Kann man beim Hausbau eigentlich überhaupt sinnvoll sparen? Die kurze Antwort: Ja. Man muss nur wissen, wo. Und vor allem: Wann sich Einsparungen eher nicht lohnen und auf Kosten der Wohnqualität gehen. Andreas May, Architekt und Vorstand des Bauherren-Schutzbundes, und Peter Reinwald, Bausachverständiger beim Verband Privater Bauherren, erklären, worauf man achten sollte.
Was sind die größten
Hebel beim Sparen?
Zunächst sollte man frühzeitig auf die größten Kostentreiber schauen. Dazu zählen vor allem das Grundstück und die Wohnfläche. „Ganz wichtig ist die Lage“, sagt May. Manchmal kann es sinnvoll sein, fernab besonders gefragter Orte zu bauen – etwa außerhalb des öffentlichen Nahverkehrs. „Wobei man bedenken muss, dass sich die Kosten dann möglicherweise in die eigene Mobilität verlagern“, so May. Die geplante Größe des Gebäudes spielt eine wesentliche Rolle. „Vor 30 Jahren waren die einzelnen Zimmer noch deutlich kleiner als heute“, sagt der Architekt. „Aber jeden Quadratmeter, den ich baue, muss ich natürlich auch bezahlen.“ Und: „Eine frühzeitige Planung ist das A und O“, sagt Reinwald. Er empfiehlt, diese stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Oft würden sich Bauinteressierte mit dem erstbesten Planungsentwurf von der Stange zufriedengeben. „Aber das Haus muss auch auf das Grundstück passen“, so Reinwald. Mit einer qualifizierten Planung kann man dann den Flächenzuschnitt konkret auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und Räume vielseitig nutzen. „Auch das hilft, Fläche zu sparen, ohne auf Lebens- und Wohnqualität zu verzichten“, sagt May. Wer frühzeitig plant, hat außerdem die Chance, mehrere Kostenangebote einzuholen und zu vergleichen.
Und wo lässt sich
konkret sparen?
Mit ungefähr 80.000 bis 100.000 Euro ist der Keller häufig das teuerste Bauteil im Hausbau, sagt May. Doch wer günstiges Bauland hat, kann die Räume für Technik und Co. eventuell ins Erdgeschoss bauen – und auf den Keller verzichten. Rechnerisch lohne sich das oft, so May, solange der Grundstückspreis unter 1.800 Euro pro Quadratmeter liege. Apropos Keller: Will man ihn, lässt sich Geld beim Bodenbelag sparen. „Eine einfache Beschichtung reicht, um mit wenig Geld eine nutzbare Fläche zu schaffen“, sagt Reinwald. Und auch beim Balkon gibt es Einsparpotenzial. „Es ist ein schickes Bauteil, wird aber nur sehr wenig genutzt“, sagt May. „Ist ein Balkon nicht die einzige Möglichkeit, um ins Freie zu kommen, ist er eher Dekoration und dafür oft zu teuer.“ In puncto Fensterflächen rät Peter Reinwald, möglichst keine Sonderformen oder Übergrößen zu wählen. „Hebe- und Schiebetüren sind sehr viel teurer und technisch aufwendiger, je größer sie sind“, so der Sachverständige.
Welche Bautrends
werden überschätzt?
Wer größer baut, muss tiefer in den Geldbeutel greifen. Das gilt auch bei großformatigen Fliesen, die aktuell beliebt sind. Ab einer Größe von mehr als 60 Zentimetern müssen sich Bauherren nicht nur auf höhere Materialkosten einstellen. „Auch das Verlegen wird dann unverhältnismäßig teurer, weil mindestens zwei Personen und sehr viel mehr Genauigkeit gefordert sind“, sagt May. Außerdem im Trend: kostspielige Technik. Oft brauche es gar nicht die aktuellsten Smarthome-Systeme, sagt May. „Man muss im Urlaub nicht zwingend kontrollieren können, ob das Badlicht ausgeschaltet ist. Das sind eher technische Spielereien.“
Worauf sollte man
keinesfalls verzichten?
Wer am falschen Ende spart, kann auch böse überrascht werden. Das gilt vor allem, wenn sich Dinge später nicht mehr nachholen lassen. Wer erst später merkt, dass ein Keller doch praktisch wäre, kann den schließlich nicht mehr nachträglich einbauen lassen. Hier ist also gute Planung vorab gefragt – und ein gründliches Hinterfragen der eigenen Wohnbedürfnisse. Wer die Baukosten konsequent niedrig hält und etwa beim Schallschutz Abstriche macht, müsse sich darüber im Klaren sein, dass sich das später auch auf Wohnkomfort und Wiederverkaufswert auswirken könne, so Reinwald. Auch sei es sinnvoll, zumindest die vorbereitenden Maßnahmen für eine Elektroladesäule oder eine Photovoltaikanlage mitzudenken, sagt May. dpa