Krakau preiswert: Mit dem 3-Tages-Pass in die Tuchhallen (o.) – und den Kultsnack polnische Pizza naschen (r.).
Einen Städtetrip unternehmen – und dabei weniger ausgeben als daheim? Eine Reise als Sparmaßnahme sozusagen? Das wär‘s … Und ist manchmal tatsächlich möglich. Wir haben im Marco-Polo-Reiseführer „Hin & Weg: Low Budget Europa“ geblättert und mehr als 1.000 Tipps für 25 europäische Städte gefunden. Zwei haben wir rausgepickt. Viel Spaß beim Sparen!
Tallinn: die junge,
kreative Stadt
Seinen besonderen Charme bezieht Tallinn aus dem Nebeneinander von Historie und Moderne, von Ruhe und Weltläufigkeit, von russischen Einflüssen und skandinavischem Flair. Mag die mittelalterliche Innenstadt eine der am besten erhaltenen Europas sein – hinter der historischen Fassade schlägt ein junges und ehrgeiziges Herz. Musik und Mode, Design und IT – zu allem fällt den kreativen Bewohnern etwas ein. Etwa auch, wo man maximal etwas erleben kann und minimal dafür Geld ausgeben muss.
Die Sehenswürdigkeiten:
• In der Nikolaikirche befindet sich Tallinns bedeutendster Kunstschatz: Bernt Notkes Gemälde „Totentanz“. Spar-Tipp: Am letzten Mittwoch im Monat kostet der Eintritt 3 statt 12 Euro (nigulistemuuseum.ekm.ee).
• Tallinns ganzer Stolz ist das einzige vollständig erhaltene gotische Rathaus Nordeuropas. 5 Euro zahlt man fürs Rathaus, 4 für den Turm (raekoda.tallinn).
• Noch ein Superlativ gibt‘s in Tallin: die am besten erhaltene Stadtmauer Europas. Sie kann man begehen u.a. beim Aufgang Suur-Kloostri/ Ecke Väike-Kloostri. Das Ticket gibt‘s für 3 Euro.
Hier kann man stöbern:
• Der Baltische Markt am Bahnhof ist der Treffpunkt der Tallinner schlechthin. 300 Händler verkaufen auf drei Etagen Trödel und Leckereien. Es gibt aber auch Bänke zum Ausruhen, viele bunte Fotomotive & kostenloses Wlan (astri.ee/bjt).
• Die Kreativfabrik „Telliskivi Creative City“ im Hipsterviertel Kalamaja beeindruckt mit schräg günstigen Shops, coolen Kneipen und dem Fotografiemuseum. Tipp: An Foodtrucks günstig schlemmen. Indisches Tandoori Chicken Tikka gibt es etwa im Spice Wagon, Borschtsch in den ausrangierten Eisenbahnwaggons von Peatus.
Das sollte man erleben:
• Einen traumhaft schönen Blick über die Unterstadt, auf die Alexander-Newski-Kathedrale, den Turm der Domkirche, uralte Häuschen und das Meer gibt es auf zwei Aussichtsterrassen, die garantiert kostenfrei sind: Patkuli Repp Ja Vaateplats und Kohtuotsa Vaateplats.
• Einmal am Meer durchpusten lassen? Nach Pirita, wohin es vor allem die jungen Tallinner zieht, fährt man mit dem Bus nur 25 Minuten. Kosten: 2 Euro.
Noch mehr sparen:
• Nur wenige Hauptstädte bieten ein vergleichbares gastronomisches Angebot zu so günstigen Preisen. Auch die Hotels kosten meist nur etwa die Hälfte von dem, was man in anderen Metropolen bezahlt. Bus- und Taxifahren ist preiswert. Anders sieht es bei westlicher Markenkleidung aus. Es lohnt sich, nach einheimischer Ware Ausschau zu halten.
• Nutzen Sie Kombitickets. Für 36 Euro etwa bekommt man Eintritt in diese fünf Museen: die Moderne-Kunst-Galerie Kumu, Schloss Katharinental, das Mikkel-Museum, die Nikolaikirche und das Adamson-Eric-Museum. Tipp: Am letzten Mittwoch im Monat ist der Eintritt meist frei.
