Mit dem Auto entspannt in den Urlaub

Alle auf den Plätzen, los geht die Fahrt: Wer mit der Familie in den Urlaub fährt und dann im Stau landet, braucht ein Kuscheltier, spannende Hörspiele und ein paar Tipps für gute Laune. Fotos picture Alliance/dpa-tmn, Imago/Photo Alto

Alle auf den Plätzen, los geht die Fahrt: Wer mit der Familie in den Urlaub fährt und dann im Stau landet, braucht ein Kuscheltier, spannende Hörspiele und ein paar Tipps für gute Laune. Fotos picture Alliance/dpa-tmn, Imago/Photo Alto

Die Koffer sind gepackt, das Ziel steht fest. Aber irgendwo zwischen Vorfreude und Ankunft wartet ein Stau.

Die Urlaubsfahrt gehört für viele fest zum Sommer – mit allem, was dazugehört: Vorfreude, volle Autobahnen, genervte Kinder auf der Rückbank. Ja, manchmal ist mehr Geduld gefragt, als noch übrig ist. Hinzu kommt: Der ADAC rechnet auch in diesem Jahr wieder mit viel Stop-and-Go auf deutschen Autobahnen – besonders an den ersten Ferienwochenenden. Doch es gibt Trost: Mit etwas Vorbereitung und ein paar Tipps startet man entspannter in den Urlaub.

So vermeidet man Stau

• Besonders voll wird es an Ferienwochenenden – typischerweise freitagnachmittags und samstagvormittags, so der Automobil-Club (ACV). Wer dienstags oder mittwochs reist oder frühmorgens startet, kann größere Staus oft umgehen.

• Verkehrs-Apps bieten Prognosen für Tageszeiten und kennen Baustellen. „Ein Blick vor der Abfahrt hilft, bekannte Engstellen zu umgehen oder die Abfahrtszeit anzupassen“, rät Philipp Mathey vom ACV.

• In den Sommermonaten sorgt das Lkw-Fahrverbot (Samstag von 7 bis 20 Uhr und Sonntag ganztägig) auf vielen Autobahnen zumindest punktuell für Entlastung.

• Extra-Tipp: Nie mit fast leerem Tank starten.

Navi folgen – und
Autobahn verlassen?

Grundsätzlich gilt: Navis kennen die aktuelle Verkehrslage und können Staus früh erkennen. Ihr Schwachpunkt: Wenn zu viele Fahrer gleichzeitig umgeleitet werden, verlagert sich der Stau auf Ausweichstrecken. „Den Vorschlägen des Navis sollte man grundsätzlich folgen, aber nicht unkritisch“, meint Philipp Mathey. Vor allem kurzfristige Abfahrten direkt vor einem Stau führten dem ACV zufolge oft in genauso volle Nebenstrecken. Eine Umfahrung lohne sich vor allem bei Vollsperrungen oder Staus von mehr als zehn Kilometern.

Im Auto mit Kindern

• Gerade mit Kindern kann ein Stau schnell zur Belastungsprobe werden. Tipp vom Auto Club Europa (ACE): Eltern sollen lieber wenige, dafür gut erreichbare Spielsachen einpacken. Kleinteile besser nicht, denn die können leicht herunterfallen und zur Ablenkung werden.

• Achtung an Reisetagen mit viel Sonne: „Selbst bei eingeschalteter Klimaanlage kann es schnell unangenehm heiß werden auf einzelnen Sitzplätzen“, sagt Jeannine Ulm vom ACE. Praktisch sind statisch haftende Sonnenschutzfolien, aber auch ein vor das Fenster gehängtes helles Tuch verschafft Abhilfe.

• Bei der Unterhaltung kommt es auf die richtige Wahl an. Kennzeichenraten, Hörspiele, Bücher oder Tablets. Der ACV empfiehlt, auch bei Musik oder Podcasts auf eine Auswahl zu setzen, die allen im Auto gefällt.

Wie oft sollte man
Pause machen?

Der ACE empfiehlt, etwa alle zwei Stunden oder 200 Kilometer eine Pause von 15 bis 20 Minuten einzulegen. „Müdigkeit zählt zu den größten Konzentrationskillern im Straßenverkehr“, sagt Ulm. Erste Anzeichen wie häufiges Gähnen oder brennende Augen sollten ernst genommen werden. Koffein beseitigt die Erschöpfung nicht. Wer Kaffee trinkt, sollte ihn am besten direkt bei einer Pause vor einem kurzen Powernap nehmen: Das Koffein braucht rund 20 Minuten, bis es wirkt.

