Ein paar Wochen oder Monate in Dublin, Valencia oder Krakau arbeiten – und dabei fachlich wie persönlich wachsen: Auslandsaufenthalte sind längst nicht nur ein Thema für Studierende. Auch Azubis können während der Lehre ins Ausland gehen. Das Berufsbildungsgesetz erlaubt, Teile der Berufsausbildung im Ausland zu absolvieren, wenn es dem Ausbildungsziel dient; die Gesamtdauer soll dabei ein Viertel der Ausbildungszeit nicht überschreiten.
Wichtig: Ein Auslandsaufenthalt ist Teil der Ausbildung, kein Extra-Urlaub. Die Ausbildung wird dadurch nicht unterbrochen und grundsätzlich auch nicht automatisch verlängert; eine Verrechnung mit Urlaub ist nicht zulässig. In der Praxis braucht es die Zustimmung vom Betrieb und – je nach Modell – eine saubere Abstimmung mit der Berufsschule: Azubis müssen für die Zeit freigestellt werden; versäumter Stoff ist nachzuarbeiten.
Formell muss der Auslandsaufenthalt als Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte in den Ausbildungsvertrag aufgenommen werden (notfalls auch nachträglich). Dauert der Aufenthalt länger als vier Wochen, soll der Ausbildungsplan mit der zuständigen Stelle/IHK abgestimmt werden. Und auch das Berichtsheft läuft weiter.
Förderung:
Erasmus+ kann helfen
Finanziell ist vieles über Erasmus+ Berufsbildung möglich: Das Programm unterstützt Auslandspraktika für Azubis und Berufsschüler innerhalb Europas. Einzelpersonen können nicht direkt ein Erasmus+-Stipendium beantragen – Anträge stellen nur Organisationen wie Betriebe, Berufsschulen oder Kammern. Wer einen Platz sucht, kann dafür den Stipendien-Finder nutzen. Ergänzend gibt es in Deutschland weitere Möglichkeiten wie zum Beispiel „Ausbildung weltweit“, bei der ebenfalls Betriebe oder Berufsbildungseinrichtungen antragsberechtigt sind. Teilnehmende dieser Programme zahlen dann je nach Ziel nur einen gewissen Eigenanteil.
Wer ins Ausland will, sollte klären: Welche Inhalte passen zur Ausbildungsordnung? Wer organisiert Betrieb/Unterkunft vor Ort? Und wie sind Versicherung und Kosten geregelt? Die IHKs beraten dazu, welche Modelle passen – vom Gruppenpraktikum bis zur individuellen Lösung. Für Betriebe lohnt sich der Schritt oft doppelt: Azubis kommen mit mehr Selbstständigkeit, Sprache und Praxiserfahrung zurück.