Malta auf die abenteuerliche Tour

von Redaktion

Die meisten Urlauber kommen zum Baden und Sonnen nach Malta: Doch wer sich von der Strandliege aufrafft, findet hier tolle Orte für Outdoor-Aktivitäten.

Nein, Malta ist kein Geheimtipp mehr. Seit das Scheitern des arabischen Frühlings Tunesien & Co. destabilisierte, strömen mehr Urlauber denn je auf die sonnendurchglühten Inseln südlich von Sizilien.

Aber es ist, wie so oft: Die Gäste konzentrieren sich dort, wo die Infrastruktur dafür geschaffen ist. Doch man muss nur die Hotelkästen hinter sich lassen, einen enthusiastischen Guide erwischen, und dann finden sie sich, die noch erstaunlich idyllischen Steilküsten und Buchten, die ideal sind für einen aufregenden Outdoor-Urlaub.

Küstenwandern zum
Steinzeit-Tempel

„Malteser gehen nicht gerne“, sagt Joseph Vella. Er selbst dagegen wandert schon sein ganzes Leben. Eine der Lieblingstouren des 61-Jährigen startet am Megalith-Tempel Hagar Qim an der Südküste. Dahinter geht es durch Artischocken-Disteln und Thymianbüsche zum Torri tal-Hamrija, einem der Wachtürme, die einst vor Angriffen osmanischer Piraten warnten.

Oberhalb der Klippen mit ihren türkisfarbenen Grotten wandern wir mit herrlichem Meerblick bis zur Doppelbucht Ghar Lapsi. Im Naturpool baden Familien, vor den Restaurants liegen bunte Fischerboote. Durch Weinberge und Olivenhaine führt Vella hinauf ins Dorf Fawwara, wo über Steinmauern Palmen, Kakteen und pinke Bougainvillea wuchern. Und am Ende schauen wir von einer Anhöhe weit über die Dingli Cliffs.

Biken: Hasenbraten
und Genussabfahrt

An der Magdalena-Kapelle wartet Caroline Zammit. Die 53-Jährige nimmt Gäste per Mountainbikes mit auf die Hügel der Westküste. „Es wird eine entspannte Tour, mit vielen Stopps“, gibt sie Entwarnung. Über kurvige Landstraßen strampeln wir sanft bergauf und bergab, vorbei an Trockensteinmauern und Erdbeerfeldern. Von Anhöhen blickt man über terrassierte Felder auf die Steilküste. Beim Dorf Bahrija, bekannt fürs maltesische Nationalgericht Hasenbraten, beginnt die finale Genussabfahrt: Durch weite Kurven sausen wir nach Mgarr, der Blick fliegt übers Meer bis zu den Klippen der Schwesterinsel Gozo. Und an der Golden Bay springen wir verschwitzt ins Meer.

Im Kajak ums Inselchen des Apostels

Paddeln ist in einem Inselstaat wie Malta an vielen Stellen möglich. Doch Mistra Bay im Nordwesten ist so gut vor Wind und Wellen geschützt, wie Alwyn Bromhead sagt, dass schon die Römer mit ihren Galeeren hier ankerten. Im offenen Kajak gleiten wir entlang der zerklüfteten Felsküste. Auf den Klippen sitzen Bunker, die die Briten in die Felsküste betonierten. Darunter hat das Meer scharfkantige Überhänge und Höhlen in den Kalkstein gegraben.

Die Steilküste wird noch beeindruckender, als wir das vorgelagerte St. Paul‘s Island umrunden. Auf das Felsinselchen haben die Malteser eine zwölf Meter hohe Statue des Apostels gesetzt. Laut Legende erlitt Paulus hier auf dem Weg nach Rom Schiffbruch und bekehrte bei der Gelegenheit den Statthalter, wofür ihn die katholischen Malteser bis heute verehren.

An der Ostspitze fordert das Meer kurz Konzentration, entspannter wird‘s entlang der ockergelb leuchtenden Klippen bis zur Salmon Bay. In die Bucht kämen meist nur Einheimische, sagt Bromhead.

Klettern: mit Seil –
oder ohne

Malta hat keine hohen Berge, aber viele Klippen. „Schon britische Soldaten kletterten hier“, sagt Christopher Sella, heute gebe es rund 1.000 Routen mit Bohrhaken. Beim Deep Water Soloing brauche man nicht mal ein Seil: Man kraxelt einfach Klippen hinauf, springt ins Meer. Malta sei als Kletterziel noch wenig bekannt, sagt Sella.

Der 37-Jährige bietet geführte Touren und betreibt eine Kletterhalle, Anfänger bringt er zu den Xaqqa Cliffs an der Südküste. Die bis zu 40 Meter hohen Kalksteinwände der tief eingeschnittenen Bucht sind leicht geneigt, die Füße hängen nie in der Luft, der Blick aufs türkisfarbene Meer ist grandios. Wer sich zum Reinschnuppern nur abseilen will, wird mit einem zweiten Seil gesichert.

Tauchen: neues Leben
am Geisterschiff

Dass Malta viele Klippen und wenige Sandstrände hat, freut die Taucher. Im klaren Meer dürfen sie durch Schluchten und Höhlen schweben. Die Stars der Unterwasserwelt aber sind die Wracks: U-Boote, Bomber und Zerstörer aus dem Zweiten Weltkrieg. Und Schiffe, die eigens für Sporttaucher versenkt wurden. Das größte ist die „Um el Faroud“, ein 110 Meter langer libyscher Öltanker. An manchen Tagen tummeln sich Dutzende Taucher an dem Wrack vor Wied Iz Zurrieq.

Wir haben Glück, ganz allein sinken wir zur Schiffsschraube hinab, gleiten die Bordwand empor und entlang der Reling, die verkrustet ist mit Schwämmen. Wer übers Deck schwebt, schaut hinauf zum litfaßsäulengroßen Schornstein und in den Abgrund, den ein Wintersturm in die Mitte des Wracks riss. Bunte Fische knabbern an algenüberzogenen Ketten.

Infos unter: visitmalta.com/de oder www.malta.reise. Florian Sanktjohanser/dpa

Artikel 2 von 11