Was, wenn im Stau die
Toilette ruft?

Vorsorge ist hier wichtig. Der ACE empfiehlt kleine Notfalltoiletten oder Taschen-WCs, die wenig Platz benötigen. „Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, hat es leichter, die Bordtoilette darf im Stand genutzt werden, wenn die Zündung aus ist“, sagt Jeannine Ulm.

Was ist im Stau
verboten?

Das Smartphone bleibt tabu, außer bei Stillstand mit ausgeschaltetem Motor. Wenden und Rückwärtsfahren sind strikt verboten. Wer die Rettungsgasse zum Vorankommen nutzt, riskiert dem ACE zufolge mindestens 240 Euro, zwei Punkte und ein Fahrverbot. Auch der Standstreifen ist grundsätzlich tabu. Er darf nur in Ausnahmfällen genutzt werden, etwa auf polizeiliche Anweisung oder wenn sonst keine Rettungsgasse gebildet werden kann. Gaffen kann Bußgelder bis zu 1.000 Euro nach sich ziehen.

Notfallgepäck im Auto

Neben Verbandskasten und Warnweste rät der ACV, ausreichend zuckerfreie Getränke und gesunde Snacks griffbereit zu haben – Obst oder Nussmischungen halten den Blutzucker stabiler als Gummibärchen. Medikamente und Sonnenschutz gehören ebenfalls ins Handgepäck.

Wie bildet man eine Rettungsgasse richtig?

Auf zweispurigen Autobahnen weicht der linke Fahrstreifen nach links aus, der rechte nach rechts – so entsteht in der Mitte eine freie Gasse.

Auf dreispurigen oder breiteren Fahrbahnen weicht nur der linke Streifen nach links aus, alle anderen orientieren sich nach rechts. Wichtig: Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, die Rettungsgasse zu bilden, sobald der Verkehr auf mindestens zwei Fahrstreifen stockt. Wer die Gasse zu spät oder gar nicht freigibt, riskiert ein Bußgeld von mindestens 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot.

Tipps gegen Übelkeit

Reiseübelkeit gehört zu den häufigsten Problemen auf langen Familienfahrten – besonders Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind laut ADAC betroffen. Der Auslöser: Das Gleichgewichtsorgan nimmt die Fahrbewegungen wahr, während die Augen den stillstehenden Innenraum sehen – das Gehirn gerät in Konflikt.

• Schlechte Idee hier: Tablets oder Bücher, bei denen Kinder nach unten schauen. Sie verstärken die Übelkeit. Viel besser sind Hörbücher oder Ratespiele, bei denen der Blick in Fahrtrichtung bleibt.

• Wer bereits Symptome spürt, sollte einen ruhigen Punkt am Horizont fixieren und auf tiefes, gleichmäßiges Atmen achten.

• Auch die Reiseplanung kann helfen: Wer nachts fährt, umgeht das Problem oft ganz – schlafende Kinder entwickeln keine Reisekrankheit.

Wie bleibe ich im Stau mental entspannt?

Der Stau ist selten das eigentliche Problem – sondern die Erwartung, pünktlich anzukommen. Pufferzeiten von mindestens einer Stunde seien einzuplanen und der Stau als Teil der Reise zu akzeptieren, nicht als Störfaktor, rät der ACE auch mit Verweis auf Verkehrspsychologen. Wer sich ärgert, fährt später nicht schneller – erhöht aber das Unfallrisiko.

Atemtechniken, ruhige Musik oder ein kurzweiliges Hörbuch können helfen, die Anspannung zu lösen. „Nutzen Sie die erzwungene Pause bewusst: Familiengespräche, Spiele oder einfach mal schweigend die Landschaft betrachten“, rät Jeannine Ulm. Wer weiß, dass Stau dazugehört, lässt sich von ihm seltener aus der Ruhe bringen. Claudius Lüder/dpa

<p>Alternative: Das Navi zeigt an, wo man abfahren kann.</p>

Alternative: Das Navi zeigt an, wo man abfahren kann.

Samstag, 11. Juli 2026
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