Nähe ihres Wohnorts, die sie selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Sie bleiben also weiter zu Hause wohnen. Die Mehrheit der Auszubildenden ist bei Ausbildungsstart noch minderjährig und hat wenig Geld. Für Betriebe ohne guten Anschluss an Schiene oder Nahverkehr bedeutet das, dass sie sich schwerer tun, Auszubildende zu finden. Azubis, die für eine Berufsausbildung nach Deutschland einreisen – ihre Zahl wächst vor allem in Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel –, kommen oft in Personalhäusern oder Betriebswohnungen ihres Ausbildungsbetriebs unter. Viele Betriebe versuchen, Wohnraum anzumieten. Das gelingt mehr oder weniger gut. Deshalb wird auch hier der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum immer lauter.
Was können Betriebe tun, um ihren Auszubildenden in Sachen Wohnen zu helfen?
Sie können bei der Wohnungssuche unterstützen und Angebote aus dem eigenen Mitarbeiter-, Zulieferer- oder Kundennetzwerk weiterleiten. Sie können Tipps für geeignete Portale geben, beim Mietvertrag helfen oder Umzugskosten übernehmen. Der neue Ausbildungsbetrieb kann auch beim Beantragen finanzieller Förderung wie Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld unterstützen. Viele Betriebe suchen die Zusammenarbeit mit Jugendwohnheimen, sozialen Trägern oder Projekten, um besseren Zugang zu Wohnraum für junge Menschen zu erhalten. Das schafft Planungssicherheit. Wenn Mitarbeiterwohnen zum Dauerbrenner wird, lohnt es sich, über eigene Wohnmöglichkeiten nachzudenken. Das kann über angemietete Zimmer oder Azubi-WGs laufen, später auch über Werkswohnungen oder Mitarbeiterwohnungen auf eigenem Grund. Denkbar ist zudem die Zusammenarbeit mit Boardinghäusern, privaten Vermietern oder kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Oft werden dabei befristete Belegungsrechte erworben.
Welche Fehler passieren am häufigsten bei der Wohnungssuche?
Die häufigsten Fehler sind fehlende Vorbereitung und ein zu später Start. Viele junge Leute legen kein klares Budget oder konkrete Suchkriterien fest. Wichtige Unterlagen wie Schufa-Nachweis, Ausbildungsvertrag, Gehaltsnachweis und Bürgschaft der Eltern sollte man sofort zur Hand haben.
Manche fallen auf unseriöse Angebote herein, etwa wenn Geld überwiesen werden soll, bevor die Wohnung besichtigt wurde. Wenn ein potenzieller Vermieter wegen einer Vorauszahlung Druck macht, sollte man skeptisch sein. Häufig scheitert es auch an der Unpersönlichkeit der Bewerbung. Wer sich kurz und sympathisch vorstellt und bei WGs etwas Persönliches verrät, verbessert seine Chancen. Wichtig ist zudem, schnell zu reagieren und Besichtigungstermine zuverlässig wahrzunehmen.