Am 16. Juni feierte Spanien den Día Mundial de la Tapa, den Welt-Tapas-Tag. Für die Spanier der Tag, der eines ihrer bekanntesten kulinarischen Erlebnisse würdigt. Dabei ist Tapa nicht gleich Tapa. Was wo auf dem Tresen drapiert wird, unterscheidet sich je nach Stadt und Region. Denn regionale Produkte, Aromen und Traditionen spielen bei der Kreation der leckeren Häppchen eine große Rolle. Ein kleiner Einblick in ein großes Land voller Genuss.
Muscheln lieben die Leute von Valencia
In Valencia dreht sich das Tapas-Erlebnis um regionale Produkte wie Clóchinas (Glockenmuscheln), Esgarraet (Salat aus Kabeljau und Paprika) oder Titaina (eine Mischung aus angebratenen Tomaten, Paprikaschoten, Knoblauch, Pinienkernen und gesalzenem Thunfischbauch). Richtig schön authentisch erlebt man das Tapeo im alten Fischerviertel El Cabanyal. Es ist geprägt von der Arbeiterklasse und bunten Kachelhäusern. Hier findet man auch die wichtigste Tapas-Adresse, Casa Montaña (Josep Benlliure 69), ein rund 180 Jahre altes Lokal. Bodenständiger und ohne Touris kommt die Bodega La Aldeana daher.
Das älteste Restaurant
Spaniens hat Zaragoza
In Zaragoza entfaltet sich die Tapas-Kultur in El Tubo, einem Geflecht aus engen Gassen wie Estébanes, Libertad oder Mártires, wo Leute auf Hockern sitzen und sich von Lokal zu Lokal essen. Der Ruhm des Tubo als Gastro- und Vergnügungsviertel kommt aus den 1930er bis 1950er Jahren, als hier eines der bekanntesten Cabarets stand, das Plata. Welche Tapas man in Zaragoza genießt? Ternasco (aragonesisches Milchlamm), Casquería (Innereien), Borrajas (regionales Gemüse) und Migas (gebratene Brotbrösel). Die bekanntesten Tapas-Bars in Zaragoza sind die Bodega Almau (Estébanes 6) mit bunter Kachelfassade und 150 Jahre alter Tradition sowie Casa Lac (Calle Mártires) laut Guía Michelin eines der ältesten Restaurants Spaniens.
Wein steht in Ourense
im Mittelpunkt
In Ourense geht man nicht „Tapas essen“, sondern „ir de vinos“, auf die Weine. Passenderweise ist hier Os Viños das Epizentrum der Tapas-Kultur, verwinkelte Gassen rund um die Plaza del Hierro (hier befindet sich auch unser Lokaltipp, die Bar Orellas). Hier verbringen die Menschen von Ourense ihre Wochenendabende, ziehen von Bar zu Bar und teilen sich Tapas mit knusprigem Schweineohr, gekochtem Oktopus, Tortilla-Stücken, galicischem Käse, Kroketten und kräftigen Guisos, Eintöpfen.
Mini-Haute-Cuisine in
San Sebastián
Im Baskenland heißen die Tapas Pintxo, Haute-Cuisine-Gerichte in Miniaturform. San Sebastián gilt als die Welthauptstadt dieser Küche, das Herz ist Parte Vieja, die Altstadt, vor allem die Gassen Fermín Calbetón und 31 de Agosto. Die Nummer 1 unter den Pintxos kommt erstaunlich simpel daher: Sie heißt Gilda und ist ein Zahnstocher, auf dem Sardellen aus dem Kantabrischen Meer, Manzanilla-Oliven und eingelegte Paprikaschoten aufgespießt und kalt serviert werden.
Gratis-Tapas in
Salamanca & Granada
In Salamanca ist die Tapa gratis. Was eigentlich für ganz Kastilien-León gilt. Hier bekommt, wer eine Caña oder ein Glas Wein bestellt, ein Häppchen ohne Aufpreis dazu. Die Tapas hier sind kastilisch, deftig und stark vom Schwein geprägt. Die Region lebt vom Ibérico-Schinken (die Provinz mit Guijuelo ist eine der großen Schinkenregionen Spaniens), und fast jede Tapa mit Jamón ist eine sichere Wahl. Patatas meneás, kastilisches Kartoffelpüree, meist gekrönt von Torreznos, knusprig ausgebackenem Bauchspeck, ist etwa im Bambú, in der Bar Jero oder der Bar La Viga ein absolutes Muss.
Auch in Granada gibt es die Gratis-Tapa, und zwar in der radikalsten Form. Zu jedem Getränk serviert man hier gratis eine kleine Portion Essen. Der entscheidende Unterschied zu Salamanca: In Granada darf man die Tapa meist nicht aussuchen. Sie ist ein Geschenk des Hauses. Die Spezialitäten hier: Berenjenas a la miel, frittierte Auberginen mit Zuckerrohrhonig, oder Cazón en adobo, frittierter Hundshai. Tipp: Nicht in Touristenfallen rund um die Alhambra einkehren. Viel besser sind die Calle Navas, die Calle Elvira und die Plaza Nueva mit den ältesten Tavernen sowie das maurische Viertel Albaicín. Julitta Ammerschläger.