Krakau: Zwischen Zukunft und Legende
In Krakaus Gesicht spiegeln sich die Jahrhunderte – ganz ohne steife Museumsatmosphäre. Die Metropole an der Weichsel lebt einen Mix aus Kultur und praller Lebenslust, aus Historie und Moderne, aus Zukunft und Legende. Hier kann man Festivals erleben, auf Zeitreise inmitten großer Architektur gehen oder auf den Spuren von Kopernikus wandeln.
Die Hot-Spots:
• Das Collegium Maius ist eine der ältesten Universitäten der Welt und ein akademisches Juwel. Hier unbedingt durch die ehrwürdigen Räume schreiten. Tipp: Mittwochnachmittags ist der Eintritt frei (maius.uj.edu.pl).
• Auf dem größten gotischen Marktplatz Europas, dem Rynek Główny, pulsiert das Herz der Stadt. Sehenswert: die Tuchhallen, eines der bedeutendsten Beispiele großartiger Renaissance-Architektur. Sie erhielten ihren Namen vom Handel mit englischen und flämischen Tuchen. Nachts lieferten Pferdefuhrwerke neue Waren in die enge Passage zwischen den Krämerläden; die Seiteneingänge waren zum Schutz vor Dieben mit Metallgittern versperrt. Nach einem Brand im Jahr 1555 wurden die Hallen mit prächtigem Tonnengewölbe und Arkaden aufgebaut. Heute reihen sich hier bunte Marktstände aneinander (mnk.pl).
Kultur & Menschen:
• Beim Festival der jüdischen Kultur treten im Juni und Juli im Stadtteil Kazimierz die besten nationalen Musiker und Künstler auf (jewishfestival.pl).
• Im Literatenpark Planty steht die größte Skulpturen- und Denkmäler-Sammlung des 19. und 20. Jahrhunderts. Über QR-Codes erfährt man viel über Schriftsteller und Dichter wie Stanisław Lem, Georg Trakl oder Herta Müller. Eintritt frei.
• Für den Bau des MOCAK, des Museums für moderne Kunst, wurden Teile der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler genutzt. Donnerstags ist der Eintritt frei (mocak.pl).
• Krakau ist eine Jazzstadt. In Harris Piano Jazz Bar spielen die Großen im Backsteinambiente eines alten Kellers – dazu gibt es eine riesige Bierauswahl. Eintritt ab 4 Euro (harris.krakow.pl).
Genuss zum Tiefpreis:
• An den Imbissständen in der Halle Okr glak, bis 1939 ein koscheres Geflügelschlachthaus, bekommt
man Zapiekanka, polnische Pizza. Der Kultsnack ist für 10 Zł., umgerechnet etwa 2,30 Euro zu haben.
• Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auch im Polakowski. In den Selbstbedienungslokalen bekommt man Hausgemachtes wie Suppen, Fleisch und Eintöpfe nach polnischer Art zum Minipreis (polakowski.com.pl).
Shopping-Tipps:
• Die Krakauer Filiale der Buchhandelskette Empik liegt in einem Haus, in dem schon 1610 ein Buchladen war – der erste Europas. Hier blättert man in wunderschönen Räumen mit alten Portalen und Decken in großer Literatur (empik.com).
• Jeden Sonntag bekommt man auf Krakaus größtem Flohmarkt am Plac Targowy Unitarg alles Mögliche bis hin zu einzigartigen Fundstücken zu fairen Preisen (unitarg.krakow.pl).
Noch mehr sparen:
• Mit dem digitalen Krakau Pass ist der Eintritt zu 40 Museen gratis. Auch eine Stadtführung ist inklusive. 3 Tage kosten ab 28 Euro (krakowcard.com).
• In Krakau gibt es 30 km markierte Radfahrwege, die Stadt ist herrlich flach. Leihfahrräder ab umgerechnet 1,60 Euro die Stunde bekommt man bei DWA KOŁA (dwakola.internetdsl.pl). Julitta Ammerschläger